Die Fundamente (3)

2015-12-23 16.43.20

„The Fundamentals“ Band I * Foto: JNj.

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Die Fundamente 3

Band I, Kapitel II: „Die Gottheit Jesu“ 

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B. B. Warfield / Princeton * Fotograf: Unbekannt * Quelle: Wikimedia Commons (https://en.wikipedia.org/wiki/File:Benjamin_Breckinridge_Warfield.jpg%5D * This photographic image was published before December 31st 1956, or photographed before 1946, under the jurisdiction of the Government of Japan. Thus this photographic image is considered to be public domain according to article 23 of old copyright law of Japan (English translation) and article 2 of supplemental provision of copyright law of Japan.

Autor dieses Kapitels ist Benjamin B. Warfield, D.D., L.L. D., Professor am Princeton Theological Seminary. Der Autor teilt seine Ausführungen in sechs größere Unterabschnitte auf.  Zuerst geht Warfield auf eine zu seiner Zeit verbreitete Ansicht bzgl. der Gottheit Christi ein. Er zitiert einen Verfasser, den er namentlich nicht nennt und zu dem es im Buch auch keine Fußnote gibt. Dieser habe vorgeschlagen, dass die sichere Überzeugung des Christen bzgl. der Gottheit  Christi nicht auf “Beweistexten oder Passagen (aus der Bibel, JNj.) noch auf alten Argumenten, die man aus diesen ziehe, liegen könne, sondern auf der gesamten Offenbarung Jesu Christi und dem Eindruck, den Er in der Welt hinterlassen habe.“ Warfield ist diese Aussage jedoch zu pauschal. Außerdem verbreite sie ein nicht zu rechtfertigendes Misstrauen gegenüber den Beweisen der Heiligen Schrift. Nach Warfield sollte man lieber sagen, dass die Überzeugung des Christen bzgl. der Gottheit Jesu Christi nicht allein auf den die Gottheit bestätigenden Aussagen der Heiligen Schrift gegründet werden können, sondern zusätzlich auch auf dem gesamten Eindruck, den Er in der Welt hinterlassen habe. Warfield hält auch die Aussage für möglich, dass die Überzeugung des Gläubigen bzgl. der Gottheit Jesu Christi nicht allein auf den Aussagen der Heiligen Schrift darüber beruhe,  sondern auch auf dem Eindruck, den Er in dieser Welt hinterlassen hat. Beide Linien der Beweisführung seien rechtmäßig bzw. zulässig. Und wenn sie verbunden würden, dann würden sie ein unzerreißbares Band bilden. Die Beweistexte der Heiligen Schrift bestätigen, dass die Gottheit Jesu von denen anerkannt wurde, die Ihn begleiteten, dass Er selbst Seine Gottheit anerkannte  und dass Er von denen als Gott anerkannt wurde, deren Augen durch den Geist Gottes erleuchtet worden waren. Das biblische Zeugnis führt in seiner Gesamtbetrachtung auch uns zu der Anerkennung Seiner Gottheit. Doch über die biblischen Beweise hinaus bezeugt auch der Eindruck, den der Erlöser in dieser Welt hinterlassen hat, Seine Gottheit und für viele Menschen mag dieses Zeugnis, so Warfield, sogar beweiskräftiger sein.

Warfield zitiert dann erneut den namenlosen Autor. Dieser habe geschrieben, dass “Jesus Christus eine der wesentlichen Wahrheiten sei, die zu groß sei, dass man sie beweisen könne/müsse, genauso wie Gott, die Freiheit oder die Unsterblichkeit.“ Eine solche Aussage, ruht nach Warfield nicht auf Beweisen, sondern auf der subjektiven Erfahrung eines Menschen. Nach einem längeren, mehr philosophischen Exkurs über Fragen des Verständnisses, führt Warfield dann aus, dass sich die Gottheit Christi auf jeder Seite des Neuen Testaments findet.  Jedes von Christus gesprochene Wort und jedes Seiner Worte, von dem uns das Neue Testament berichtet, wurde unter der Prämisse gesprochen, dass Er Gott ist. Aus diesem Grund, so Warfield, sei das Ansinnen der Bibelkritik, die das Zeugnis der Gottheit Christi eliminieren möchte, ein  hoffnungsloses Unterfangen. Denn diese Absicht könne nur Erfolg haben, wenn die Bibelkritik es schaffe, das Neue Testament selbst zu eliminieren. Hinter das Zeugnis des Neuen Testaments über die Gottheit Jesu Christi gibt es nach Ansicht von Warfield kein Zurück. Denn die Gottheit Christi ist die Voraussetzung für jedes Wort des Neuen Testaments und es ist unmöglich, jene Worte aus demselben herauszufiltern, die nicht in Verbindung mit der Gottheit Christi stehen. Die Überzeugung, dass Jesus Christus Gott ist, ist dem Christentum des Neuen Testaments inhärent.
Warfield zeigt dann auf,  wie die Evangelien von der Überzeugung der Gottheit Christi durchzogen sind. Dazu führt er zunächst drei Stellen aus dem Matthäusevangelium an:

“Der Sohn des Menschen wird seine Engel aussenden, und sie werden aus seinem Reich alle Ärgernisse zusammenlesen und die, welche die Gesetzlosigkeit tun;“

(Matthäus 13, 41; ELBEDHÜ)

“Denn der Sohn des Menschen wird kommen in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln, und dann wird er jedem vergelten nach seinem Tun.“

(Matthäus 16, 27; ELBEDHÜ)

“Und er wird seine Engel aussenden mit starkem Posaunenschall, und sie werden seine Auserwählten versammeln von den vier Winden her, von dem einen Ende der Himmel bis zu ihrem anderen Ende.“

(Matthäus 24, 31; ELBEDHÜ)

In allen drei Versen (bzw. in den Versen davor) spricht der Herr Jesus Christus von sich als dem “Sohn des Menschen“. Er bezieht damit einen Titel auf sich, der im Alten Testament dem Messias zugesprochen wird (vgl. Daniel 7, 13 – 14). Alle drei Verse betonen auch die Majestät der Person Christi. Besonders auffallend ist jedoch, dass in allen drei Versen die Rede von “seinen Engeln“ ist. Wer die Bibel kennt, weiß, dass es keine unterschiedlichen Engelgruppen gibt, die verschiedenen Herren dienen. Es gibt nur die “Engel Gottes“ (Hebräer 1, 6; Johannes 1, 51; Lukas 12, 8 – 9; Lukas 15, 10; Matthäus 22, 30; Galater 4, 14; Apostelgeschichte 10, 3; Apostelgeschichte 27, 23; Richter 6, 20; Richter 13, 9; 2. Samuel 14, 17 + 20 u.a.m.) Wenn der Herr Jesus Christus also von “seinen Engeln“ spricht, dann erklärt Er damit nicht nur, dass Er über den Engeln Gottes steht (vgl. Markus 13, 32; Hebräer 1, 13), sondern dann erhebt Er damit auch den Anspruch, Gott zu sein. Die “Engel Gottes“ sind “Seine Engel“. 

Im 15. Kapitel des Lukasevangeliums finden wir drei Gleichnisse, die der Herr Jesus Christus als Verteidigung gegen einen Vorwurf der Pharisäer vorbringt. Diese beschuldigten Ihn, Sünder aufzunehmen. Die Verteidigungsrede des Herrn gipfelt in den Worten:

“Ich sage euch: Ebenso wird Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die die Buße nicht nötig haben.“

(Lukas 15, 7; ELBEDHÜ)

Warum spricht der Herr hier von dem Himmel? Bezieht Er sich damit auf ein zukünftiges Gericht im Himmel vor dem Thron Gottes, bei dem Er für die Aufnahme der Sünder gerechtfertigt werden wird? Nein, ganz sicher nicht. Das ganze Gleichnis von dem verlorenen Schaf (Lukas 15, 3 – 7) macht deutlich, dass Er sich als der gute Hirte versteht. Was Er hier tut – die Annahme der Sünder – ist für den Himmel (und damit für Gott!) ganz normal! Mit diesem Gleichnis macht der Herr Jesus Christus die Natur des Vorgangs deutlich: Er nimmt die Verlorenen, die zu Ihm kommen, an, denn das ist genau das, was der Himmel – und damit Gott – tut. Er tut dies, weil Er der aus dem Himmel gekommene Gott ist!

Durch das ganze Neue Testament hindurch können wir sehen, wie der Herr Jesus Christus den Anspruch erhebt, Gott zu sein: Er selbst bezeichnet sich niemals als Prophet, doch wenn andere Ihn als Propheten bezeichnen, so widerspricht Er nicht.  Er sagt aber gleichzeitig, dass Er über allen Propheten steht, sogar über Johannes dem Täufer, den Er selbst als den größten Propheten bezeichnet hat. Denn Er selbst ist es, auf den alle Propheten gewartet haben. Wann immer  Er sich selbst als Messias bezeichnet, dann erfüllt Er auch die Voraussetzungen dafür. Er gibt sich nicht damit zufrieden, sich selbst als Person mit einer besonderen Beziehung zu Gott zu offenbaren, sondern proklamiert mit Autorität, dass die Fülle Gottes in Ihm wohnt und Er alles austeilt, was Gott gehört (Matthäus 11, 25 – 30). Er spricht freimütig davon, dass Er die Manifestation Gottes auf Erden ist, denn wer ihn sieht, sieht den Vater (vgl. Johannes 14, 8 – 9) und Er tut das Werk des Vaters auf dieser Erde (Johannes 10, 25; 32; 37 – 38). Er, der Herr Jesus Christus, nimmt für sich Vorrechte in Anspruch, die nur Gott allein zustehen. Dies sehen wir, wenn Er die Herzen der Menschen erforscht (Johannes 2, 24), wenn er Sünden vergibt (Markus 2, 5 f.) und Autorität über irdische und himmlische Mächte ausübt (Markus 4, 35 – 41; Matthäus 8, 28 – 34). Alles was Gott besitzt und ist, nimmt der Herr Jesus Christus für sich in Anspruch: die Allmacht (Matthäus 28, 18), die  Allwissenheit (Johannes 18, 4; Johannes 2, 24). Die Vollkommenheit des Einen ist auch die des Anderen. Wenn Seine Jünger Seine Gottheit lange Zeit nicht erkannten, dann lag das nicht daran, dass Er nicht Gott war bzw. Seine Gottheit nicht überzeugend manifestierte. Der Grund dafür lag in ihren verhärteten Herzen (vgl. Markus 6, 52).

Gemäß Warfield finden wir in der Heiligen Schrift genügend Beweise, die uns bestätigen, dass Jesus Christus Gott ist. Darüber hinaus sieht der Autor auch in dem Eindruck, den das Leben und Wirken Christi in der Welt bis auf den heutigen Tag hinterlassen hat, einen Beweis für Seinen Anspruch. Das neue Leben, das durch die von Ihm vollbrachte Erlösung möglich geworden ist und durch das unzählbar viele Menschen zu neuen Kreaturen (2. Korinther 5, 17) wurden, ist ein bis heute andauernder Beweis Seiner Gottheit.
Warfield führt dann zwei Bücher zeitgenössischer Theologen an, in denen die Gottheit Christi geleugnet wird. Er nennt von Harnacks “The Mission and Expansion of Christianity in the First Three Centuries“ (dt. “Die Mission und Ausbreitung des Christentums in den ersten drei Jahrhunderten“) und das Buch “Christian Life in the Primitive Church“ von von Dobschütz und fragt: “Können diese Dinge (die in beiden Büchern beschrieben werden, JNj.) durch eine Kraft gewirkt worden sein, die nicht göttlich war?“ Er gibt zu bedenken, dass “diese Dinge“ nicht nur vor 2000 Jahren in einer total heidnischen Umwelt geschahen, sondern sich durch alle Generationen seither fortgesetzt haben. In jeder Generation hat das biblische Christentum die Welt neu erobert. Warfield gibt nicht nur zu bedenken, welch‘ große Verbreitung das biblische Christentum über die Jahrhunderte gefunden hat. Vielmehr möchte er seine Leser darauf aufmerksam machen, was für Lebensveränderungen das so verbreitete Evangelium bei unzähligen Menschen hervorgebracht hat. Wäre alles dies wirklich geschehen, wenn das Evangelium nur die Botschaft eines ganz normalen Menschen gewesen wäre? Nach Ansicht von Warfield ist es undenkbar, dass die große Bewegung des biblischen Christentums, die sich über die Jahrhunderte entgegen allen Verfolgungen und Anfeindungen weiter  ausgebreitet hat, aus einem allein menschlichen Impuls hervorgegangen ist.

Das neue Leben aus Christus und die ihm innewohnende, verändernde Kraft, so Warfield, ist auch für den Christen selbst ein Zeugnis für die Gottheit Christi. Jeder Christ kann die Worte des Blindgeborenen auf sich selbst beziehen: “Der Mensch antwortete und sprach zu ihnen: Hierbei ist es doch wunderbar, daß ihr nicht wisset, woher er ist, und er hat doch meine Augen aufgetan.“ (Johannes 9, 30) Die veränderten Herzen der Gläubigen sind ein beständiges Zeugnis, ein bis heute andauernder Beweis für die Gottheit der Person, die diese Lebensveränderung hervorgebracht hat: Jesus Christus. Neben den “äußeren Beweisen“, d.h. den Belegen der Heiligen Schrift und dem Wirken Christi in der Welt bis heute, verfügt der Gläubige also auch über einen inneren Beweis, ein inneres Zeugnis (Römer 8, 16), durch die Erfahrung der verändernden Kraft Christi in seinem Leben (2. Korinther 5, 17). Diesem Beweis kann der Gläubige, selbst wenn er es wollte, nicht entfliehen. Von was ein wahrhaft Gläubiger überzeugt oder nicht überzeugt sein mag, eines ist Gewissheit für ihn: “Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“ (Hiob 19, 25). Und weil Er lebt, werden auch wir leben (Johannes 14, 19). Das ist die sichere Zusage unseres Herrn Jesus Christus und daher auch die Gewissheit des Herzens eines jeden Gläubigen.

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