Hintergrund 37: Das Buch Hiob (Teil 1)

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Schriftrolle des Buches Hiob * Foto: Pete unseth, Job Scroll, CC BY-SA 3.0



Zum Hintergrund des Buches Hiob

Name, Verfasser, Abfassungszeit und Kanonizität des Buches

Der Name Hiob wird mit “der Angefeindete“, “der Gerhasste“ oder auch “der Verfolgte“ übersetzt. Einige Kommentatoren gehen davon aus, dass es sich bei diesem Namen um einen Namen handelt, der ihm von seinen Freunden beigelegt wurde.
Das Buch Hiob leitet seinen Namen wahrscheinlich eher von der Hauptperson des Buches, als dem Verfasser ab. Das Buch selbst benennt seinen Verfasser nicht. Es ist also möglich, dass Hiob das Buch selbst niedergeschrieben hat (vgl. Hiob 19, 23 – 24). Die Tatsache, dass von ihm in der dritten Person gesprochen wird, schließt diese Möglichkeit nicht aus, da wir auch in der außerbiblischen Literatur dieser Zeit Schriften kennen, in denen der Autor auf diese Weise von sich sprach.
In der jüdischen Tradition wird Mose als  Redaktor des Buches angesehen, der ihm vorliegende Berichte unter der Leitung des Geistes Gottes in einem Buch niedergeschrieben hat. Dafür spricht u.a., dass das Buch Hiob in den syrischen Bibelübersetzungen gleich nach dem 5. Buch Mose erscheint. Als ein am ägyptischen Hof ausgebildeter und mit dem Leben in der Wüste vertrauter Mensch wäre Mose auch vollkommen in der Lage gewesen, ein solches Buch zu schreiben. Das zeigen uns auch die im 2. Buch Mose aufgeführten Berichte über die Patriarchen.
Unter den anderen vorgeschlagenen Personen befindet sich u. a. König Salomo, da sich einige Ähnlichkeiten zwischen dem Buch Hiob und dem von Salomo verfassten Buch der Sprüche finden, wenn es um Fragen bzgl.  der Gottesfurcht oder der  Weisheit geht. Ähnlichkeiten bestehen auch zu Aussagen im Buch des Propheten Jesaja bzw. im Buch der Klagelieder Jeremias. Daher wurden auch Jesaja, Jeremia, Hesekiel oder Esra als Personen vorgeschlagen worden, die dieses Buch aus ihnen vorliegenden Berichten zusammengefasst haben könnten. Allerdings weisen Wissenschaftler auch darauf hin, dass der aramäische Dialekt, in dem das Buch Hiob abgefasst ist, sich deutlich von dem Hebräisch absetzt, in dem die überwiegende Anzahl der alttestamentarischen Bücher verfasst wurde und dass nicht ausgeschlossen werden kann, dass der Autor die verschiedenen Sprachen der Region sprach und entsprechend damit umgehen konnte¹. Da die zuvor genannten Personen jedoch ihre Bücher in Hebräisch verfassten, lässt dies ihre Autorenschaft wenig wahrscheinlich erscheinen.
Viele Details im Buch Hiob weisen darauf hin, dass die in diesem Buch berichteten Geschehnisse in die Zeit vor den Patriarchen, d.h. in das 3. Jahrtausend vor Christus, fallen. So nimmt das Buch nur auf Ereignisse Bezug, die in den ersten elf Kapiteln des 1. Buches Mose berichtet werden (Adam: Hiob 31, 33; Sintflut: Hiob 38, 8 – 11) und erwähnt das Volk Israel nicht. Gott wird im Buch Hiob als der Allmächtige beschrieben, eine persönlichere Beziehung wie z.B. die zu einem Bundesgott, wird nicht erwähnt. Hiob opfert für seine Familie Brandopfer (Hiob 1, 5). Das war eine verbreitete Weise der Gottesverehrung bis zur Zeit der Patriarchen. Ein nomadisches Leben der in Hiob 1, 15 + 17 erwähnten Sabäer und Chaldäer ist bis in die Zeit der Patriarchen belegt. Das Zahlungsmittel “Kesita“ (Hiob 42, 11), eine Münze bzw. Gewichtseinheit, wird nur an zwei weiteren Stellen im Alten Testament erwähnt (1. Mose 33, 19; Josua 24, 32). Danach war dieses Zahlungsmittel offensichtlich nicht mehr in Gebrauch. Auch das in Hiob 42, 16 erwähnte Alter, Hiob lebte nach seinen Leiden noch 142 Jahre, deutet auf ein Alter hin, wie wir es nur aus der Zeit vor den Patriarchen bzw. aus der Patriarchenzeit kennen.

Edom

Edom in seiner kleinsten und größten Ausbreitung * Foto: Briangotts, Edom, CC BY-SA 3.0

Die Landschaft Uz (Hiob 1, 1; Jeremia 25, 20), in der Hiob lebte, wird im Land Edom verortet (Klagelieder  4, 21), einem Landstrich der heute von der Grenze zwischen dem heutigen Südjordanien und Saudiarabien.
Sowohl im Judentum als auch im Christentum wurde das Buch als kanonisch angesehen. Der Prophet Hesekiel spricht von Hiob als einer historischen Person (Hesekiel 12, 14 + 20), ebenso der Apostel Jakobus (Jakobus 5, 11). Außerdem zitiert der Apostel Paulus das Buch Hiob mehrfach (vgl. Römer 11, 35 mit Hiob 41, 3; 1. Korinther 3, 19 mit Hiob 5, 13 und Philipper 1, 19 mit Hiob 13, 16) und erkennt damit das Buch als vom Geist Gottes inspiriert an.

Zur Person des Hiob

Hiob wird uns in diesem Buch als ein wohlhabender Mensch vorgestellt, dessen Leben auch geistlich gut ausgerichtet ist, denn  er wird als gottesfürchtig und gerecht bezeichnet (Hiob 1, 1 – 5). Dann brechen jedoch – quasi wie aus dem Nichts – große Katastrophen in das Leben des Hiob ein: Er verliert seinen Reichtum, seine Kinder (Hiob 1, 6 – 22) und dann auch noch seine Gesundheit (Hiob 2, 1 – 10). Von den zwei ersten Katastrophen erhält Hiob Nachricht durch seine Knechte (Hiob 1, 14 – 19). Aus diesem Zusammenhang ist uns der Begriff “Hiobsbotschaft“ bekannt, der in der deutschen Sprache sprichwörtlich geworden ist. Nach diesen Katastrophen erhält Hiob Besuch von seinen drei Freunden Eliphas, Bildad und Zophar (Hiob 2, 11 ff). Mit ihnen diskutiert Hiob die Frage, warum er als gerechter Mensch unschuldig leiden muss. Diese Diskussionen nehmen einen  großen Teil des Buches ein (Kapitel 4 – 27). Während die Freunde Hiobs diesem seine Gerechtigkeit absprechen und unbekannte Sünde als Grund für seine Leiden ausmachen, hält Hiob ihnen gegenüber an seiner Gerechtigkeit und Aufrichtigkeit fest. Gegen Ende des Buches tritt eine weitere Person auf: Elihu (Kapitel 32 – 37). Im Gegensatz zu den drei anderen Freunden Hiobs zeigt er auf, dass Gott den Menschen durch das Leiden läutern und näher zu sich ziehen will. Anschließend spricht Gott zu Hiob (Hiob 38 – 41). Daraufhin tut dieser Buße, weil er erkennt, dass auch er das Handeln Gottes nicht verstanden und sich selbst überschätzt hatte. Doch er kann bekennen, dass er durch den Prozess, den er durchlebt hat, Gott nun nicht nur besser, sondern erstmals persönlich kennengelernt hat (Hiob 42, 5 – 6).

Das Buch Hiob – Inhalt und Aufteilung

Das Buch Hiob umfasst 42 Kapitel. Wir können dieses Buch in drei große Blöcke mit verschiedenen großen Unterabschnitten einteilen:

Block I (Hiob 1 – 2) kann als Prolog zum Buch verstanden werden. Wir können diesen ersten Block in drei größere Abschnitte unterteilen: Abschnitt a) enthält die Beschreibung der Person und des Charakters des Hiob (Hiob 1, 1 – 5). Abschnitt b) beschreibt dann die Leiden des Hiob: Zuerst die Leiden des Hiob: Verlust seines reichtums und seiner Kinder (Hiob 1, 6 – 22), dann der Verlust seiner Gesundheit (Hiob 2, 1 – 10). Der dritte und letzte Abschnitt c) berichtet vom Auftreten der drei Freunde Hiobs (Hiob 2, 11 – 13).

Block II (Hiob 3, 1 – Hiob 42, 6) enthält die großen Stränge des Gesprächs zwischen Hob und seinen drei Freunden, die Reden Elihus und das Reden Gottes.  Wir können diesen Block in 7 Abschnitte einteilen:
In Abschnitt a) finden wir die Klagen Hiobs (Hiob 3, 1). In diesen Klagen äußert er drei Wünsche: 1) Den Wunsch, nicht geboren zu sein (Hiob 3, 1 – 10), den Wunsch, bei der Geburt verstorben zu sein (Hiob  3, 11 – 19) und den Wunsch, nun sterben zu können (Hiob 3, 20 – 26).
Der zweite Absachnitt – b) -, der die Kapitel 4 – 14 und damit den ersten Kreis der Reden der Freude Hiobs enthält, berichtet uns von der ersten Rede des Eliphas (Hiob 4 – 5), der Antwort des Hiob auf die Rede des Eliphas (Hiob 6 – 7), von der ersten Rede des Bildad (Hiob 8) und Hiobs Antwort darauf (Hiob 9 – 10), der ersten Rede des Zophar (Hiob 11) sowie der ersten Antwort Hiobs auf die Rede Zophars (Hiob 12 – 14).
Der dritte Abschnitt – c) -, umfasst die Kapitel 15 – 21, in denen wir den zweiten Kreis der Gespräche Hiobs mit seinen Freunden finden: Zuerst ergreift in einer zweiten Rede wieder Eliphas das Wort (Hiob 15), worauf Hiob antwortet (Hiob 16 – 17). Danach redet Bildad zum zweiten Mal (Hiob 18) und Hiob antwortet ihm (Hiob 19). Es folgt Zophars zweite Rede (Hioob 20), auf die Hiob antwortet (Hiob 21).
Im vierten Abschnitt – d) -, finden wir in den Kapiteln 22 – 27 den dritten und letzten Kreis  der Gespräche Hiobs mit seinen Freunden: Zuerst spricht Eliphas Hiob an (Hiob 22) und dieser antwortet ihm (Hiob 23 – 24). Dann folgt Bildads dritte Rede (Hiob 25), auf die Hiob antwortet (Hiob 26 – 27). Zophar beteiligt sich an dieser dritten Gesprächsrunde nicht.
Der fünfte Abschnitt – e) -, d.h. die Kapitel 28 – 31,  berichten uns von den abschließenden Monologen des Hiob, in denen er zuerst über die Weisheit Gottes spricht (Hiob 28) und dann seine Unschuld verteidigt (Hiob 29 – 31)
Der sechste Abschnitt – f) -, enthält in den Kapiteln 32 – 37 die Reden Elihus: Hiob 32, 1 – 5 stellen eine Einleitung zu diesen Reden dar. In Hiob 32, 6 – Hiob 33, 33 findet sich die erste Rede Elihus, in Hiob 34 die zweite, in Hiob 35 die dritte und in Hiob 36 – 37 die vierte Rede Elihus.
Der siebte und letzte Abschnitt – g) -, dieses Blocks umfasst die Kapitel Hiob 38, 1 – 42, 6 und fokussiert sich auf das Gespräch zwischen Gott und Hiob: Zuerst spricht Gott Hiob an (Hiob 38, 1 – Hiob 40, 2) und Hiob antwortet Ihm (Hiob 40, 3 – 5). Danach spricht Gott erneut zu Hiob (Hiob 40, 6 – Hiob 41, 34), worauf Hiob ebenfalls antwortet (Hiob 42, 1 – 6).

Den dritten Block und letzten Block dieses Buches (Hiob 42, 7 – 17) können wir als Epilog dieses Buches betrachten. Darin rechtfertigt Gott zuerst Hiob gegenüber seinen Freunden (Hiob 42, 7 – 9). Abschließend wird uns von dem gesegneten Ende Hiobs berichtet (Hiob 42, 10 – 17).

Fußnoten

¹= vgl. John E. Hartley: “The Book of Hiob“, New International Commentary on the Old Testament“, W. B. Erdmanns Publishing Company, Grand Rapids/Michigan, 1988, S. 6

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