Gedanken zum Millennium (1)

Translation here.

Dirk hat hier im Rahmen einer Predigtreihe  interessante Ausführungen zum Tausendjährigen Reich, dem Millennium, gemacht.  Dazu möchte ich einige kurze Gedanken anfügen:

Als eine Beschreibung des Millenniums hat er Jesaja 65, 17 ff. angesprochen. In sehr vielen Bibelübersetzungen (auch in der Online-Bibel, die ich hier benutze) wird dieses Kapitel mit den Worten „Neuer Himmel und neue Erde“ überschrieben. Ich denke, die Autoren dieser Überschriften (die ja nicht zum  inspirierten Text der Heiligen Schrift gehören) machen hier einen Fehler. Zwar spricht Gott in Jesaja 65, 17 von der Schaffung eines neuen Himmels und einer neuen Erde. Aber das in den Versen danach geschilderte Millennium ist noch nicht diese neue Schöpfung (Dirk hat darauf schon hingewiesen). Das wird insbesondere daran deutlich, dass es im Millennium noch Sünde und Tod geben wird (vgl.  Jesaja 65, 20). Das Fortbestehen von Sünde und Tod während des Millenniums machen auch deutlich, dass der Fluch, der seit dem Sündenfall (vgl. 1. Mose 3, 17 – 19) über der Erde liegt, in dieser Zeit noch nicht aufgehoben sein wird. Das wird  erst der Fall sein, wenn Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde schafft (vgl. Offenbarung 22, 3).  Aber noch ein anderer, oft übersehener Unterschied macht das deutlich:

Im Millennium wird „Gerechtigkeit herrschen“ (kein „Raubtierkapitalismus“, faire Rechtsprechung, Leistung wird sich endlich lohnen – niemand arbeitet umsonst oder für einen Hungerlohn). Aber es wird weiter Sünde geben, Übertretung der guten Gebote Gottes und am Ende sogar eine willentliche Rebellion gegen Gottes Herrschaft (vgl. Jesaja 65, 20; Hesekiel 45, 20; Sacharja 14, 17 – 20; Hesekiel 38, 1 – 23; Hesekiel 39, 1 – 8). Trotzdem wird Gottes Gerechtigkeit herrschen, d.h., sie wird mit Macht durchgesetzt (vgl. z.B. Jesaja 11, 1 – 6; Jesaja 32, 1; Jesaja 9, 7).  Ganz anders sieht es mit der Gerechtigkeit aus, die die Atmosphäre in dem neuen Himmel und auf der neuen Erde bestimmen wird. Der Apostel Petrus schreibt diesbezüglich in seinem zweiten Brief:

„Wir erwarten aber, nach seiner Verheißung, neue Himmel und eine neue Erde, in welchen Gerechtigkeit wohnt.“

(2. Petrus 3, 13)

In dem neuen Himmel und auf der neuen Erde  wird Gerechtigkeit wohnen, quasi zu Hause sein. Gottes Gerechtigkeit wird nicht mehr mit Macht durchgesetzt werden müssen. Ein Kommentator beschreibt diesen Zustand mit folgenden Worten:

„Indessen werden neue Himmel und eine neue Erde entstehen, in welchen Gerechtigkeit   wohnt.  Der  Apostel  sagt  hier  nicht,  dass  die  Gerechtigkeit  h e r r s c h e n   werde (das ist der Fall während der tausendjährigen Herrschaft des Herrn), er spricht vielmehr von dem ewigen Zustand, in welchem die Regierung, die alles in Ordnung gebracht hat, ein Ende nehmen und die Segnung ohne Hindernis von Gott ausgehen wird, indem das Reich Gott, dem Vater, übergeben sein wird. Petrus verfolgt die Regierungswege Gottes und gelangt so bis zu dem ewigen Zustand, in welchem die Verheißung endgültig erfüllt sein wird. Das Tausendjährige Reich selbst ist die Wiederherstellung, von der die Propheten geredet haben; in sittlicher Hinsicht sind dann Himmel und Erde verändert durch die Gefangenschaft Satans und die Regierung Christi! Jerusalem wird in Frohlocken umgewandelt sein, und sein Volk in Freude (Jes. 65, 17 – 18); die Himmel werden gänzlich gereinigt sein durch Macht, um nie wieder durch Satan verunreinigt zu werden; die Heiligen befinden sich droben in ihrem ewigen Zustand, die Erde ist befreit, obwohl noch nicht endgültig frei gemacht. Materiell aber ist die Auflösung der Elemente notwendig zur Erneuerung aller Dinge.“¹


Das Tausendjährige Reich wird eine Zeit ungeahnten Friedens und großen Wohlstands sein. Gerechtigkeit wird endlich in allen Gesellschaftsbereichen erfahrbar werden, weil Gott sie mit seiner Macht durchsetzen wird. Dennoch ist das Tausendjährige Reich nicht das Ziel des christlichen Glaubens, der christlichen Hoffnung. Erst nach dem Millennium, wenn auch der durch den Sündenfall ausgelöste Fluch von der Schöpfung genommen wird, wenn Sünde und Tod besiegt sein werden und Gott seine Wohnstätte inmitten des neuen Himmels und der neuen Erde unter den Erlösten aufrichten wird, erst dann wird dort Gerechtigkeit wohnen.

¹= „Betrachtungen über das Wort Gottes“ (Synopsis) J.N. Darby, Band 7, Seite 204, Ernst-Paulus-Verlag Neustadt/Wstr.

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Eine Antwort zu Gedanken zum Millennium (1)

  1. doxatheou schreibt:

    Hallo, ich bin gerade auch dabei, das Thema Millenium unter die Lupe zu nehmen. Ich stimme Dir ungeingeschränkt zu, in dem was Du darüber schreibst. Es ist nicht ganz einfach, sich in den vielen verstreuten Bibelversen, die sich zum Teil zu widersprechen scheinen, zurecht zu finden. Die Ausleger sind sich auch nicht einig, was nur noch mehr Verwirrung erzeugt. Einen ganz groben Überblick habe ich schon, aber es sind noch viele Fragen offen… Bin gerne bereit zum Austausch…

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