Anmerkungen zu „An urgent message“ (2)

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Einige weitere Anmerkungen zu „An urgent message“
von David Wilkerson (2)

Obwohl ich vor einigen Tagen bereits einen kurzen Kommentar zu „An urgent message“ („Eine dringenden Botschaft“) von David Wilkerson geschrieben habe und auch an anderen Stellen des Internets weitere kritische Kommentare und Stellungnahmen zu finden sind, halten die Anfragen zu diesem Thema auf hohem  Niveau an. Mittlerweile hat David Wilkerson seine „dringende Botschaft“ etwas präzesiert (siehe hier). Seine neuerlichen Erklärungen tragen aber m. E. nicht zu wirklicher Klärung bei.  Wenn er z.B. schreibt:

„Es ist die Aufgabe eines wahren Propheten zu warnen. Kürzlich haben wir solch eine klare Warnung über direkt vor uns liegenden gefährlichen Tagen gehört. Der Prophet ist wie ein Mann, der einen Hirten warnt, dass räuberische Wölfe nahen. Es ist dann die Aufgabe des Hirten die Warnung angemessen zu prüfen und jene in seiner Obhut an einen Ort der Weisheit und Sicherheit zu führen. Ich bin kein Prophet. Ich bin ein örtlicher Pastor.“


dann frage ich mich, warum er als Hirte wie ein Prophet auftritt und prophetisch anmutende Botschaften weltweit verbreitet? Darum (und aus anderen Gründen) halte ich es für geboten, meine Anmerkungen zu bzw. Anfragen an diese „dringende Botschaft“ noch einmal zu ausführlicher darzustellen:


Die Verantwortung von Hirten und Verkündigern

Wie bereits in meinen ersten Anmerkungen zum Ausdruck gebracht, so möchte ich auch heute noch einmal betonen, dass meine Kritik sich nicht auf die Person von David Wilkerson oder seine evangelistische Arbeit bezieht. Ich möchte auch hinzu fügen, dass  es mir keinerlei Freude bereitet,  kritische Anmerkungen dieser Art zu schreiben. Doch wir müssen jede Lehre prüfen, ganz unabhängig davon, wie sympatisch uns die Person, die sie bringt, auch ist und welche Verdienste sie auch vorzuweisen hat. Denn das ist die Aufforderung der Heiligen Schrift, dem Wort Gottes, an uns (vgl. 1. Thessalonicher 5, 20 – 21). Hinzu kommt, dass Gläubige im Verkündigungs- oder Hirtendienst eine ganz besondere Verantwortung für die ihnen anvertrauten Menschen tragen. Die Versammlung (Gemeinde/Kirche) ist nicht irgendein beliebiger Verein. Sie ist – um mit dem Gleichnis zu sprechen – die Perle, für die der Kaufmann sein ganzes Hab und Gut her gab (vgl. Matthäus 13, 45 – 46) oder, um es mit den Worten des Apostels Paulus zu sagen, das teuer erkaufte Eigentum Gottes:


„So habt nun acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in welcher der heilige Geist euch zu Aufsehern gesetzt hat, die Gemeinde Gottes zu weiden, welche er durch das Blut seines eigenen Sohnes erworben hat!“

(Apostelgeschichte 20, 28)


Das Wissen darum, dass Gott die Versammlung (Gemeinde/Kirche) durch das Blut seines eigenen Sohnes erworben erkauft hat, muss uns immer wieder die Verantwortung verdeutlichen, die wir tragen. Für die Art und Weise, wie wir unseren Dienst innerhalb und für dieses Eigentum Gottes versehen, werden wir vor dem Richterstuhl Christi Auskunft geben müssen. Diese Verantwortung kann uns niemand abnehmen:

„Denn wir alle müssen vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, damit ein jeglicher empfange, was er vermittels des Leibes gewirkt hat, es sei gut oder böse.“

(2. Korinther 5, 10)

„Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr aber seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau. Nach der Gnade Gottes, die mir gegeben ist, habe ich als ein weiser Baumeister den Grund gelegt; ein anderer aber baut darauf. Ein jeglicher sehe zu, wie er darauf baue. Denn einen andern Grund kann niemand legen, außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Wenn aber jemand auf diesen Grund Gold, Silber, kostbare Steine, Holz, Heu, Stroh baut, so wird eines jeden Werk offenbar werden; der Tag wird es klar machen, weil es durchs Feuer offenbar wird. Und welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erproben. Wird jemandes Werk, das er darauf gebaut hat, bleiben, so wird er Lohn empfangen; wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden, er selbst aber wird gerettet werden, doch so, wie durchs Feuer hindurch. Wisset ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wenn jemand den Tempel Gottes verderbt, den wird Gott verderben; denn der Tempel Gottes ist heilig, und der seid ihr.“

(1. Korinther 3, 9 – 17)


Bedenken wir auch, dass es der Heilige Geist ist, der das geschriebene Wort Gottes inspiriert hat und der uns darin immer wieder auffordert, alles zu prüfen (vgl. 1. Thessalonicher 5, 21; 1. Johannes 4, 1). Die Aussage, man dürfe „prophetische Botschaften“ nicht prüfen/kritisieren, weil man damit „den Heiligen Geist betrübe“ entpuppt sich daher als Pseudoargument. Der Heilige Geist wird kaum betrübt sein, wenn wir seinem ausdrücklichen Willen erfüllen. Ganz im Gegenteil: die ungeprüfte Annahme aller möglichen „So-spricht-der-Herr-Botschaften“ wird den  Heiligen Geist betrüben, denn das ist eine klare Verachtung seines ausdrücklichen Gebotes.

An welchen Stellen stimmt die „dringende Botschaft“ von David Wilkerson mit den Aussagen der Heiligen Schrift nicht überein? Folgende Punkte sollen dies aufzeigen:

1. Vermischung

Was bereits bei einem ersten Lesen der „dringenden Botschaft“ auffällt, ist, dass David Wilkerson alttestamentarische Textstellen, die sich eindeutig auf das Volk Israel beziehen, gebraucht, um daraus Ableitungen bzgl. eines kommenden Gerichts über eine abgefallene Christenheit zu treffen. Hier werden Dinge vermischt, die die Heilige Schrift klar trennt: Israel und die Versammlung (Gemeinde/Kirche). Die Heilige Schrift fordert jeden Verkündiger eindringlich auf, die Unterschiede im Wort Gottes nicht zu verwischen, sondern deutlich zu machen:

„Befleißige dich, dich selbst Gott bewährt darzustellen als einen Arbeiter, der sich nicht zu schämen hat, der das Wort der Wahrheit recht teilt (od.: in gerader Richtung schneidet).“

(2. Timotheus 2, 15)


Es hätte sehr viele Textstellen aus dem Neuen Testament gegeben, die man im Zusammenhang mit Gottes Gericht über eine von Gott abgewandte Welt bzw. eine abgefallene Christenheit hätte zitieren können (2. Timotheus 4,1 – 4; 2. Timotheus 3, 1 – 6; 2. Petrus 3, 3; Jakobus 5, 1 – 10; Judas 1, 1 – 25; 2. Thessalonicher 2, 3; Offenbarung 3, 14 – 20 u.a.m.) . Warum tut David Wilkerson dies nicht? Indem er seine Aussagen mit Stellen aus dem Alten Testament verbindet, die einen eindeutigen und ausschließlichen Bezug zum Volk Israel haben, wird die Botschaft unglaubwürdig. Da ich bereits hier auf diese Problematik eingegangen bin, werde ich dazu an dieser Stelle nichts mehr schreiben.

2. Eine Botschaft, in der Jesus Christus nicht vorkommt

Eine weitere Tatsache, die schon beim ersten Lesen der „dringenden Botschaft“ Wilkersons geradezu „ins Auge springt“, ist, dass der Herr Jesus Christus darin mit keinem Wort erwähnt wird.  Und spätestens hier muss die Frage gestellt werden, ob diese „dringende Botschaft“ wirklich auf ein Drängen des Heiligen Geistes zustande gekommen ist, wie David Wilkerson es behauptet.  Gemäß den Aussagen des Herrn Jesus Christus in den so genannten Abschiedsreden (Johannes 14, 15 und 16), ist es aber gerade   d a s   Markenzeichen einer Botschaft des Heiligen Geistes, dass Jesus Christus dabei im Mittelpunkt steht:

„Wenn aber der Sachwalter gekommen ist, den ich euch von dem Vater senden werde, der Geist der Wahrheit, der von dem Vater ausgeht, so wird er von mir zeugen.“

(Johannes 15, 26)


„Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht aus sich selbst reden, sondern was irgend er hören wird, wird er reden, und das Kommende wird er euch verkündigen. Er wird mich verherrlichen, denn von dem Meinen wird er empfangen und euch verkündigen.“

(Johannes 16, 13 – 14)

In der Offenbarung wird der „Geist der Weissagung“ sogar definitiv mit dem „Zeugnis (für den Herrn) Jesu(s)“ verbunden:

„Und ich fiel zu seinen Füßen nieder, ihn anzubeten. Und er spricht zu mir: Siehe zu, tue es nicht. Ich bin dein Mitknecht und der deiner Brüder, die das Zeugnis Jesu haben; bete Gott an. Denn der Geist der Weissagung ist das Zeugnis Jesu.“

(Offenbarung 19, 10)


3. Eine alttestamentarische Buße ohne Vergebung der Sünden im Namen Jesu Christi

David Wilkerson kündigt in seiner „dringenden Botschaft“ ein Gericht Gottes, eine große Katastrophe, an und er ruft zur Buße auf. Doch es ist eine Buße auf der Grundlage des Gesetzes, nicht auf der Grundlage des Erlösungswerkes Jesu Christi. Gemäß Lukas 24, 45 – 47 muss im Zeitalter des Evangeliums Buße immer in Verbindung mit Vergebung der Sünden in dem Namen des Herrn Jesus Christus geschehen:


„Da öffnete er ihnen das Verständnis, daß sie die Schrift verstanden, und er sprach zu ihnen: Also ist’s geschrieben, und also mußte Christus leiden und auferstehen von den Toten am dritten Tage und predigen lassen in seinem Namen Buße und Vergebung der Sünden unter allen Völkern und anheben zu Jerusalem.“

(Lukas 24, 45 – 47)


Aber genau das – Buße und Vergebung der Sünden in dem Namen des Herrn Jesus – wird in Wilkersons „dringender Botschaft“ nicht verkündet, der Name des Herrn Jesus wird ja noch nicht einmal genannt. Dementsprechend wird hier eine alttestamentarische Buße verkündet.

4. Zusammenfassung:

Die „dringende Botschaft“, die David Wilkerson verkündet, vermischt Gesetz und Gnade, Altes und Neues Testament, sie ist eine Botschaft, in der der Herr Jesus Christus nicht vorkommt und in der zur Buße aufgerufen wird, ohne dass gleichzeitig die Vergebung der Sünden in dem Namen des Herrn Jesus Christus (für die wahrhaft Bußfertigen) verkündet wird. All das zeigt deutlich, dass diese „dringende Botschaft“ zwar über biblische Anklänge verfügt, nicht aber in Übereinstimmung mit dem Evangelium steht.


5. Problematische Folgen

In den vergangenen 30 – 40 Jahren hat die Christenheit das Aufkommen diverser „Propheten“ gesehen, die unzählbare „Weissagungen“ und „Prophetien“ in die Welt hinaus gesandt haben. Auch viele Gläubige sind ihnen gefolgt. Zwischenzeitlich muss man leider feststellen, dass die Mehrzahl dieser „Prophetien“ nicht in Erfüllung gegangen ist. Viele der „gesalbten Propheten“ haben sogar den Glauben verleugnet oder sind in Unmoral gefallen. Im Gegensatz zu diesen Menschen ist David Wilkerson sicherlich eine sehr integere und vertrauenswürdige Person. Trotzdem musste auch seine Gemeinde schon Berichte über „prophetische“ Geschehnisse korrigieren (siehe auch hier).
Solche und ähnliche Geschehnisse machen aus dem Namen des Herrn Jesus Christus und Seinem kostbaren Evangelium ein Gespött der Welt.
Wird die Welt uns Glauben schenken, wenn wir sie vor den biblisch prophezeiten Geschehnissen warnen wollen, wenn doch gleichzeitig so viel Falsches im Bereich der Christenheit „prophezeit“ wird? Gerade weil das prophetische Wort der Heiligen Schrift „ein helles Licht an einem dunklen Ort“ (vgl. 2. Petrus 1, 19), d.h. eine klare Wegweisung in dunkler  Zeit und damit auch ein  Hoffnungsquell in einer trostlosen Zeit, ist, müssen wir deutlich zu falschen oder lediglich biblisch angehauchten „Prophetien“ eindeutig Stellung nehmen. Um wahre und falsche Weissagung auseinander halten zu können, braucht man kein „Prophetie-Experte“ zu sein. Einen solchen Dienst kennt die Heilige Schrift nicht. Zur Unterscheidung von Wahrem und Falschen benötigen wir „nur“ eine gute und genaue Kenntnis des Wortes Gottes und eine Herzenseinstellung, wie sie die Gläubigen in Beröa besaßen:

„Die Brüder aber fertigten alsbald ab bei der Nacht Paulus und Silas gen Beröa. Da sie dahin kamen, gingen sie in die Synagoge. Diese aber waren edler denn die zu Thessalonich; die nahmen das Wort ganz willig auf und forschten täglich in der Schrift, ob sich’s also verhielte.

(Apostelgeschichte 17, 10 – 11)

Dazu schenke Gott uns allen Motivation und Ausdauer.


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2 Antworten zu Anmerkungen zu „An urgent message“ (2)

  1. Anonym schreibt:

    Jesus Christus war auch nicht in jeder Ansprache / Rede in dem oben ausgeführten Sinn „ausgewogen“.

    Bei der Beurteilung einer Person sollte man (wie übrigens ja auch bei der Bibelexegese) den Gesamtkontext beachten.

    Wenn man dies bei der Beurteilung von David Wilkerson beachtet, wird man auch bei ihm zu einem differenzierteren Bild kommen.

    Ihnen Gottes Segen!

  2. JNj. schreibt:

    Lieber Anonym,

    vielleicht lesen Sie bei Gelegenheit einmal, was ich einleitend zu meinem ersten Post, hier:

    https://mt1820today.wordpress.com/2009/03/19/anmerkungen-zu-an-urgent-message-1/

    bzgl. David Wilkerson geschrieben habe. Ich schätze seinen evangelistischen Dienst durchaus und empfand seine Stellungnahmen zu bestimmten Dingen äußerst wohltuend und notwendig.

    Dass ich sehr klar zwischen der Person und ihrer „Message“ zu unterscheiden weiß, habe ich m.E. auch hier:

    https://mt1820today.wordpress.com/2008/08/24/vom-beurteilen-undoder-verurteilen/

    versucht deutlich zu machen. Vielleicht hilft das zum besseren Verständnis.

    Ihnen ebenso von Herzen Gottes Segen!

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