Hirten und Mietlinge (1)


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Hirten und Mietlinge

Im 10. Kapitel des Johannesevangeliums lesen wir folgende Verse:

„Ich bin der gute Hirte; der gute Hirte läßt sein Leben für die Schafe.
Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht eigen sind,
sieht den Wolf kommen und verläßt die Schafe und flieht;
und der Wolf raubt und zerstreut die Schafe.
Der Mietling aber flieht, weil er ein Mietling ist und sich nicht um die Schafe kümmert.
Ich bin der gute Hirt und kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich,
gleichwie der Vater mich kennt und ich den Vater kenne.
Und ich lasse mein Leben für die Schafe.
Und ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind;
auch diese muß ich führen, und sie werden meine Stimme hören,
und es wird eine Herde und ein Hirt werden.
Darum liebt mich der Vater, weil ich mein Leben lasse,
auf daß ich es wieder nehme. Niemand nimmt es von mir,
sondern ich lasse es von mir aus. Ich habe Macht, es zu lassen,
und habe Macht, es wieder zu nehmen.
Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen.“

(Johannes 10, 11 – 19)


Der Herr Jesus Christus spricht hier über Seinen Dienst: Er ist der gute Hirte. Der gute Hirte lässt Sein Leben für die Schafe. Es ist ein Dienst, eine Hingabe, die keine Einschränkung kennt. Es ist ein Dienst, eine Hingabe, die auf’s Ganze geht. Das dies keine leeren Worte waren, hat Er am Kreuz von Golgatha unter Beweis gestellt:

Vor dem Passahfest aber, da Jesus wußte, daß seine Stunde gekommen sei, aus dieser Welt zum Vater zu gehen: wie er geliebt hatte die Seinen, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende.“

(Johannes 13, 1)

Das „Ende“ von dem Johannes hier spricht, war der Gang Jesu an das Kreuz von Golgatha. Dort machte Er Seine eigenen Worte war:

„Größere Liebe hat niemand als die, daß er sein Leben läßt für seine Freunde.“

(Johannes 15, 13)

Als Christen zitieren wir diese Verse gern und vergessen dabei doch recht oft, dass wir, als unser Herr Sein Leben für uns in den Tod gab, noch gar nicht Seine Freunde waren:

„Denn, wenn wir, als wir noch Feinde waren, mit Gott versöhnt worden sind durch den Tod seines Sohnes, wieviel mehr werden wir als Versöhnte gerettet werden durch sein Leben!“

(Römer 5,10)

„Als wir noch Feinde waren …“ – Christus starb für uns als wir noch Feinde waren. Auch für uns mag es möglich sein für einen Freund, einen Menschen, den wir lieben, in den Tod zu gehen. Die Geschichte kennt viele Beispiele von Menschen, die bereit waren für Famlienangehörige oder geliebte Freunde zu sterben. Doch wer von uns würde für einen Feind in den Tod gehen? Für einen Menschen, der uns hasst, ablehnt, ja unser Dasein, unsere pure Existenz verleugnet? Nur göttliche Liebe ist in der Lage dies zu tun.

Im krassen Gegensatz zu dem Dienst des liebenden Hirten steht die Handlungsweise des Mietlings. In guten Zeiten kann man ihn vielleicht gar nicht von einem echten Hirten unterscheiden. Er  kann stundenlang darüber sprechen, wie sehr er die Schafe liebt, welch‘ wunderbarer Dienst es doch ist, dem Besitzer der Schafe und den Schafen selbst zu dienen. Er erachtet es als eine Gnade, ein unverdientes Privileg, diesen Dienst tun zu dürfen. Es ist ihm eine Ehre. Auch an der praktischen Ausübung seines Dienstes gibt es nichts zu bemängeln, er versieht ihn vorbildlich: Tagsüber bewacht er die Schafe, versorgt sie mit Futter und Wasser,  abends führt sie sicher zurück in ihren Stall. Wenn die Zeiten gut bleiben, dann wird er diesen Posten vielleicht sogar bis zur Rente  ausfüllen und im Fall seines Todes erscheinen Nachrufe, die da lauten: „Sein Leben war Dienst für die Schafe“.

Wenn die Zeiten gut bleiben …. Ganz anders ist es, wenn es brenzlig wird, wenn Krisen kommen, wenn „es ernst“ wird. Erst da, wenn keine Sonntagsrede, sondern wirklicher Einsatz gefragt ist, erst da entscheidet sich, was für ein Mensch man ist:

„Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht eigen sind,
sieht den Wolf kommen und verläßt die Schafe und flieht;
und der Wolf raubt und zerstreut die Schafe.“

(Johannes 10, 12)

Ob jemand ein Hirte oder ein Mietling ist, entscheidet sich nicht, während man bei 30 Grad im Schatten am Strand liegt und Pina Colada schlüft. Ob man ein Hirte oder ein Mietling ist, das entscheidet sich in genau dem Moment, in dem man dem Wolf in die Augen schauen muss. Da wird offenbar, aus was für einem Holz jemand geschnitzt ist. Ist es das „Holz“ des Kreuzes von Golgatha, an dem Gott aus Liebe zu uns Seinen Sohn dahin gab, das unser Leben geprägt hat? Ist es die an diesem Kreuz offenbar gewordene Liebe,  die uns befähigt, unser Kreuz auf uns zu nehmen und unser Leben für die uns anvertrauten Schafe (in Familie, Versammlung oder vielleicht am Arbeitsplatz)  zu geben? Lieben wir die Schafe Christi bedingungslos, weil wir erkannt und erlebt haben, dass Er uns zuerst geliebt hat (1. Johannes 4, 19 – 21)? Oder bestimmen uns Wohlleben und Egoismus? Ist es der Wunsch „die eigene Haut“ zu retten, der uns davon laufen lässt? Werden wir im Augenblick der Gefahr dem Bären oder Löwen entgegentreten, um die Schafe zu retten, wie David es tat:

„Da sprach David zu Saul: Dein Knecht weidete das Kleinvieh für seinen Vater; kam nun ein Löwe oder ein Bär und trug ein Stück von der Herde fort, so lief ich ihm nach und schlug ihn und entriß es seinem Rachen; und erhob er sich wider mich, so ergriff ich ihn bei dem Bart und schlug ihn und tötete ihn.“

(2. Samuel 17, 34 – 35)

Oder werden wir zu Fahnenflüchtigen, die gar nicht schnell genug „ihre Demission einreichen“ können, um sich „vom Acker zu machen“? Die Entscheidung, was wir sein wollen, liegt bei uns und wir müssen diese Entscheidung jetzt treffen. Jetzt ist die Zeit, um von Jesus Christus, dem guten Hirten, zu lernen, wie man ein guter Hirte sein kann. Jetzt ist die Zeit, zu lernen, wie man sich selbst verleugnet und ein Diener für andere wird. Jetzt ist die Zeit, dem Egoismus abzusagen und zu lernen, wie man ein Glied am Leib Christi wird, das anderen Handreichung tut. Jetzt ist die Zeit. Denn wenn wir dem Wolf in die Augen schauen müssen, dann ist es zu spät.

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