Hintergrund 40: Das Buch des Propheten Jeremia (Teil 1)

Niederdeutsches Bibelzentrum St. Jürgen 06 2014 18

Das Buch Jeremia in einer alten deutschen Bibel im Niederdeutschen Bibelzentrum St. Jürgen * Foto: Concord, Niederdeutsches Bibelzentrum St. Jürgen 06 2014 18, CC BY-SA 3.0

Zum Hintergrund des Buches des Propheten Jeremia

Autor und Entstehungszeit 

Gleich zu Beginn des Buches wird uns sein Autor genannt: “Worte Jeremias, des Sohnes Hilkijas, von den Priestern, die in Anatot waren, im Land Benjamin (…)“ (Jeremia 1, 1 ELBEDHÜ). In ähnlicher Weise endet das Buch auch: “(…) Bis hierher die Worte Jeremias.“ (Jeremia 51, 64 ELBEDHÜ). Das Buch trägt also den Namen des Propheten Jeremia, der im späten siebten und frühen sechsten Jahrhundert vor Christus in Juda als Prophet Gottes wirkte.
Die Zeit, in der dieser Prophet lebte und diente, lässt sich sehr gut eingrenzen, so dass wir auch die Entstehung seines Buches recht genau datieren können. In Jeremia 1, 1 – 3 (ELBEDHÜ) lesen wir:

“Worte Jeremias, des Sohnes Hilkijas, von den Priestern, die in Anatot waren, im Land Benjamin, an den das Wort des HERRN erging in den Tagen Josias, des Sohnes Amons, des Königs von Juda, im dreizehnten Jahr seiner Regierung. Und es erging auch in den Tagen Jojakims, des Sohnes Josias, des Königs von Juda, bis zum Ende des elften Jahres Zedekias, des Sohnes Josias, des Königs von Juda, bis zur Wegführung Jerusalems im fünften Monat.“

Der hier genannte König Josia war der Sohn und Nachfolger des Königs Amons. Sein Name “Josia“ bedeutet “Jahwe heilt“ bzw. “Jahwe ist Heiler“. Er herrschte als König des Südreiches Juda und Benjamin über einen Zeitraum von 31 Jahren (640 – 609 v. Chr.) und war der letzte gottesfürchtige König dieses Reiches. Er hatte relativ große “Startschwierigkeiten“ zu überwinden. Denn Josia musste bereits als Kind im Alter von acht Jahren die Nachfolge seines Vaters auf dem judäischen Thron antreten. Im Alter von ca. 16 Jahren begegnete er Gott und ungefähr vier Jahre später, im Alter von 20 Jahren, begann er mit einer geistlichen Reformationsbewegung im Südreich. So ließ der junge König die Höhen, auf denen das Volk opferte, die Götzenbilder (Aschera) und die Götzenaltäre zerstören. In Erfüllung der Prophetie aus 1. Könige 13, 2 ließ er die Baalspriester hinrichten und ihre Gebeine auf den Götzenaltären verbrennen. Sein Reformationswerk war jedoch nicht auf die Grenzen des Zwei-Stämme-Südreiches beschränkt, sondern ergriff auch die Stämme Manasse, Ephraim, Simeon und Naphtali (vgl. 2. Könige 22, 1 – 2; 2. Chronika 34, 1 – 7). Anschließend an die Vertreibung der Götzendiener ließ Josia den Tempel Gottes wieder instand setzen. Im Verlauf dieser Arbeiten wurde durch den Priester Hilkija dort auch das Buch des Gesetzes wieder gefunden, das unter der Herrschaft der vorausgegangenen gottlosen Könige in Vergessenheit geraten war. Josia ließ sich das Buch des Gesetzes vorlesen und wurde durch das, was er hörte, innerlich so bewegt, dass er Buße tat. Er zerriss zum Zeichen seiner inneren Umkehr seine Kleider und dann ließ er Gott befragen, um zu erfahren, ob das Gericht Gottes von Juda abgewandt werden könnte. Gottes Antwort an ihn war, dass das im Buch des Gesetzes angekündigte Gericht für den Götzendienst (5. Mose 28, 15 ff.) unausweichlich waren, sie aber Juda nicht mehr zur Zeit der Regentschaft Josias erreichen sollten, da dieser  sich vor Gott gedemütigt und so auch Gnade für sein Volk erwirkt hatte. Daraufhin ließ Josia das Volk versammeln und das Gesetz verlesen, so dass jeder Bewohner Judas Kenntnis von dem Gesetz Gottes haben konnte. Dann erneuerte er den Bund mit Gott und blieb dem Gott Israels bis zu seinem Tod treu ergeben (vgl. 2. Könige 22, 3 – 20; 2. Könige 23, 1 – 20; 2. Chronik 34, 8 – 33). Obwohl Josia in seiner Treue gegenüber Gott ein wunderbares Vorbild war und alles tat, damit auch das Volk wieder zu Gott zurückkehrte, blieben die Bewohner Judas in ihren Herzen verstockt (vgl. Jeremia 3, 6 – 10).
Nachdem König Josia im Jahr 609 v. Chr. in einer kriegerischen Auseinandersetzung mit dem ägyptischen König Necho gefallen war (2. Chronik 35, 20 – 26), folgten ihm Joahas (609 v. Chr.), Jojakim (609 – 598 v. Chr.), Jojakin (598 – 597 v. Chr.) und Mattanja/Zedekia (597 – 586 v. Chr.) als Könige. Jeremia blieb auch während der Regentschaft aller dieser Könige Prophet in Juda. Unter Jojakim kam es im Jahr 605 v. Chr. zur ersten Einnahme Jerusalems durch die Babylonier und zur ersten Wegführung von Juden in das Babylonische Exil. Unter den Weggeführten dieser Zeit befanden sich hauptsächlich Adelige und Intellektuelle, unter ihnen auch der junge Prophet Daniel mit seinen Freunden  (vgl.  Daniel 1, 1). Im Jahr 597 v. Chr. nahmen dann die Babylonier während der Herrschaft Jojakins das Land erneut ein. Es folgte ein zweite Deportation von Juden nach Babylon. Unter den Weggeführten befand sich diesmal u.a. der Priester und spätere Prophet Hesekiel (vgl. Hesekiel 1, 1 ff).
Der letzte König des Südreiches, unter dessen Herrschaft Jeremia seinen Dienst versah und der in der Geschichte Judas noch einmal eine besondere Rolle spielen sollte, war Zedekia. “Zedekia“ bedeutet “Meine Gerechtigkeit ist Jahwe“ und war der Name, den der babylonische König Nebukadnezar dem König Mattanja (hebr.: “Geschenk Jahwes“), dem Sohn Josias, gab, als er diesen zum König über Juda einsetzte. Zedekia herrschte als König von Babylons Gnaden elf Jahre über das Südreich und zwar in den Jahren von 597 bis 586 v. Chr. Er war der letzte König vor dem endgültigen Untergang des Königreiches Juda und musste die Zerstörung Jerusalems und des Tempels erleben (2. Chronik 36, 1 – 6). Hätte Zedekia das Wort Gottes, das durch den Propheten an ihn erging, beachtet, dann wäre dem Volk großes Unheil erspart geblieben: “Und ich redete zu Zedekia, dem König von Juda, nach allen diesen Worten und sprach: Bringt eure Hälse unter das Joch des Königs von Babel und dient ihm und seinem Volk, so werdet ihr leben.“ (Jeremia 27, 12). Doch der König provozierte den Einmarsch der Babylonier und die anschließende Vernichtung der Stadt samt des Tempels, indem er seinen Eid gegenüber Nebukadnezar brach und einen Bundesschluss mit dem Nachbarland Ägypten einging, das ein offener Feind Babylons war. Im Zusammenhang mit dem Ende der Regentschaft Zedekias gibt es bei Jeremia und Hesekiel zwei bemerkenswerte Prophezeiungen: Der Prophet Jeremia hatte dem König angekündigt, dass dieser mit dem König von Babylon sprechen würde und “se
ine Augen (…) dessen Augen sehen“ würden (Jeremia 32, 4). Der Prophet Hesekiel hatte dem König von Juda den Willen Gottes mit den Worten prophezeit: “Ich will ihn nach Babel bringen, in das Land der Chaldäer, aber sehen wird er es nicht; und er wird dort sterben.“ (Hesekiel 12, 13). Genauso geschah es: Zedekia, der mit seiner Familie und einigen Getreuen aus Jerusalem vor den Babyloniern floh, wurde gefangen genommen und zu Nebukadnezar in dessen Hauptquartier nach Ribla, einem Ort im heutigen Syrien (südwestlich von Homs), gebracht. Dort erschlug man seine Söhne vor seinen Augen und blendete ihn anschließend. Dann brachte man ihn “in eiserne Ketten gefesselt“ nach Babylon (2. Könige 24, 17 + 20; 2. Könige 25, 2 + 7; 1. Chronika 3, 15; 2. Chronika 36, 10 + 11; Jeremia 1, 3; Jeremia 21, 1 – 7; Jeremia 24, 8; Jeremia 27, 3 + 12; Jeremia 28, 1; Jeremia 29, 3; Jeremia 32, 1 – 5; Jeremia 34, 2 – 21; Jeremia Kapitel 37 – 39; Jeremia 44, 30; Jeremia 49, 34; Jeremia 51, 59; Jeremia 52, 1 – 11). Das Letzte, das Zedekia mit eigenen Augen sah, waren seine toten Sohne und damit die Tatsache, dass seine Linie aussterben würde. Babylon, die Stadt, in die er kurz danach gebracht wurde, konnte er schon nicht mehr sehen.
Die Dienstzeit des Propheten Jeremia dauerte also vom 13. Jahr der Herrschaft Josias (627 v. Chr.; vgl. Jeremia 1, 4 – 10) bis kurz nach der Zerstörung Jerusalems durch Nebukadnezar (586 v. Chr.; vgl. Jeremia 39, 1 ff.) und zog sich über einen Zeitraum von mindestens 41 Jahren (627 – 586 v. Chr.) hin. In 2. Könige 21 – 25 und 2. Chronik 33 – 36 finden wir die Berichte über die Zeit, in der Jeremia seinen Prophetendienst in Juda versah. Er war ein Zeitgenosse der vorexilischen Propheten Zephania und Habakuk, sowie – in der zeit nach dem Beginn des babylonischen Exils – der Propheten Hesekiel und Daniel. .

Die Person und der Dienst des Propheten Jeremia

Jeremiah lamenting

Das bekannte Bild von Rembrandt: Jeremia trauert über die Zerstörung Jerusalems (Rembrandt [Public domain], via Wikimedia Commons)

Von keinem alttestamentarischen Propheten erfahren wir so viele persönliche Details wie von dem Propheten Jeremia: Sein Name, hebr. “Jirmejahu“ kann sowohl mit “Jahwe gründet“ als auch mit “Jahwe wirft nieder“ übersetzt werden. Jede Art des Handelns Gottes, die in dieser Namensbeschreibung aufleuchtet, ist während der Dienstzeit des Propheten in Juda erkennbar: So festigt (gründet) Gott die Herrschaft des gottesfürchtigen Königs Josia, wirft aber dann die Bewohner Judas vor dem heidnischen König Nebukadnezars nieder, die nicht bereit sind, zu Gott umzukehren.
Der Geburtsort des Propheten war Anatot. Diese Stadt, die zum Gebiet des Stammes Benjamin gehörte, war eine der 13 Priesterstädte, die den Nachkommen Aarons zugewiesen worden war  (4. Mose 35, 1 – 8; Josua 21, 13 – 18; 1 Chronik 6, 54 – 60). Jeremia war also der  Sohn einer priesterlichen Familie, die auf den Stammvater Aaron zurückging und wurde  – wahrscheinlich in den letzten Jahren – der Regierungszeit des Königs Manasse (696 – 642 v. Chr.) geboren. Dieser König war, auch wenn er am Ende seines Lebens zu Gott umkehrte, der gottloseste König Judas (2. Chronik 33, 15 – 19; 2. Könige 23, 26).
Das genaue Geburtsjahr Jeremias ist unbekannt. Viele Kommentatoren nehmen das Jahr 643 v. Chr. als Geburtstagsjahr des Propheten an. Dies wäre das letzte Jahr der Herrschaft Manasses. Wahrscheinlich starb der Prophet in Ägypten, wohin er verschleppt wurde (Jeremia 41 – 43; Jeremia 43, 8 – Jeremia 44, 30). Jeremia wurde im 13. Jahr der Regentschaft Josias zum Propheten berufen, also im Jahr 627 v. Chr. Zu diesem Zeitpunkt muss er, wenn er 643 v. Chr. geboren wurde, also ungefähr 16 Jahre alt gewesen sein (Jeremia 1, 2; Jeremia 25, 3). Aus Jeremia 16, 2 erfahren wir, dass der Prophet nach dem Gebot Gottes unverheiratet blieb.
Jeremias prophetischer Dienst vollzog sich in großen Teilen zu einer Zeit, in  der sich das Königreich Juda in einer geistlichen und – daraus folgend – auch in einer politischen Krise befand. Aus diesem Grund finden wir in seinem Buch hauptsächlich prophetische Aussagen über Juda, dann aber auch Prophetien über andere Nationen des Nahen Ostens zu seiner Zeit (vgl. Jeremia 1, 10).
Leon J. Wood teilt in seinem Buch “The Prophets of Israel“ den Dienst des Propheten Jeremia in drei große Phasen ein: 1) Die “gute Phase“ unter der Herrschaft des gottesfürchtigen Königs Josia; 2) Die “harte Phase“ der Verfolgung und des Leidens in der Zeit der Herrschaft des Sohnes und des Enkels von Josia und 3) die “gemischte Phase“, in der der Prophet Zustimmung aber auch Entmutigung erlebte. Diese dritte und letzte Phase begann mit dem Fall Jerusalems.¹
Jeremia ist häufig sehr zutreffend als “weinender Prophet“ bezeichnet worden. Kein anderer alttestamentarischer Prophet hat so sehr für und unter seinem Volk gelitten wir er. Er wurde gehasst, geächtet, verspottet, beständig drangsaliert und bei mehreren Gelegenheiten brachten ihn Angehörige seines Volkes fast um (vgl. Jeremia 11, 18 – Jeremia 12, 6; Jeremia 15, 10, Jeremia 17, 1 ff.; Jeremia 18, 18; Jeremia 20, 10;  Jeremia 26, 1 ff.; Jeremia 36, 1 ff.). Die beständige und zeitweise brutale Ablehnung des Propheten hatte ihren Grund in der Hauptsache darin, dass er das Volk Juda im Auftrag Gottes immer wieder auffordern musste, sich den Babyloniern zu ergeben. Da das Volk nicht bereit war, die Strafe Gottes über seinen Götzendienst zu akzeptieren, es aber gegen Gott nichts ausrichten konnte, richtete sich der geballte Volkszorn gegen den Propheten Gottes.
Etliche Kommentatoren verweisen darauf, dass Jeremia unter den alttestamentarischen Propheten auch noch durch eine andere Besonderheit hervorsticht: Er ist der einzige Prophet des Alten Testaments, der uns seine Empfindungen mitteilt. Nur von einer anderen Person in der Heiligen Schrift wissen wir, dass sie über Jerusalem trauerte und um diese Stadt Tränen vergoss. Das war unser Herr und Erlöser Jesus Christus selbst (Lukas 13, 34 – 35; Lukas 19, 41 – 44). Beide – der Prophet Jeremia und unser Herr Jesus Christus – trotz ihrer Liebe zu ihrem Volk abgelehnt, verfolgt, geächtet und der Erlöser sogar umgebracht. Doch beide blieben ihrer Berufung und ihrem göttlichen Auftrag trotz aller Widernisse bis zum Ende treu. Ganz offensichtlich waren sich einige Juden zur Zeit des irdischen Dienstes Jesu diese Ähnlichkeiten bewusst (vgl. Matthäus 16, 14).
In der hebräischen Bibel nimmt dieses Buch unter den großen Propheten  den zweiten Platz nach dem Buch des Propheten Jesaja und vor dem Buch des Propheten Hesekiel ein. An dieser Stelle findet sich das Buch auch in der griechischen Übersetzung der hebräischen Bibel, der Septuaginta (LXX) und in den meisten modernen Bibelausgaben.

Schwerpunkt des Buches

Der Schwerpunkt dieses prophetischen Buches liegt auf der Botschaft Gottes an den Rest des Volkes Israel in dem Zwei-Stämme Reich Juda und Benjamin. Gott rief sein Volk durch den Propheten zur Umkehr und ließ, für den Fall, dass das Volk diesem Ruf keine Folge leisten würde, das Gericht in Form einer kriegerischen Niederlage gegen einen Feind aus dem Norden, ankündigen (vgl. Jeremia 2 – Jeremia 45.  Der offene Götzendienst des Volkes forderte das Gericht Gottes geradezu heraus. Jedem etwas geübten Bibelleser wird auffallen, dass der Prophet Jeremia mehr über Umkehr zu  Gott spricht, als jeder andere Prophet.
Parallel versicherte der Prophet dem Volk, dass Gott ihm trotz des nahenden Gerichts eine Hoffnung und Zukunft geben wollte (Jeremia 30 – 33).  Als deutlich wurde, dass das Volk nicht zu Gott umkehren wollte, versuchte der Prophet die Bewohner Judas wenigstens dazu zu bewegen, sich der babylonischen Armee zu ergeben und so vielleicht die Zerstörung der Stadt und des Tempels abzuwenden. Doch auch diesem Rat des Propheten widersetzen sich die Judäer.
Neben den Botschaften Gottes an die Bewohner Judas finden sich im Buch des Propheten Jeremia auch prophetische Aussagen, die jene Nationen betreffen, die eine feindliche Gesinnung gegenüber dem Volk Gottes offenbarten (Jeremia 46 – 51).


Themen- und Inhaltsübersicht

Wir können das Buch des Propheten Jeremia, das 52 Kapitel umfasst, in vier große Blöcke aufteilen:

Block I (Jeremia 1, 1 – 19) stellt die Einleitung zum Gesamtbuch dar. Der erste Abschnitt, Jeremia 1, 1 – 3, gibt uns erste Informationen zur Person des Propheten, seiner Herkunft und der Zeit, in der er Gott diente. Abschnitt zwei (Jeremia 1, 4 – 19) berichtet uns in zwei Unterabschnitten von der Berufung des Propheten durch Gott. In den Versen 4 – 10 finden wir die Berufung und die Zubereitung des Propheten durch Gott. Anschließend, Verse 11 – 19, erhält der Prophet zwei Visionen, die seine Berufung bestätigen.

Block II (Jeremia 2, 1 – Jeremia 45, 5) enthält Prophetien an das Südreich Juda und Benjamin. Der erste Abschnitt dieses Blocks enthält vier prophetische Warnreden: In Jeremia 2, 1 bis Jeremia 25, 38 finden wir eine Gerichtsankündigung, die der Prophet an das ganze Land Juda und besonders an die Hauptstadt Jerusalem richtet. In Jeremia 2,1  bis Jeremia 6, 30 wird dann das Reich Juda angesprochen und das Gericht Gottes über die Sünden der Bewohner Judas angekündigt. Anschließend ergeht an die Bürger des Südreiches in den Kapiteln 7, 1 bis 10, 16 eine Warnung wegen des Abfalls von dem allein wahren und lebendigen Gottes, wobei die Konsequenzen dieses Abfalls betont werden. Eine dritte Gerichtsandrohung, die sich von Jeremia 11, 1 bis Jeremia 15, 9 erstreckt, greift den gegenwärtigen Zustand Judas auf. Die vierte und letzte Warnung (Jeremia 15, 10 bis Jeremia 25, 38) thematisiert die Herzenhärtigkeit der Bewohner Judas.
Der zweite Abschnitt (Jeremia 26, 1 bis Jeremia 29, 32) fokussiert sich auf Auseinandersetzungen des Propheten, insbesondere mit falschen Propheten: In Jeremia 26, 1 f. befindet sich der Prophet Jeremia nach seiner bekannten Tempelrede im Konflikt mit dem Volk, seinen Priestern, Propheten und Fürsten. In den Kapiteln Jeremia 27, 1  bis Jeremia 28, 17 konzentriert sich der Bericht auf die Auseinandersetzung des Propheten Gottes mit den falschen Propheten, die in Jerusalem auftraten. Auch im babylonischen Exil, wohin zu dieser Zeit bereits ein Teil des Volkes verschleppt worden war, traten falsche Propheten auf. Die Auseinandersetzung Jeremias mit diesen falschen Propheten ist Inhalt von Kapitel 29. In einem dritten Abschnitt (Jeremia 30, 1  bis Jeremia 33, 26) richtete der Prophet im Auftrag Gottes tröstende Worte an das Volk. Er sagt die Wiederherstellung ganz Israels vorher (Jeremia 30, 1 – Jeremia 31, 40) und kündigt die Wiederherstellung Judas und Jerusalems an (Jeremia 32, 1 – Jeremia 33, 26). Im vierten Abschnitt (Jeremia 34, 1  bis Jeremia 45, 5) geht es dann um Ereignisse im Zusammenhang mit dem Fall Jerusalems. Dabei beschreiben die Kapitel Jeremia 34, 1 bis Jeremia 36, 32 Dinge, die sich in der Vorphase der Einnahme Jerusalems ereigneten. In Jeremia 37, 1  bis Jeremia 39, 18 wird von Geschehnissen während der Einnahme Jerusalems berichtet und die Kapitel 40, 1  bis 45, 5 beschreiben, was nach dem Fall der Stadt geschah.

Obwohl der dritten Block nur  6 Kapitel (Jeremia 46, 1 bis Jeremia 51, 64) enthält, in denen der Prophet im Auftrag Gottes die Zukunft bestimmter Nationen ankündigt, sind diese Aussagen sehr detailreich und daher sehr umfassend. Im ersten Abschnitt (Jeremia 46, 1 – 28) spricht der Prophet über Ägypten: Dieses Land betreffend, kündigt er die Niederlage Ägyptens gegen das Babylonische Reich (Jeremia 46, 1 – 12) in Ägypten (Jeremia 46, 13 – 24) an. Außerdem werden Trostworte an Israel gerichtet (Jeremia 46, 25 – 28). In Jeremia 47, 1 – 7 spricht der Prophet eine Weissagung über die Philister aus. Im dritten Abschnitt (Jeremia 48, 1 – 47) kündigt Gott durch den Propheten Gericht über das land Moab an: In Jeremia 48, 1 – 10 prophezeit Jeremia die Zerstörung Moabs, anschließend die Demütigung des Landes (Jeremia 48, 11 – 17), sowie die Zerstörung seiner Städte (Jeremia 48, 18 – 28). In den letzten Versen des Kapitels geht es um den Hochmut und den Stolz Moabs als Grund für seine Sünden und damit auch für das Gericht Gottes (Jeremia 48, 29 – 39). Im vierten Abschnitt (Jeremia 49, 1 – 6) werden prophetische Warnungen gegen Ammon ausgesprochen, im fünften Abschnitt erfolgen Warnungen gegen Edom (Jeremia 49, 7 – 22). Anschließend ergehen Prophezeiungen über Damaskus (Jeremia 49, 23 – 27; sechster Abschnitt), über die Stämme Arabiens (Jeremia 49, 28 – 33; siebter Abschnitt) und gegen Elam (Jeremia 49, 34 – 39; achter Abschnitt). Die Kapitel 50, 1 bis 51, 64 stellen den neunten Abschnitt dieses Blocks dar und enthalten Gerichtsprophetien gegen Babylon. Dabei wird uns in Jeremia 50, 1 – 10 ein Überblick über die Zukunft Babylons gegeben. Dann wird in Jeremia 50, 11 – 16 der Fall Babylons beschrieben und in Jeremia 50, 17 – 20 die Wiederherstellung Israels angekündigt. Jeremia 50, 21 – 28 schildert das göttliche Zorngericht, das über Babylon aufgrund seiner Überheblichkeit (Jeremia 50, 29 – 32) ergehen wird. Mit Jeremia 50, 33 – 40 wird eine Weissagung über die zukünftige Erlösung Israels zwischengeschaltet, ehe der Prophet mit Weissagungen über Babylon fortfährt und Babylons Todeskampf (Jeremia 50, 41 – 46) ankündigt sowie von der Gewissheit spricht, mit der Jahwe Babylon richten wird (Jeremia 51, 1 – 14). Denn die Größe und die Macht Babylons werden ihre Grenze an der Allmacht Gottes finden (Jeremia 51, 15 – 33). Dann kündigt Gott durch den Propheten in Jeremia 51, 34 – 44 die Wiederherstellung Jerusalems an und fordert Sein Volk auf, aus Babylon, über dem das Schwert des Zorngerichts Gottes schwebt, zu fliehen (Jeremia 51, 49 – 53). In Jeremia 51, 54 – 58 macht Gott deutlich, wie gerecht Sein Gericht über die Welthauptstadt des Götzendienstes sein wird und in Jeremia 51, 59 – 64 finden wir dann eine sehr eindrückliche Beschreibung darüber, wie das letzte Gericht Gottes über Babylon den Bewohnern dieses Landes angekündigt wird. 

Jeremia 52, 1 – 34 bildet Block IV und damit den Abschluss des Buches. Darin wird uns zuerst vom Fall Jerusalems und der Gefangennahme Zedekias berichtet (Jeremia  52, 1 – 16). Danach steht die Brandschatzung des Tempels (Jeremia 52, 17 – 23) im Mittelpunkt. In Jeremia 52, 24 – 30 wird uns die Zahl jener Juden mitgeteilt, die nach Babylon in die Verbannung geführt wurden und zum Abschluss dieses Blocks erfahren wird, dass König Jojakin begnadigt und freigelassen wurde (Jeremia 52, 31 – 34)

Fußnoten:

¹= Leon J. Wood: “The Prophets of Israel“, Baker Academics, Grand Rapids, Michigan/USA 1979; Ebook-Edition 2012, Part II: The Prophets, Section Three: The Writing Prophets, Chapter 22: The Seventh Century Propheth: Jeremiah

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