Christen sind besser … ?


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Menschliche Wertungen & Gottes Sicht der Dinge

Manchmal begegnet man als Christ im Gespräch mit anderen Menschen der Aussage: „Ihr Christen denkt wohl auch, ihr seid besser/die besseren Menschen!?!“ Man kann diese Aussage als „weit hergeholten Vorwurf“ beiseite schieben, doch es scheint mir, dass es auch immer wieder Christen gibt, die einen solchen (wohlgemerkt: falschen!) Eindruck mit Worten oder Taten bei anderen Menschen hinterlassen. Was aber sagt die Heilige Schrift?

Biblische Anthropologie beginnt ja nicht mit den Evangelien oder den Briefen des Neuen Testaments, sie beginnt schon mit dem Schöpfungsbericht (1. Mose 1 – 3 ). Danach ist der (= jeder) Mensch „im Bilde Gottes“ geschaffen:

„Und Gott sprach: Wir wollen Menschen machen nach unserm Bild uns ähnlich; die sollen herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel des Himmels und über das Vieh auf der ganzen Erde, auch über alles, was auf Erden kriecht! Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; männlich und weiblich schuf er sie.“

(1. Mose 1, 26 – 27)


Folgen wir dem Begriff „Bild“ durch die Bibel, dann sehen wir, dass er häufig als Synonym für den Begriff „Repräsentant“ benutzt wird. So steht z.B. im das im Buch Daniel beschriebene Bild des Königs Nebukadnezar, welches dieser von allen seinen Untertanen anbeten ließ, für die Person und Macht dieses Alleinherrschers (vgl. Daniel   3, 1 – 3). Oder denken wir an die  Frage der Pharisäer nach der Steuerzahlung in  Lukas 20, 20 – 25. Dort heißt es:

„Und sie lauerten ihm auf und sandten Aufpasser ab, die sich stellen sollten, als wären sie redlich, um ein Wort von ihm aufzufangen, damit sie ihn der Obrigkeit und der Gewalt des Landpflegers überantworten könnten. Und sie fragten ihn und sprachen: Meister, wir wissen, daß du richtig redest und lehrst und nicht die Person ansiehst, sondern den Weg Gottes der Wahrheit gemäß lehrst. Ist es uns erlaubt, dem Kaiser die Steuer zu geben, oder nicht? Da er aber ihre Arglist merkte, sprach er zu ihnen: Was versucht ihr mich? Zeiget mir einen Denar! Wessen Bild und Aufschrift trägt er? Sie antworteten: Des Kaisers. Er aber sprach zu ihnen: So gebt doch dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!

Das Geldstück trug Cäsars Bild, es repräsentierte also Cäsar selbst, seine Autorität  und seinen Einfluss. Der Mensch (jeder Mensch), der im Ebenbild Gottes geschaffen wurde,  ist nach biblischer Lehre als  Geschöpf Gottes also auch ein Repräsentant Gottes. Das macht seine Einzigartigkeit, seinen „Wert“ aus. Diese Einzigartigkeit etc. wird auch dadurch nicht geschmälert, dass der Mensch – wie der Apostel Paulus es sehr treffend ausdrückt – „die Herrlichkeit Gottes“ durch den Sündenfall verloren hat (vgl. Römer 3, 23). Diese Ebenbildlichkeit/Repräsentanz besteht heute immer noch (1. Korinther  11, 7). Da die Ebenbildlichkeit Gottes und damit der Wert des Menschen in seiner Schöpfung durch Gott begründet ist, ist sie  völlig unabhängig von Rasse und Religion. Denn die Aufteilung in Rassen und die Entstehung von Religionen fand erst sehr viel später statt. Die Ebenbildlichkeit Gottes und damit der von Gott gegebene Wert des Menschen, ist auch unabhängig von sozialem Status, Bildung, Verhalten und was immer wir Menschen sonst noch benutzen, um uns von anderen zu unterscheiden. Er ist auch völlig unabhängig davon, ob ein Mensch entsprechend diesem Wert, der ihm gegeben ist, lebt oder nicht. Ein Mensch mag betrunken in der Gosse liegen oder mir im Brioni-Mantel gekleidet im Kanzleramt begegnen – im Wert, in der Einzigartigkeit des von Gott geschaffenen Geschöpfes gibt es keinen Unterschied. Gott Selbst macht keine Unterscheidung zwischen den von Ihm geschaffenen Menschen, es gibt kein „Ansehen der Person“ vor Gott:


„Denn Jahwe, euer Gott, er ist der Gott der Götter
und der Herr der Herren,
der große, mächtige und furchtbare Gott,
der keine Person ansieht und kein Geschenk annimmt …“

(5.Mose, 10, 17)

„Und er sieht nicht an die Person der Fürsten und kennt den Herrlichen nicht mehr als den Armen; denn sie sind alle seiner Hände Werk.“

(Hiob 34, 19)

„Petrus aber tat seinen Mund auf und sprach: Nun erfahre ich mit der Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht …“

(Apostelgeschichte 10, 34)

„Denn es ist kein Ansehen der Person vor Gott.“

(Römer 2, 11)


Wenn Gott Selbst keine Unterscheidung zwischen den von Ihm geschaffenen Menschen macht,
wie viel weniger steht es mir zu, eine solche Wertunterscheidung zu treffen? Der Apostel Jakobus macht  in seinem Brief deutlich, wie unsinnig eine solche Haltung unter Christen ist:

„Durch sie [die Zunge, JNj.] loben wir Gott, den Vater, und durch sie fluchen wir den Menschen, die nach dem Bilde Gottes gemacht sind.“

(Jakobus 3, 9)

Eine solche Haltung bei Christen geht an Gottes Sicht des Menschen vorbei, sie ist Zielverfehlung, also Sünde. Wie gesagt, die Ebenbildlichkeit Gottes bezieht sich auf alle Menschen, da sie durch die göttliche Schöpfung konstituiert wird. Auch eine Unterscheidung zwischen jenen, die  zum Leib Christi, d.h., der Versammlung (= Gemeinde/Kirche)  und jenen, die (noch) „nicht zum Leib Christi“ (= Gemeinde/Kirche) gehören, kann deswegen nicht zu einem Wertunterschied führen, weil alle – drinnen wie draußen – Geschöpfe Gottes sind. Wer nun meint, dass jene, die „drinnen“ sind, besser seien, als jene, die sich (noch) „draußen“ befinden, irrt und hat das, was Gottes Wort über den Menschen im Zusammenhang mit der Ebenbildlichkeit Gottes sagt, nicht verstanden.

Selbst innerhalb der Gemeinschaft der Gläubigen wird der Vorstellung, es könnte Wertigkeiten („Bessere“ oder „Schlechtere“) geben, ein Riegel vorgeschoben:

„Nichts tut durch Zank oder eitle Ehre; sondern durch Demut achte einer den andern höher denn sich selbst, und ein jeglicher sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was des andern ist.“

(Philipper 2, 3 – 4)

„… und seid untereinander untertan in der Furcht Gottes.“

(Epheser  5, 21)

Ich kann verstehen, dass Begriffe wie „Gemeinde der Heiligen“, „Erwählte“, „Wiedergeborene“, „Gerettete“ oder „königliches Priestertum“  den Gedanken erwecken können, dass damit Abstufungen/Wertungen verbunden sein könnten. Diese Begriffe sind leider auch in dieser falschen Weise verstanden, ja missbraucht worden. Untersucht man sie jedoch genauer, so stellt man fest, dass diese Begriffe im Kontext des Neuen Testaments nicht als „Auszeichnungen“, „Wertmerkmale“ o.ä. gebraucht werden, sondern als Ausdruck von Aufgaben, Verantworung(en), Verpflichtungen. Nehmen wir z.B. den Begriff „Erwählung“, der aufgrund der gegenwärtigen Diskussion um die Lehren des (neuen) Calvinismus sehr aktuell ist. Wer meint, „Erwählung“ würde bedeuten, der „Erwählte“ sei etwas Besseres, geht völlig am Sinn dieses Wortes im Neuen Testament  vorbei. Das Neue Testament  gebraucht „Erwählung“ oder „Vorherbestimmung“ immer im Zusammenhang mit einer Aufgabe, einer Verpflichtung, einem Auftrag. Eingebildete „Erwählte“ sind oft überrascht, wenn man ihnen das verdeutlicht. Oder nehmen wir den Begriff „Gemeinschaft der Heiligen“. Heilige sind nach der Definition des Neuen Testaments Menschen, die „zum Dienst Gottes“ abgesondert sind. Betonung auf „Dienst“! Da gibt es viele eingebildete „Heilige“, die meinen, ihrer Heiligkeit sei Genüge getan, wenn sie sonntags in irgendeiner Kirche die Bank drücken … Auch denen wird ganz schnell anders, wenn man  ihnen die wahre Bedeutung dieses Begriffes erläutert und das zu Recht. Ich sehe daher nicht in erster Linie in diesen Begriffen eine Gefahr von Wertungen, sondern im biblischen Analphabetismus vieler Gläubiger, die diese Begriffe nicht in ihrem biblischen Sinn verstehen. Es ist die Aufgabe, der für Lehre und Wortverkündigung Verantwortlichen, die Gläubigen im richtigen Verständnis dieser Begriffe und im richtigen Ausleben derselben anzuleiten.  Erst wenn ein Gläubiger kein falsches Bild dieser Begriffe – und damit von sich selbst – hat, wird er fähig, seinen Mitmenschen in der Liebe und Achtung zu begegnen, die Gott für diese Menschen hat.

Weiterführende Links/kostenloser Download:

1) Vortrag zum Thema „Prädestination/Erwählung“ (mp3, Zip-Datei)

2) Kostenloser Download des Buches „Die fünf Punkte des Calvinismus“ von P. Streitenberger

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