Dranbleiben! (1)


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Nachdem ich im  hier den unsachgemäßen Umgang mit Psalm 90, 4 und 2. Petrus 3, 8 betrachtet habe, möchte ich mich der Frage zuwenden, was durch die genannten Textstellen entgegen aller Endzeitspekulation, ausgesagt werden soll. Dazu ist es gut, wenn wir uns die genannten Verse in dem Zusammenhang anschauen. Heute möchte ich die Aussage von Psalm 90, 4  untersuchen:

Psalm 90:

„Ein Gebet von Mose, dem Mann Gottes. / Herr, du selbst warst unsere Wohnung in jeder Generation. Noch ehe die Berge geboren waren / und du die ganze Welt in Wehen erschufst, / warst du, Gott, da und bist in alle Ewigkeit.
Du führst die Menschen zum Staub zurück / und sprichst: „Kehrt wieder, Adamskinder!“ Denn tausend Jahre sind für dich / wie der Tag, der gestern verging, / wie eine Wache in der Nacht. Du schwemmst sie hinweg, es ist wie ein Schlaf; / und am Morgen sprießen sie auf wie das Gras. Am Morgen blüht und wächst es auf, / am Abend ist es welk und verdorrt. Durch deinen Zorn vergehen wir, / durch deinen Grimm sind wir bestürzt. Unsere Sünden liegen offen vor dir, / was wir verborgen haben, bringst du ans Licht. Dein Zorn lässt unsere Tage verrinnen, / lässt unsere Jahre wie einen Seufzer vergehen. Unser Leben dauert nur siebzig Jahre, / achtzig, wenn es voll Kraft war. / Und das meiste davon war nur Mühe und Last. / Schnell geht es vorbei, und schon fliegt es davon. Wer kennt denn die Macht deines furchtbaren Zorns, / wer nimmt sich das wirklich zu Herzen? So lehre uns doch, unsere Tage zu zählen, / dass Weisheit in unser Herz einzieht. Kehr zurück, Jahwe! Wie lange noch? / Hab doch Erbarmen mit uns, deinen Sklaven. Mach uns schon am Morgen mit deiner Gnade satt, / dann sind unsere Tage von Freude und Jubel erfüllt. Erfreue uns so viele Tage, wie du uns gebeugt hast, / so viele Jahre, wie wir das Unglück sahen. Lass an deinen Sklaven sichtbar werden dein Tun, / deine Herrlichkeit an deinen Kindern. Herr, unser Gott, zeig uns deine Freundlichkeit, / lass unsre Arbeit nicht vergeblich sein, / ja, lass gelingen, was wir tun!“

Bereits ein einmaliges, ruhiges Lesen dieses Psalms macht die grundlegende Aussage deutlich: Es geht Mose in diesem Gebet ganz offensichtlich darum, die menschliche Vergänglichkeit der göttlichen Ewigkeit gegenüber zu stellen:


Gott ist ewig

Er existierte bereits vor der Schöpfung (Verse 1 – 2).  Angesichts der für den einzelnen Menschen unüberschaubaren, wunderbaren Schöpfung wird deutlich, wer Gott ist: der allmächtige, ewige  Schöpfer (vgl. Römer 1, 20). Wenn Seine Schöpfung schon so groß und wunderbar  ist, wie groß und wunderbar muss dann erst der  Gott sein, der sie ins Dasein rief und immer noch erhält (vgl. Hebräer 1, 3)?


Der Mensch ist zeitlich

Dem ewig seienden, allmächtigen Gott stellt Mose die eigene Erfahrung gegenüber: Das Leben  des Menschen ist zeitlich sehr begrenzt und vergänglich (Verse 3, 5 – 6).  Angesichts aller Mühen und  Leiden, die auch Teil des menschliche Lebens sind  (Vers 10), könnte man sich fragen: „Was soll das eigentlich alles? Wofür all der Aufwand an Kraft, Arbeit, Hoffnung, wenn am Ende doch sowieso alles vergeht, wenn Hoffnungen sich vielleicht nicht erfüllen, Projekte scheitern, Ziele nicht erreicht werden?“ Menschliches Leben ist voll von diesen Ungewissheiten. Das ist die Spannung, in der wir alle täglich leben. Auch Mose hat sie erlebt: Seinen Auftrag, das Volk Israel aus Ägypten nach Kanaan zu führen, hätte er in recht kurzer Zeit erledigen können. Wenige Tagesreisen hätten ausgereicht, um das Volk von Ägypten an die  Grenzen Kanaans zu führen. Mose war 80 Jahre alt, als er diesen Auftrag erhielt (2. Mose 7, 7). Nach seinen eigenen Worten in diesem Gebet war er damit eigentlich schon „am Ende“ (seines Lebens). Vielleicht hat er davon geträumt, seinen 81 Geburtstag in Kanaan zu feiern, um sich anschließend zur Ruhe zu setzen. Doch es kam ganz anders: Anstatt Vorbereitungen für einen ruhigen Lebensabend in Kanaan treffen zu können,  musste er erleben, wie die Israeliten gegen Gott aufbegehrten (vgl. 4. Mose 13 + 14). 40 Jahre Umweg durch die Wüste waren die Folge des Ungehorsams und Mose musste, obwohl unschuldig, mitziehen. Aber damit nicht genug. Wieder und wieder lehnte sich das befreite Volk gegen Gott auf (Verse 7 – 9).  Würde dieses Volk wohl jemals das verheißene Land erreichen? Mose hätte oft Gelegenheit (und vielleicht auch Lust?) gehabt, „seinen Job hin zu werfen“.  Aber er tat es nicht. Denn er sah, dass Gott das  Volk bestrafte, aber es nicht verließ. Und Mose wusste auch: Israel hat als Volk durch alle  Generationen hindurch Gottes Zuwendung, Versorgung, Hilfe und Führung erlebt („Herr du  selbst warst unsere Wohnung in jeder Generation“, Vers 1). Seine Hoffnung und Zuversicht gründete sich auf einen Gott, der Sein Volk trotz aller Schwierigkeiten liebt, führt und versorgt. Mose wusste um die Begrenztheit seines Lebens  (Vers 10). Vielleicht hat er sich gefragt,  ob er als Leiter dieses Projekt „Rückführung nach Kanaan“ zu Ende bringen wird?  Aber  er war gewiss: auch wenn er stirbt wird Gott das Volk weiterhin begleiten und versorgen. Die Zukunft des Volkes Gottes ist nicht von einem einzelnen Leiter (hier: Mose) abhängig, sondern liegt souverän in Gottes Hand.  Das bedeutet aber auch: Gott wird mit Seinem Volk ans Ziel kommen, Seine Pläne mit diesem Volk ausführen und erfüllen.  Gott  hat „eine andere Sicht der Dinge“: 1000 Jahre, also ein für uns unüberschaubar langer Zeitraum, sind für Gott „wie ein Tag“.  Weil unsere Lebenszeit so begrenzt ist, haben wir oft den Wunsch, schnell „Ergebnisse“ zu sehen. Wir glauben, dass unsere Lebenszeit nur dann wertvoll ist, wenn wir solche „Ergebnisse“  vorweisen können. Wir wünschen, dass wir unsere Zeit effektiv  nutzen und wir möglichst „viel daraus machen“ können. Laufen die Dinge nicht so, wie wir uns das wünschen, dann „legen wir eben noch einen Zahn zu“, verdoppeln die Anstrengungen, den Einsatz, …. und landen früher oder später im Burnout. 1000 Jahre, das könnte eine Abfolge von 12 Leitern wie Mose (mit einer Lebenszeit von jeweils 80 Jahren) sein.  Egal, ob Gott für die Rückführung seines Volkes eine  Generation oder zwölf Generationen benötigt Er wird Sein Ziel erreichen. Eine solche Sicht der Dinge, wie Mose sie hatte, kann auch uns helfen, in schwierigen Situationen durchzuhalten, ‚dran zu bleiben – sei es als Leiter, sei es als Mitarbeiter, sei es als Beter oder, oder oder. Wichtig sind in erster Linie nicht die sichtbaren Erfolge. Wichtig ist, dass wir den Auftrag, den wir erhalten haben, ausführen, ob wir „Land in Sicht“ haben oder nicht :

„Alles, was dir vor Handen kommt, zu tun, das tue frisch (…)“

(Prediger 9, 10)

Wichtig ist ferner, dass wir im Kleinen und an jedem neuen Tag treu sind:

„Nun sucht man nicht mehr an den Haushaltern, denn daß sie treu erfunden werden.“

(1. Korinther 4, 2)

Gott, der Seine Verheißungen gibt, wird sie auch erfüllen:

„… denn soviele Gottesverheißungen es gibt, in ihm ist das Ja, und deshalb durch ihn auch das Amen, Gott zum Lobe durch uns!

(2. Korinther 1, 20)

Das Wissen darum, dass Gott Seine Pläne erfüllt, ob wir dies zu unserer Lebenszeit sehen oder nicht, gibt unserem Leben und unserem Dienst Motivation durch Durchhalten in schweren Zeiten und eine tragfähige Hoffnung, die nicht enttäuscht werden wird. Endzeitspekulationen, die noch dazu jeglicher biblischer Basis entbehren, können nur enttäuscht werden.

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