Hintergrund 24: Das Buch der Offenbarung (Teil 1)

Patmos02

Insel Patros: Blick auf den Ort Skala, gesehen vom Kloster des Agios Ioannis Theologos aus *Foto: By KF aus der Englischen Wikipedia. Nachbearbeitet von Frente..Frente at de.wikipedia [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)%5D, from Wikimedia Commons

Zum Hintergrund: Autor, Ort und Zeitraum der Abfassung

Schon in den ersten Versen (und danach noch an einigen weiteren Stellen) gibt sich uns der Schreiber dieses Buches als Johannes zu erkennen (Offenbarung 1, 1; Offenbarung 4, 9; Offenbarung 22, 8). Seit  dem ersten Jahrhundert nach Christus bis heute haben nahezu alle konservativen Ausleger die Meinung vertreten, dass es sich bei dem in der Offenbarung genannten Johannes um den gleichnamigen Jünger und Apostel des Herrn Jesus Christus handelt. Auch heute teilen jene Ausleger, die von der göttlichen Inspiration dieses Buches überzeugt sind, diese Überzeugung. Andere sind hingegen der Meinung, “ein anderer Johannes“, über den wenig bis nichts bekannt sein soll, habe die Offenbarung verfasst. Dieser Ansicht steht das Zeugnis einer großen Anzahl jener Männer entgegen, die uns als die so genannten “Kirchenväter“ bekannt sind. Sie gehören zu den ersten Generationen von Christen nach der Auferstehung des Herrn und haben die Apostel Jesu z. T. noch persönlich gekannt¹. 

Zur Person und zum Dienst des Johannes

Das Neue Testament gibt uns zahlreiche Hinweise zur Person und zum Dienst des Johannes: Aus Markus 1, 19 – 21 erfahren wir, dass Johannes und sein Bruder Jakobus kurz nach den ersten Jüngern (Andreas und Simon Petrus, vgl. Johannes 1, 40 – 41; Markus 1, 16 – 17) in die Nachfolge des Herrn Jesus Christus berufen wurden. Aus diesem Abschnitt geht auch hervor, dass Johannes und Jakobus Söhne des Zebedäus² waren. Bei diesem Mann handelte es sich offensichtlich um einen wohlhabenden Fischer mit einem größeren Gewerbe am See Genezareth, denn er war in der Lage, mehrere Tagelöhner zu beschäftigen. Auf diesem Hintergrund wird deutlich, dass Johannes und Jakobus, als sie dem Ruf Jesu Folge leisteten, ein gut gehendes Familienunternehmen verließen. Fortan wurden sie unter die zwölf Jünger des Herrn gerechnet (Matthäus 10, 2; Lukas 6, 12 – 16). Dieser gab ihnen auch den Namen “Donnersöhne“ (Markus 3, 16 – 19), was von Auslegern häufig als Hinweis auf ihren leidenschaftlichen und vielleicht auch impulsiven Charakter (vgl. auch Lukas 9, 49 + 54; Markus 9, 38) gedeutet wird. Johannes gehörte mit Petrus und Jakobus zu einem kleineren Jüngerkreis, dem der Herr eine besondere Offenbarung zuteil werden ließ, indem er sie auf den Berg Tabor mitnahm, wo sie Seine Verklärung miterleben durften (Matthäus 17, 1 ff.; Markus 9, 2 ff). Auch bei anderen wichtigen Gelegenheiten finden wir Johannes in diesem Dreierkreis (vgl. Markus 13, 3; Markus 14, 33 f.; Lukas 8, 51). Später bildeten die drei Apostel dieses Kreises die “Säulen“ der Versammlung (= Gemeinde/Kirche) in Jerusalem. Paulus bezeichnet sie als solche und nennt sie namentlich, darunter auch Johannes:

“(…) und als sie die Gnade erkannten, die mir gegeben ist, gaben Jakobus und Kephas und Johannes, die als Säulen angesehen wurden, mir und Barnabas die Rechte der Gemeinschaft (…)“

(Galater 2, 9)

Gemeinsam mit Petrus hatte Johannes den Auftrag bekommen, das Passahmahl vorzubereiten (Lukas 22, 8) und gemeinsam mit Petrus und den Frauen wurde er einer der ersten Auferstehungszeugen (Johannes 20, 2 – 6). Zwischen diesen beiden Ereignissen finden wir Johannes als einzigen Jünger, der am Kreuz seines Herrn ausharrt (Johannes 13, 23 – 25; Johannes 19, 26 – 27), während die anderen Jünger geflohen waren. Später begegnen uns Johannes und Petrus im Tempel bei der Heilung des Gelähmten (Apostelgeschichte 3, 1 – 11), für die sie von den jüdischen Autoritäten verhaftet und verwarnt wurden (Apostelgeschichte 4, 1 – 14). Kurz darauf folgte eine weitere Verhaftung (Apostelgeschichte 5, 17 ff.) und daran anschließend ein gemeinsamer Dienst in Samaria (Apostelgeschichte 8, 14 – 25). Dies ist der bis dahin letzte Hinweis auf den Dienst Apostels Johannes. Über sein weiteres Leben geben uns verschiedene kirchengeschichtliche Quellen Auskunft: So erfahren wir durch Justin den Märtyrer davon, dass Johannes in Ephesus gelebt und unter den dortigen Gläubigen gewirkt haben soll. Diese Aussage wird auch durch Irenäus von Lyon und Eusebius von Caesarea bestätigt. Die sogenannten Kirchenväter bezeugen auch die spätere Gefangennahme und Verbannung des Johannes nach Patmos, sowie seine Verfasserschaft der dort empfangenen Offenbarung.¹

Ort und Zeitraum der Abfassung des Buches der Offenbarung

Wie Johannes in Offenbarung 1, 9 schreibt, war er zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Buches “…auf der Insel, genannt Patmos“. Patmos ist eine hügelige, nur  34,14 km² große Insel im Ägäischen Meer.  Sie weist wenig Baumbewuchs (heute: Oliven, Obst) auf und ist hauptsächlich von der so genannten “Phrygana”, einem bis zu ein Meter hohen, zeitweise blühenden Busch-  und Strauchwerk bewachsen.³  Unter römischer Herrschaft wurde die Insel als Strafkolonie genutzt. Die dorthin Verbannten mussten im Bergbau arbeiten. Ob dies auch zu der Zeit so war, als Johannes nach Patmos verbannt wurde, lässt sich nicht genau sagen. Einige Kommentatoren gehen davon aus, andere verweisen darauf, dass nur Gefangene niederer  Schichten und Bildung diese Arbeiten verrichten mussten. Der Apostel selbst schreibt darüber nichts.
Aufgrund historischer Quellen ist die Mehrheit der Ausleger davon überzeugt, dass Johannes im Jahr  94 n. Chr. unter der Herrschaft des römischen Kaisers Domitian dorthin verbannt wurde.
Domitian, dessen vollständiger Name Titus Flavius Domitianus lautete und der von 81 – 95 n. Chr. regierte, war ein Sohn Kaiser Vespasians und ein Bruder des  Kaisers Titus. Beide Vorgänger Domitians sind durch den jüdischen Krieg bekannt geworden. Vespasian als Belagerer, Titus als Eroberer Jerusalems (70 n. Chr.). Unter der Herrschaft Domitians wurden politische Oppositionelle, aber auch Juden und Christen, die die Anbetung von Kaiserstandbildern und anderen Götterbildern ablehnten, verfolgt. Mit der Ermordung Domitians im Jahr 96 n. Chr. endet auch die Linie der römischen Herrscher aus dem Geschlecht der Flavier. Sein Nachfolger Nerva  (96 – 98 n. Chr.) gewährte dem Volk – und damit auch den Juden und Christen – größere Freiheiten. Es wird angenommen, dass Johannes unter Nerva nach 18 Monaten Verbannung entlassen wurde und er wieder nach Ephesus zurückkehren konnte.  Die unter Nerva gewährten Freiheiten dauerten jedoch nur kurze Zeit an, da der Kaiser bereits im Jahr 98 n. Chr. starb und unter seinem Nachfolger Trajan die  Repressalien gegen die Christen wieder zunahmen4.

Inhalt und Aufteilung des Buches der Offenbarung (I)

Um uns einen Überblick über den Inhalt des Buches der Offenbarung zu verschaffen, können wir das Buch auf unterschiedliche Weise aufteilen. Die nachfolgende, ausführlichere Übersicht teilt das Buch in vier große Blöcke:

Im ersten Block  (Offenbarung 1, 1 – 20) wird uns der Grund des Buches und die Berufung des prophetischen Schreibers geschildert. Im ersten Abschnitt dieses Blocks findet sich die Einleitung zum Buch (Offenbarung 1, 1 – 8): Offenbarung 1, 1 – 3 stellt dabei das Vorwort dar, gefolgt von der Mitteilung, wer die Empfänger dieses Buches sind und einer Lobpreisung Gottes (Offenbarung 1, 4 – 6). In Offenbarung 1, 7 – 8 wird  uns das Hauptthema des Buches genannt – das Kommen des Herrn Jesus Christus in Macht und Herrlichkeit. Der zweite Abschnitt befasst sich mit der Berufung des Propheten (Offenbarung 1, 9 – 20).  In Offenbarung 1, 9 – 11 erfahren die Leser von Johannes die Umstände seiner Berufung. Daran anschließend  schildert er die Quelle seiner Beauftragung (Offenbarung 1, 12 – 16) und seine Reaktion auf diese Begegnung mit dem auferstandenen Herrn Jesus Christus (Offenbarung 1, 17 – 20).

Block II, der die Kapitel 2 – 3 des Buches der Offenbarung umfasst, enthält die Sendschreiben an die sieben Versammlungen (= Gemeinden/Kirchen) in Kleinasien.  Im ersten Abschnitt finden wir das Sendschreiben an die Versammlung (= Gemeinde/Kirche) in Ephesus (Offenbarung 2, 1 – 7). Das Schreiben beginnt mit  einer Beschreibung des Herrn Jesus Christus (Offenbarung 2, 1). Dieser spricht der angeschriebenen Versammlung (= Gemeinde/Kirche) erst eine Belobigung aus (Offenbarung 2, 2 – 3), um sie dann zur Buße zu rufen (Offenbarung 2, 4). Darauf folgend ermutigt der Herr die Gläubigen in Ephesus (Offenbarung 2. 5 – 6) und gibt ihnen eine individuelle Verheißung (Offenbarung 2, 7).
Das Sendschreiben an die Versammlung (= Gemeinde/Kirche) in Smyrna ist im zweiten Abschnitt enthalten (Offenbarung 2, 8 – 11). Es wird eingeleitet mit einer Beschreibung des Herrn Jesus Christus (Offenbarung 2, 8). Auch an die Gläubigen in Smyrna richtet sich der Herr erst, indem Er ihre positiven Merkmale hervorhebt (Offenbarung 2, 9). Im Gegensatz zur Versammlung (= Gemeinde/Kirche) in Ephesus fehlt in diesem Sendschreiben jedoch der Aufruf zur Buße. Auf die Belobigung folgt sofort eine Ermutigung (Offenbarung 2, 10a) und eine individuelle Verheißung für die Gläubigen in dieser Stadt (Offenbarung 2, 10b – 11).
Im dritten Abschnitt finden wir das Sendschreiben an die Versammlung (= Gemeinde/Kirche) in Pergamus (Offenbarung 2, 12 – 17). Auch am Beginn dieses Schreibens findet sich zuerst wieder eine Beschreibung des Herrn Jesus Christus (Offenbarung 2, 12). Dieser spricht ein Lob für gewisse Verhaltensweisen der Gläubigen in Pergamus aus und weist sie dann für andere zurecht (Offenbarung 2, 14 – 15). Es folgt, wie bei den vorausgegangenen Sendschreiben eine Ermutigung (Offenbarung 2, 16) und eine individuelle Verheißung (Offenbarung 2, 17), die der Herr Jesus Christus diesen Gläubigen schenkt.
Das Sendschreiben an die Versammlung (= Gemeinde/Kirche) in Thyatira finden wir im vierten Abschnitt (Offenbarung 2, 18 – 29). Es wird ebenfalls durch eine Beschreibung des Herrn Jesus Christus eingeleitet (Offenbarung 2, 18), auf die erst eine Belobigung (Offenbarung 2, 19), dann eine Zurechtweisung (Offenbarung 2, 20 – 23), sowie eine Ermutigung (Offenbarung 2, 24 – 25) und eine individuelle Verheißung (Offenbarung 2, 26 – 29) für die Christen in dieser Stadt folgen.
Der fünfte Abschnitt enthält das Sendschreiben an die Versammlung (= Gemeinde/Kirche) in Smyrna (Offenbarung 3, 1 – 6). Zuerst findet sich wieder eine besondere Beschreibung des Herrn Jesus Christus (Offenbarung 3, 1), gefolgt von einem Lob und einer Zurechtweisung für die Gläubigen in Smyrna  (Offenbarung 3, 1 – 2), sowie einer Ermutigung (Offenbarung  3, 2 –  3) und einer individuellen Verheißung für sie (Offenbarung 3, 4 – 6).
Das Sendschreiben an die Versammlung (= Gemeinde/Kirche) in Philadelphia stellt den sechsten Abschnitt des zweiten Blocks dar (Offenbarung 3, 7 – 13). Wie alle Sendschreiben wird auch dieses mit einer besonderen Beschreibung des Herrn Jesus Christus eingeleitet (Offenbarung 3, 7). Dieser lobt die Gläubigen in Philadelphia (Offenbarung 3, 7). In Übereinstimmung mit dem Sendschreiben an Pergamus und im Gegensatz zu den anderen Sendschreiben fehlt hier eine Zurechtweisung bzw. ein Aufruf zur Buße. Auf die Belobigung der Gläubigen durch den Herrn folgt dann zuerst eine individuelle Verheißung (Offenbarung 3, 9 – 12) und eine Ermutigung (Offenbarung 3, 11 – 13). Auch diese Umstellung von Verheißung an erster und Ermutigung an zweiter Stelle unterscheidet dieses Sendschreiben von den anderen.
Das Sendschreiben an die Versammlung (= Gemeinde/Kirche) in Laodizea bildet den siebten und finalen Abschnitt dieses Blocks (Offenbarung 3, 14 – 22). Es beginnt mit einer besonderen Beschreibung des Herrn Jesus Christus (Offenbarung 3, 14). Im Gegensatz zu allen anderen Sendschreiben fehlt hier ein Lob durch den Herrn. Dieser findet nichts, was er an den Gläubigen in Laodizea loben könnte. Er spricht eine scharfe Zurechtweisung und Aufforderung zur Umkehr aus (Offenbarung 3, 15 – 17). Darauf folgen eine Ermutigung (Offenbarung 3, 18 – 19) und eine individuelle Verheißung für die Gläubigen in dieser Stadt (Offenbarung 3, 20 – 22).

Block III ist der umfangsreichste Block, er umfasst die Kapitel 4, 1 – Kapitel 22, 5, in denen in prophetischer Weise detailliert  Auskunft über die Zukunft im heilsplan Gottes gegeben wird. Im ersten  Abschnitt (Offenbarung 4 – 5) dieses Blocks finden wir eine Einleitung zu den prophetisch angekündigten Gerichten der Trübsalszeit. In Offenbarung 4, 1 – 11 wird uns dann der Thronraum Gottes im Himmel und in Offenbarung 5, 1 – 14 das Lamm Gottes auf diesem Thon geschildert. Mit Offenbarung 6, 1 ff. beginnt ein zweiter Abschnitt, der die ersten sechs Siegelgerichte darlegt: das erste Siegel (Offenbarung 6, 1 – 2), das zweite Siegel (Offenbarung 6, 3 – 4), das dritte Siegel (Offenbarung 6, 5 – 6), das vierte Siegel (Offenbarung 6, 7 – 8), das fünfte Siegel (Offenbarung 6, 9 – 11) und das sechste Siegel (Offenbarung 6, 12 – 17). Der dritte Abschnitt (Offenbarung 7, 1 – 17) stellt eine Art Einschub dar. Uns wird darin zuerst die Versiegelung der 144.000 Israeliten geschildert (Offenbarung 7, 1 – 8) und anschließend die unzählbare Schar der Erlösten aus allen Nationen (Offenbarung 7, 9 – 17). Im vierten Abschnitt folgen dann die ersten sechs Posaunengerichte (Offenbarung 8, 1 – Offenbarung 9, 21). Dabei ist eine Aufteilung der Posaunengerichte festzustellen: die ersten vier Posaunengerichtet finden sich in Offenbarung 8, 1 – 13, gefolgt vom fünften und sechsten Posaunengericht in Offenbarung 9, 1 – 21). Als fünfter Abschnitt (Offenbarung 10, 1 – 11) folgt ein weiterer “Einschub“, in welchem uns ein Engel beschrieben wird, der dem Johannes ein Buch und eine Botschaft überbringt: In Offenbarung 10, 1 – 4 wird uns die machtvolle Gestalt dieses Engels gezeigt, gefolgt von der Mitteilung seiner Botschaft (Offenbarung 10, 5 – 7) und dem Auftrag, den er dem Johannes erteilt (Offenbarung 10, 8 – 11). Der sechste Abschnitt (Offenbarung 11, 1 – 14) enthält Aussagen über die während der großen Trübsal auftretenden “zwei Zeugen“ und  muss daher auch als ein weiterer “Einschub“ angesehen werden. Zuerst wird uns der Tempel in Jerusalem geschildert, der zu diesem Zeitpunkt wieder aufgebaut sein wird (Offenbarung 11, 1 – 2). Die Verse daran anschließend befassen sich mit den “zwei Zeugen“: ihrem Dienst  (Offenbarung 11, 3 – 6), dem Grund und den Umständen ihres Todes (Offenbarung 11, 7 – 10) und ihrer Auferstehung (Offenbarung 11, 11 – 13). Im Anschluss daran werden uns das zweite “Wehe“  (Offenbarung 11, 14) und das siebente Posaunengericht (Offenbarung 11, 15 – 19) geschildert.
Auch bei dem achten Abschnitt dieses Blocks handelt es sich um einen “Einschub“. Er enthält eine Darlegung der Wirkungsweise des Satans während der Zeit der großen Trübsal (Offenbarung 12, 1 – Offenbarung 13, 18). Dabei wird uns in Offenbarung 12, 1 – 18 zuerst das Handeln des Satans selbst gezeigt. Offenbarung 13, 1 – 18 hingegen zeigt das Handeln seiner  menschlichen Stellvertreter.
Im neunten Abschnitt (Offenbarung 14, 1 – Offenbarung 15, 8) finden wir weitere Informationen über die Geschehnisse in der großen Trübsal, die dem endgültigen Gericht vorausgehen werden. Dabei wird uns zuerst das Gericht am Ende der großen Trübsal geschildert (Offenbarung 14, 1 – 20), danach die Vorbereitung für die Zornschalengerichte (Offenbarung 15, 1 – 8).
Der zehnte Abschnitt (Offenbarung 16, 1 – 21) zeigt uns dann die sieben Zornschalengerichte im Detail: Zuerst erfolgt der Befehl, diese Zornschalen nun auszugießen (Offenbarung 16, 1), danach die Beschreibung der einzelnen Zornschalengerichte: die erste Zornschale (Offenbarung 16, 2), die zweite Zornschale (Offenbarung 16, 3), die dritte Zornschale (Offenbarung 16, 4). An dieser Stelle werden die Zornschalengerichte unterbrochen und es wird uns ein Lobpreis der Gerechtigkeit Gottes durch einen Engel und die in Offenbarung 6, 9 – 10 bereits erwähnten Märtyrer geschildert (Offenbarung 16, 5 – 7). Es folgen die vierte Zornschale (Offenbarung 16, 8 – 9), die fünfte Zornschale (Offenbarung 16, 10 – 11), die sechste Zornschale (Offenbarung 16, 12 – 16) und die siebente Zornschale (Offenbarung 16, 17 – 21).
Weitere Offenbarungen bzgl. des Gerichtes Gottes über das ganze weltliche System werden uns im elften Abschnitt (Offenbarung 17, 1 – Offenbarung 18, 24) gegeben. Dabei geht es zuerst um das Gericht Gottes über das falsche religiöse System, wie es uns in Offenbarung 17, 1 – 18 geschildert wird. An dieses Gericht anschließend, wird Gott auch das ganze wirtschaftliche System richten (Offenbarung 18, 1 – 24). Diese Reihenfolge erscheint logisch, da das religiöse System eigentlich auch die ethischen Normen für das wirtschaftliche System vorgeben sollte. Da das falsche religiöse System jedoch Gott und Seine guten Gebote abgelehnt und durch den Antichristen ersetzt hat, hat es damit auch das wirtschaftliche System, das dem Menschen dienen sollte, in das vollkommene Gegenteil verkehrt.
Die Wiederkunft Jesu Christi in Macht und Herrlichkeit und Sein Triumph über die Mächte des Bösen sind Inhalt des zwölften Abschnitts, der Offenbarung 19, 1 – 21 umfasst. Dieser Abschnitt wird mit einem Lobpreis Gottes im Himmel eröffnet (Offenbarung 19, 1 – 10). Daran anschließend wird uns die Wiederkehr Christi zur Erde (Offenbarung 19, 11 – 16) und der Sieg über das Böse (Offenbarung 19, 17 – 21) geschildert.
Thema des dreizehnten Abschnitts ist das Millennium, also das tausendjährige Friedensreich Christi auf Erden. Seiner Königsherrschaft geht einher mit der  Bindung des Satans (Offenbarung 20, 1 – 3), der Auferstehung der Märtyrer (Offenbarung 20, 4 – 6), dem endgültigen Gericht über den Satan (Offenbarung 20, 7 – 10) und die Bösen (Offenbarung 20, 11 – 15).
Im vierzehnten und letzten Abschnitt dieses Blocks (Offenbarung 21, 1 – Offenbarung 22, 5) wird uns der ewige Zustand enthüllt: Zuerst werden uns der neue Himmel und die neue Erde gezeigt (Offenbarung 21, 1), dann die erste Vision des neuen Jerusalem im Himmel (Offenbarung 21, 2 – 8) und schließlich die zweite Vision des neuen Jerusalems (Offenbarung 21, 9 – Offenbarung 22, 5), wie es auf die Erde hernieder kommt.

Block IV (Offenbarung 22, 6 – 21) ist der Epilog, also das Nachwort, dieses Buches. Er wird eingeleitet durch das Zeugnis eines Engels (Offenbarung 22, 6 – 7), gefolgt von dem Zeugnis des Johannes (Offenbarung 22, 8 – 11). Daran anschließend finden wir das Zeugnis des Herrn Jesus Christus und die Reaktion des Johannes (Offenbarung 22, 12 – 20). Den Abschluss des Buches bilden eine doppelte Verheißung, die Zusage des Herrn, zu kommen, der bekräftigende Wunsch der Gläubigen nach dem Kommen des Herrn und ein Segenswunsch (Offenbarung 22, 12 – 20).

Fußnoten:

¹= Zum Leben und Dienst des Johannes in Ephesus siehe: Justin der Märtyrer: “Dialog mit dem Juden Trypho“ in: Justinus, Dialog; Pseudo-Justinus, Mahnrede. Aus dem Griechischen übersetzt von Philipp Hauser. (Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Band 33) Kempten & München 1917), Kapitel 81, 4; sowie: Irenäus von Lyon: “Gegen die Häresien“ in “Des heiligen Irenäus fünf Bücher gegen die Häresien. Aus dem Griechischen übersetzt von E. Klebba. (Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Band 3) München 1912, III. Buch, Kapitel 1; II. Buch, Kapitel 22, Abschnitt 5 und Eusebius von Cäsarea “Kirchengeschichte“ in: Eusebius, Ausgewählte Schriften Band II: Kirchengeschichte. Aus dem Griechischen übersetzt von Phil. Häuser. (Bibliothek der Kirchenväter, 2. Reihe, Band 1) München 1932, 3. Buch, Kapitel 31. Zum Empfang der Offenbarung, der Rückkehr nach Ephesus und seinem Tod daselbst, siehe: Justin der Märtyrer, a.a.O., Kapitel 81, 4; Irenäus von Lyon, a.a.O., III. Buch, Kapitel 1; V. Buch, Kapitel 30, 3; und Eusebius von Cäsarea, a.a.O., III. Buch, Kapitel 23.

²= Viele Kommentatoren sehen in Salome die Mutter von Johannes und Jakobus (vgl. Matthäus 27, 56; Matthäus 20, 20; Markus 15, 40; Markus 16, 1; Johannes 19, 25).

³= vgl. Wikipedia: Patmos

4=vgl. Wikipedia: Christenverfolgungen im Römischen Reich

 

Dieser Beitrag wurde unter Dispensationalismus, Glimpses/Impulse, Hintergrund, Israel/Judaica, Kirchengeschichte, Notizen zur Offenbarung, Prophetie abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hier ist Platz für Ihre Meinung

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.