Gedanken zur Verkündigung von Matthäus 24, 40 – 41

Translation here.

Die Erwartung Wiederkunft Jesu Christi durchzieht als eine lebendige Hoffnung das gesamte Neue Testament. Die Evangelien, die Apostelgeschichte, die Briefe der Apostel und nicht zuletzt das Buch der Offenbarung verheißen dieses Ereignis in vielen Versen. Christlicher Glaube ohne diese Verheißung, ohne diese Hoffnung ist nicht vorstellbar.

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„Sonne vor dem Dornenbusch“
Foto: tutto62/pixelio

Dabei macht die Heilige Schrift einen deutlichen Unterschied zwischen dem Wiederkommen Jesu zur Entrückung (oder: Aufnahme) Seiner Versammlung (Gemeinde/Kirche), d.h. aller an Ihn Gläubigen und dem Wiederkommen Jesu für die Welt, d.h. zum Gericht über alle Menschen. Die Verheißung, dass der Herr Jesus Christus kommen wird, um seine Versammlung (Gemeinde/Kirche) zu sich zu nehmen, ist aus christlicher Sicht ein Grund zu großer Freude. Denn was würde den Christen mit mehr Freude erfüllen, als jener Tag, an dem er Seinen Gott und Erlöser „von Angesicht zu Angesicht“ sehen und ihm ohne jede weitere zeitliche Trennung nahe sein darf? Was könnte den Christen mehr freuen, als die Verheißungen, die der Herr Jesus Christus in Johannes 14, 1 – 3 gegeben hat, erfüllt zu sehen:

„Euer Herz erschrecke nicht! Vertrauet auf Gott und vertrauet auf mich! In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen; wo nicht, so hätte ich es euch gesagt. Ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten. Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, auf daß auch ihr seid, wo ich bin.“

Und doch wird diese Freude getrübt, ja vielleicht sogar in ihr Gegenteil verkehrt, wenn wir Matthäus 24, 40 – 41 lesen. Dort heißt es:

„Dann werden zwei auf dem Felde sein; einer wird genommen, und der andere wird zurückgelassen. Zwei werden auf der Mühle mahlen; eine wird genommen und die andere wird zurückgelassen.“

Viele haben in diesen Versen ein Bild bzw. eine Beschreibung der Entrückung (oder: Aufnahme) der Versammlung (Gemeinde/Kirche) gesehen und diese Verse entsprechend ausgelegt: Die Gläubigen werden „angenommen“,  die Ungläubigen werden zurück gelassen. Aber ist eine derartige Auslegung statthaft? Wenn wir das gesamte 24. Kapitel des Matthäusevangeliums  gründlich betrachten, so müssen wir feststellen, dass es in diesem Kapitel um viele Dinge geht, die mit dem jüdischen Volk und nicht mit der christlichen Versammlung (Gemeinde/Kirche) zu tun haben:

Es geht – gleich zu Beginn der Ausführungen des Herrn – um Israel, denn Seine Ausführungen beginnt Er mit Blick auf den jüdischen Tempel und die Stadt Jerusalem (Matthäus 24, 1 – 2). Nach einer Reihe von Warnungen, die man allgemein verstehen kann (Warnung vor Verführung, falschen Christussen, der Ankündigung von Kriegen, ethnischen Auseinandersetzungen, Seuchen, Teuerung, Erdbeben, Verfolgung der Jünger, Verkündigung des Evangeliums des Reiches) ist dann vom „Greul der Verwüstung, der an heiliger Stätte steht“  (vgl. Matthäus 24, Vers 15) die Rede.

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Modell des zweiten jüdischen Tempels (Jerusalem)
Foto: Deror Avi/Wikipedia

Für die jüdischen Zuhörer Jesu war völlig klar, was mit der Umschreibung „an heiliger Stätte“ gemeint war: der Tempel in Jerusalem. Denn eine Entweihung dieses Tempels hatten die Juden bereits unter Antiochus Epiphanes IV. im Jahr 169 v. Chr. erlebt. Dieser versuchte nach der Eroberung Jerusalems die Stadt zu hellenisieren, in dem er alle mosaischen Opfer, die Gottesdienste, die Sabbathfeier, die Beschneidung neugeborener männlicher Kinder und das Einhalten der göttlichen Gebote insgesamt bei Todesstrafe verbot. Er befahl den Juden die Einhaltung heidnischer Feiertage und lies im Tempel ein Götzenbild des olympischen Gottes Zeus, welches die Gesichtszüge des Antiochus Epiphanes IV. trug, aufstellen. Der Bandopferaltar wurde durch einen Aufbau zu einem Altar für Zeus gemacht und darauf lies Antiochius Epiphanes IV.  ein Schwein (also ein für Juden unreines Tier) opfern. Dessen Blut wurde zu Ehren des Zeus versprengt und auf diese Weise der Tempel Gottes entweiht. In der Folgezeit lies Antiochus Epiphanes IV. überall in Judäa Zeusaltäre aufstellen und gebot unter Androhung der Todesstrafe die Verehrung dieses griechischen Gottes. Viele Juden blieben standhaft und verweigerten sich dem Götzendienst, wofür sie mit ihrem Leben büßen mussten.Diese Geschehnisse sind unter dem Begriff des „Makkabäeraufstandes“ in die Geschichte eingegangen.

Dann aber spricht der Herr Jesus Christus ab Vers 17 dieses Kapitels eindeutig Menschen an, die zum Zeitpunkt des in den Versen 40 und 41 angesprochenen Geschehens in Israel, genauer: in Judäa, sind (vgl. Matthäus 24, 17 ff.). Was also in Matthäus 24 beschrieben ist, ist ein Geschehen, das mit Israel und den Juden zu tun hat. Die Versammlung (Gemeinde/Kirche) kennt keinen „Greul an heiliger Stätte“, sie befindet sich in ihrer Gänze auch nie in Judäa, so dass sie in die dortigen Berge fliehen könnte. Noch ein weiteres Indiz spricht dafür, dass es hier um Israel geht: Die Erwähnung des „Feigenbaumes“ in  Matthäus 24, 32. Das Bild des Feigenbaumes ist ein  oft von den Propheten des Alten Testaments und auch von dem Herrn Jesus Christus gebrauchtes Symbol für Israel (vgl. Richter 9, 10; 1. Könige 5, 5 [bzw. in anderer Zählung 4, 25], Jeremia 5, 17; Johannes 1, 48; Hosea 9, 10; Joel 1, 7; Lukas 13, 6 – 9; Matthäus 21, 19).  Außer diesen ganz offensichtlichen Indizien gibt es weitere, die dafür sprechen, dass es in Matthäus 24 ganz eindeutig um Geschehnisse im Land Israel im Zusammenhang mit der „Drangsal über Jakob“ (vgl. auch Daniel 9, 24 – 27; Jeremia 30, 4 – 7;) stehen. Hier kann aus Zeitgründen nicht näher darauf eingegangen werden.

Dieser Text kann also nicht „guten Gewissens“ dazu benutzt werden, um über die Scheidung zwischen denen, die dem Evangelium des Herrn Jesus Christus glauben und jenen, die dieses Evangelium verwerfen, zu sprechen. Dies erlaubt der Kontext einfach nicht.

Dennoch ist jedem Christen klar, dass die Heilige Schrift von dieser Scheidung spricht und dass dies eine ernste und sehr traurige Wahrheit ist. Ich kenne kaum einen Gläubigen, in dessen Familie oder Freundeskreis nicht geliebte Menschen sind, die das Evangelium ablehnen. Durch diese Familien und Freundeskreise verläuft auf diese Weise eine unsichtbare Trennlinie. Und die Ausführungen des Apostels Paulus in Bezug auf die Entrückung (oder: Aufnahme) der Versammlung (Gemeinde/Kirche) machen deutlich, dass es hierbei (auch) zu einer Scheidung kommen wird (vgl. 2. Thessalonicher 2, 1 – 17). Die Frage, die sich in diesem Zusammenhang, insbesondere für Verkündiger des Evangeliums stellt, ist: Wie können wir die freudige Botschaft der erwarteten Wiederkunft des Herrn und die ernste Botschaft der Trennung zwischen Glauben und Unglauben so vermitteln, dass Glaubensmut und nicht Depression entsteht? Nun, zuerst einmal gilt es zu betonen, dass wir immer noch in der Gnadenzeit leben. Und so lange diese Zeit uns von Gott geschenkt ist, so lange ist es auch noch möglich, dass Menschen, auch unsere geliebten Familienangehörigen und Freunde, umkehren und zum Glauben an ihren Herrn und Erlöser Jesus Christus finden. Unsere Aufgabe als Christen besteht darin, diese Gnadenzeit entsprechend auszukaufen. Wie tun wir das? Nun, unser erster Fokus muss auf unserem Gebet für diese Menschen liegen. Niemand von uns kann einen anderen Menschen zu wahren Umkehr zu Gott führen. Jeder Mensch muss selbst „Buße tun“, (griech.: „metanoia“ – umdenken). Aber wir können uns im Gebet für diese Menschen vor Gott verwenden. Wir nennen diese Art des Gebetes „Fürbitte“, d.h. wir bitten für einen anderen. Gottes Wort gibt uns großartige Verheißungen für diese Art der Fürbitte: In 1. Johannes 5, 14 – 15 lesen wir:

„Und das ist die Freimütigkeit, die wir ihm gegenüber haben, daß, wenn wir seinem Willen gemäß um etwas bitten, er uns hört. Und wenn wir wissen, daß er uns hört, um was wir auch bitten, so wissen wir, daß wir das Erbetene haben, das wir von ihm erbeten haben.“

Hier wird uns also gesagt, dass, wenn wir etwas nach Gottes Willen beten, wir es auch erlangen werden. Wie erfahren wir, was nach Gottes Willen ist? Die Antwort ist einfach: Wir erkennen Gottes Willen, wenn wir Sein Wort, die Heilige Schrift lesen. In 1. Timotheus 2, 24 lesen wir, das Gott möchte, dass Menschen zu Erkenntnis der Wahrheit kommen und gerettet werden. Wenn wir also um die Errettung unserer Familien und Freunde beten, so können wir absolut sicher sein, dass wir gemäß Gottes Willen beten. Das aber gibt uns große Zuversicht und Freude. So motiviert sollten wir jeden Tag neu für die Menschen unserer Umgebung vor Gott im Gebet eintreten. Wir können dabei z.B. dafür beten, dass der Herr ihre Herzen öffnet, so dass sie für das von uns weitergesagte Evangelium offen und aufnahmebereit sind (vgl. Apostelgeschichte 16, 14). Wir können auch darum beten, dass der Heilige Geist Sein Werk an diesen Menschen tut und entsprechend an und in ihnen wirkt (vgl. Johannes 16, 7 – 9). Unsere andere wichtige Aufgabe neben dem Gebet, der Fürbitte, ist die Verkündigung des Evangeliums durch „Worte und Werke“, d.h. durch persönliche Gespräche und einen Gott wohlgefälligen Lebenswandel. Auch dieser Dienst muss vom Gebet begleitet sein, denn aus uns allein heraus können wir niemals vollbringen. In Sprüche 11, 30 lesen wir, dass der „Weise Seelen gewinnt“. Um diese Weisheit müssen wir Gott immer wieder bitten. Auch bzgl. dieser Bitte dürfen wir große Zuversicht haben, denn in Jakobus 1, 5 verheißt uns Gottes Wort:

„Wenn aber jemandem unter euch Weisheit mangelt, so erbitte er sie von Gott, der allen gern und ohne Vorwurf gibt, so wird sie ihm gegeben werden.“

Wir können also, trotz der ernsten Mahnung der Heiligen Schrift über die letztendliche Trennung von Glaubenden und nicht Glaubenden, motiviert und zuversichtlich sein, wenn wir das, was uns die Heilige Schrift diesbezüglich lehrt, glaubensvoll in die Tat umsetzen. Die Heilige Schrift selbst, gibt uns viele Beispiele von Menschen, die durch das Zeugnis und das Gebet ihrer Verwandten und/oder Freunde errettet wurden: Rahab (vgl. Josua 2 – 6) und die Familie des Kerkermeisters von Philippi (Apostelgeschichte 16, 16 – 34) sind nur zwei davon. Zögern Sie also nicht! Beginnen Sie noch heute, glaubensvoll und zuversichtlich für die Menschen Ihrer Umgebung zu beten! Und hören Sie damit nicht auf, denn 1. Korinther 15, 58 verheißt uns:

„Darum, meine lieben Brüder, seid fest, unbeweglich, und nehmet immer zu in dem Werk des HERRN, weil ihr wisset, daß eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem HERRN.“

 

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Eine Antwort zu Gedanken zur Verkündigung von Matthäus 24, 40 – 41

  1. Josef Sefton schreibt:

    Herr, wir bitten Dich um Weisheit; so dass wir weiterhin Seelen zu Deiner Herrlichkeit gewinnen können.

    Komm, lass uns vor Gott für unsere Familienangehörigen predigen; denn die Zeit der Gnade immer knapper wird.

    Herr, öffne die Herzen unserer Familienangehörigen; so dass sie für das Evangelium offener und aufnahmebereiter sind.

    Komm, Freunde Gottes, von jetzt an, lass uns motivierter um die Errettung unserer Familien und Freunde beten. Gott sei mit euch.

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