Fragen erwünscht! (3)


Translation here.


Solange wir im Unglauben verharrten, war unser Verstand verfinstert (Epheser 4, 18), d.h. unfähig Gott zu erkennen und Gott gemäß zu denken. Jetzt aber, da unser Geist und (Denk-)Sinn erneuert wurde (Epheser 4, 23) beeinflusst der Geist Gottes unsere Denkprozesse so, dass wir von Gottes Standpunkt aus denken können.¹

Wenn Sprüche 3, 5 – 6 uns sagt:

„Vertraue auf den HERRN von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand; erkenne ihn auf allen deinen Wegen, so wird er deine Pfade ebnen.“

dann geht es hier nicht um das Verstehen von Fakten, Zusammenhängen etc., sondern um die persönliche Führung durch Gott. Es geht nicht darum, den Verstand auszuschalten, sondern darum, ihn nicht zur letzten Instanz zu machen, ihn nicht unabhängig von Gott zu gebrauchen. Das gilt insbesondere, wenn es um Gottes Führung für unser Leben geht. William McDonald kommentiert daher auch Sprüche 3, 5 – 6 wie folgt:

„Gnade und Wahrheit sollen in unserem äußeren Verhalten gesehen werden (‚binde sie um deinen Hals‘), aber ebenso auch unser inneres Leben charakterisieren (’schreibe sie auf die Tafel deines Herzens‘). Auf diese Weise findet man Gunst und Wohlgefallen (oder ‚Erfolg‘) in den Augen Gottes und der Menschen. Was damit letztendlich gesagt wird, ist, dass das wahrhaft glückliche Leben dasjenige ist, das sich im Zentrum des Willens Gottes bewegt. Aber das wiederum wirft die Frage auf: ‚Wie kann ich Gottes Willen in meinem Leben erkennen?‘ Eine klassische Antwort finden wir in den nächsten beiden Versen (Sprüche 3, 5 – 6). Die erste Voraussetzung ist die völlige Hingabe unserer selbst ‒ Geist, Seele und Leib ‒ an den Herrn. Wir müssen ihm nicht nur bezüglich der Errettung unserer Seele, sondern auch bezüglich der Führung in unserem Leben vertrauen. Und diese Hingabe muss völlig rückhaltlos sein. Zum Zweiten ist ein gesundes Misstrauen uns selbst gegenüber nötig, die Anerkennung der Tatsache, dass wir nicht wissen, was am besten für uns ist, dass wir nicht in der Lage sind, selbst den rechten Weg zu finden. Jeremia drückt es treffend aus: ‚Ich habe erkannt, HERR, dass der Weg des Menschen nicht in seiner Macht steht und dass es keinem, der geht, gegeben ist, seinen Schritt zu lenken‘ (Jeremia 10, 23). Schließlich müssen wir die Herrschaft Christi anerkennen: ‚Auf all deinen Wegen erkenne nur ihn‘ (oder: ‚erkenne ihn an‘). Jeder einzelne unserer Lebensbereiche muss seiner Herrschaft unterstellt werden.  (…) Wenn wir diese Bedingungen erfüllen, gilt die Verheißung, dass uns Gott unsere Wege lenken (o. ebnen) wird. Vielleicht tut er das durch die Bibel oder durch den Rat gottesfürchtiger Christen, vielleicht durch ein wunderbares Zusammentreffen von Umständen, durch den inneren Frieden des Heiligen Geistes oder durch eine Kombination dieser Mittel. Wenn wir warten, wird er die Führung so deutlich machen, dass eine Weigerung dann direkter Ungehorsam wäre. Dann erkennen wir, dass die Verheißung, unsere Wege zu lenken, wörtlich bedeutet, unsere Wege zu ebnen oder gerade zu machen, wobei die Führung gewiss in dieser Verheißung eingeschlossen ist.“²

Sprüche 3, 5 – 6 fordert also nicht eine Ablehnung des Verstandes von uns. Wie wir in einem abschließenden Teil dieser Betrachtung sehen werden, werden in der Bibel Glaube und Vernunft nicht gegeneinander ausgespielt. Es geht nicht um Glaube ohne Verstand, aber auch nicht um Verstand ohne Glaube. Beides hat im Leben des  Christen seinen Platz und muss auf die richtige Art und Weise eingesetzt werden.

¹= vgl. William McDonald, Kommentar zum Neuen Testament, CLV Bielefeld, 2. Auflage (Gesamtausgabe) 1997, Seite 927, Anmerkung zu Epheser 4, 23;

²= William McDonald, Kommentar zum Alten Testament, CLV Bielefeld, 2. Auflage 2010, Seite 786, Anmerkung zu Sprüche 3, 5 – 6;

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