Hintergrund 36: Das 4. Buch Mose / Numeri (Teil 1)

Entire Tanakh scroll set

Der ganze Tanach in seinen einzelnen Schriftrollen – Die erste Rolle enthält die Thora / den Pentateuch, d.h. die 5 Bücher Mose Foto: von Pete unseth (Eigenes Werk) [CC0], via Wikimedia Commons

Zum Hintergrund des 4. Buches Mose / Numeri

Die meisten Leser werden die ersten fünf Bücher des Alten Testaments unter den Namen 1., 2., 3., 4. und 5. Buch Mose kennen. In der jüdischen Tradition werden die biblischen Bücher jedoch nach ihren Anfangsworten bezeichnet. Im 4. Buch Mose sind dies die Worte: ”In der Wüste …“ – “בַּמִּדְבָּר“ (“Bamidbar“). Dieser Name für das Buch ist sehr zutreffend, da es hauptsächlich von den Jahren berichtet, in denen das Volk Israel  durch die Wüste Sinai zog. In der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, der Septuaginta, erhielt dieses Buch die Bezeichnung “Αριθμοί“ (“Aritmoi“), was “Zahlen“ bedeutet. Dieser Name wurde dem Buch gegeben, weil am Anfang (Kapitel 1  – 4) und gegen Ende des Buches (Kapitel 26) sehr viele Zahlenangaben vorkommen. In der lateinischen Übersetzung wurde diese Bezeichnung dann übernommen, so dass das Buch in lateinischen Bibeln den Namen “Numeri“ (“Zahlen“) trägt.

Autor und Entstehungszeit 

Gemäß zahlreicher Aussagen der Heiligen Schrift ist Mose der Autor des 4. Buches Mose / Numeri (vgl. 4. Mose 1, 1; 4. Mose 33, 2). Der Herr Jesus Christus bestätigt die Autorenschaft des Mose für die Thora und auch für das 4. Buch Mose  (vgl. Matthäus 8, 4; Matthäus 19, 7; Lukas  24, 44; Johannes 1, 45; Johannes 3, 14). Auch von neutestamentarischen Autoren wird die Autorenschaft des Mose als gegeben bestätigt (vgl. 2. Petrus 2, 15; Judas 1, 11; Offenbarung 2, 14).
Mose kann dieses Buch während der Wüstenwanderung oder aber am Ende seines Lebens geschrieben haben. Es schließt mit seinem Bericht direkt an das 2. Buch Mose an: Im 2. Buch Mose finden wir den Bericht über die Befreiung des Volkes Israel aus der Sklaverei in Ägypten. Im 3. Buch Mose gibt Gott dann zahlreiche Gesetze über die Opfer (Kapitel 1 – 7), Gesetze für die Auswahl und Einsetzung von Priestern (Kapitel 8 – 10). Er erlässt außerdem Reinheitsgesetze für das Volk (Kapitel 11 – 15), das Gesetz über den großen Versöhnungstag (3. Mose 16), Gesetze über die praktische Reinheit und Heiligkeit des Volkes und der Priester (Kapitel 17 – 22), sowie über die von Ihm eingesetzten Feste (3. Mose 23), um am Ende des Buches noch einmal die Heiligkeit des Volkes zu betonen (3. Mose 24 – 27). Nach diesem Buch, das sich durchweg mit den göttlichen Gesetzen beschäftigt, nimmt dann das 4. Buch Mose den Faden aus 2. Mose über die Wüstenwanderung des Volkes Israel wieder auf (vgl. 2. Mose 20, 17).
Sein Bericht erstreckt sich über ca. 38 der 40 Jahre der Wüstenwanderung: Das Buch beginnt mit dem Bericht über Ereignisse, die im zweiten Monat des zweiten Jahres nach dem Auszug aus Ägypten geschahen (vgl. 4. Mose 1, 1). In den Kapiteln 7 – 10 werden Ereignisse rekapituliert, die in der Zeit davor geschahen. Der Zeitraum 4. Mose 7 – 10 erstreckte sich über ca. 1 Monat (von dem Zeitpunkt an, ab dem Mose die Stiftshütte aufbauen lies; 1. Tag des 1. Monats des 2. Jahres nach dem Auszug; 4. Mose 7, 1; 2. Mose 40, 17).  In 5. Mose 1, 3 wird uns die Zeitangabe “1. Tag, 11. Monat im 40. Jahr“ genannt, woraus wir den Schluß ziehen können, dass das der Bericht dieses Buches sich über etwas mehr als 38 Jahre erstreckt.
Wie gesagt, kann Mose das Buch während der Wüstenwanderung oder aber am Ende seines Lebens geschrieben haben. Nach konservativer Rechnung begann der Auszug aus Ägypten um 1446 v. Chr. Da Mose am Ende der 40 Jahre andauernden Wüstenwanderung (4. Mose 32, 13) und vor der Einnahme des Landes auf den Bergen Moabs starb (5. Mose 34, 5), muss demnach sein Tod um 1406 v. Chr. erfolgt sein. Damit ist dann auch der Entstehungszeitraum des Buches eingegrenzt.

Schwerpunkt des Buches

Der Schwerpunkt des Buches kann in wenigen Worten zusammengefasst werden. Es geht um den “Gehorsam gegenüber Gott“. Gott hat sein Volk aus der Sklaverei Ägyptens befreit und einen Bund mit ihm geschlossen (2. Mose 19, 8; 2. Mose 24, 3). Da das Volk den Geboten dieses Bundes freiwillig zugestimmt hat, kann Gott aber auch von seinem Volk ab sofort Gehorsam gegenüber Seinen Geboten erwarten. Dieser Schwerpunkt wird deutlich, wenn man sich die Gewichtung der Kapitel in diesem Buch ansieht (siehe dazu den Punkt “Themen- und Inhaltsübersicht des Buches“ weiter unten).
Der Zweck der Wüstenwanderung wird in 5. Mose 8, 2 – 3 (ELBEDHÜ) erläutert:

“Und du sollst dich an den ganzen Weg erinnern, den der HERR, dein Gott, dich hat wandern lassen diese vierzig Jahre in der Wüste, um dich zu demütigen, um dich zu prüfen, um zu erkennen, was in deinem Herzen ist, ob du seine Gebote halten würdest oder nicht. Und er demütigte dich und ließ dich hungern; und er speiste dich mit dem Man, das du nicht kanntest und das deine Väter nicht kannten, um dir kundzutun, dass der Mensch nicht von Brot allein lebt, sondern dass der Mensch von allem lebt, was aus dem Mund des HERRN hervorgeht.

 

Das 4. Buch Mose aus christlicher Perspektive

In der christlichen Theologie ist das 4. Buch Mose (“In der Wüste“) u.a. als eine Illustration des christlichen Lebens in dieser Welt verstanden worden. Wie die Wüste kann diese Welt für den Gläubigen ein Ort sein, der aus der Perspektive der Ewigkeit unfruchtbar ist. Es ist ein  Ort, an dem sich der “von oben Geborene“ (Johannes 3, 1 – 6) heimatlos fühlen und – weil es auch ein Ort der Gefahren ist – an dem man sein Ziel aus den Augen verlieren kann.Gleichzeitig zeigt uns das 4. Buch Mose die Wüste aber auch als den Ort,  an dem Gott Seinem Volk nahe ist. Das Volk erlebt Seine Vorsorge in der Wüste. Es erfährt, wie Gott ihm Zuflucht und Ruhe schafft. Es erlebt Seinen Schutz und Seine Führung. Gerade der letzte Punkt ist in diesem Zusammenhang besonders wichtig: Auch in der Wüste hört Gottes Führung nicht auf. Gott spricht zu Seinem Volk – sei es durch die Umstände, durch die Heilige Schrift oder durch Seinen Geist. Auf diese Weise wird Gottes Liebe zu Seinem Volk deutlich: Er lässt Sein Volk in der Wüste nicht allein, führt und segnet es.
Die Wüste ist aber auch ein Ort der Bewährung und Veränderung: Während die Generation der Sklaven in der Wüste vergeht, wächst eine neue Generation von Freien heran. Alle Erfahrungen, die wir “in der Wüste“ machen, sollen dazu beitragen, dass wir von allem, was uns an die Sünde und die Welt bindet, frei werden, damit wir das uns von Gott verheißene Land in neuer Stärke einnehmen können.

Themen- und Inhaltsübersicht

Wir können das 4. Buch Mose in zwei große Blöcke aufteilen:

Block I (Kapitel 1 – Kapitel 25) beschreibt die Erfahrungen der Generation, die aus Ägypten ausgezogen ist. Man kann diesen Block zum besseren Verständnis in zwei Abschnitte einteilen: Abschnitt I (Kapitel 1 – Kapitel 10) berichtet von den Vorbereitungen, vom Süden aus in das verheißene Land einzuziehen. Zuerst wird von der Volkszählung berichtet (Kapitel 1 – Kapitel 4). Anschließend (Kapitel 5 – Kapitel 9) geht es um die Gebote, die in Vorbereitung der Landnahme zu beachten sind. In Abschnitt II (Kapitel 11 – Kapitel 25 ) wird uns von dem Aufstand der ungläubigen, aus Ägypten befreiten Generation und dem Gericht Gottes über sie berichtet. Die Kapitel 11 – 20 zeigen uns einen Kreislauf von Rebellion, Versöhnung und Tod. In den Kapiteln 21 – 25 kommt es dann zum Höhepunkt der Rebellion dieser Generation. Doch gleichzeitig schenkt Gott ein Mittel zur Vergebung und damit ein Ende der hoffnungslosen Spirale von Rebellion, Gericht und Tod. 

Auch Block II (Kapitel 26 – Kapitel 36), der uns von den Erfahrungen der jüngeren Generation in der Wüste berichtet, kann in zwei Abschnitte eingeteilt werden. Im ersten Abschnitt (Kapitel 26 – Kapitel 31) geht es um die Vorbereitungen, das verheißene Land von Osten her einzunehmen. Zuerst wird uns wieder von einer Volkszählung berichtet (Kapitel 26) Dann geht es um die Vorbereitungen und die Gebote, deren Einhaltung für die Einnahme des verheißenen Landes wichtig sind (Kapitel 27 – Kapitel 30). Anschließend  wird uns vom Sieg über die Midianiter und von der Verteilung des Ostjordanlandes an die Stämme Ruben, Gad und Manasse berichtet (Kapitel 31 – 32). Der Fokus des zweiten Abschnitts (Kapitel 33 – Kapitel 36) liegt auf Warnungen und Ermutigungen, die an die jüngere Generation gerichtet sind. Zuerst gibt es einen Rückblick auf die Wüstenwanderung von Ägypten bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt (4. Mose 33, 1 – 49). Die Vorfreude auf das verheißene Land, seine Verteilung unter den Stämmen, sowie Gesetze über die Freistädte und den Erbbesitz bilden den Abschluss des Buches (4. Mose 33, 50 – 4. Mose 36, 13).

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