Dringlichkeit?! (1)

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Vorgestern war es wieder soweit: Wie immer, wenn ein oder mehrere Feiertage bevorstehen, scheinen sich die Menschen in einem Ausnahmezustand zu befinden: Jeder will, dass seine Angelegenheiten noch „unbedingt heute“ erledigt werden, jeder „muss noch heute unbedingt“ diese oder jene Sachen besorgen …. Jetzt, schnell, „bevor die Läden schließen“. Ich erlebe den Tag vor einem oder mehreren Feiertagen immer wie eine Art „Feiertags-Bestrafungstag“ und so ergeht es wohl vielen arbeitenden Mitmenschen. Es scheint, als ob an einem solchen Tag die doppelte Menge an Arbeit in der gleichen 8-Stunden-Zeit geleistet werden muss „weil ja (in diesem Fall) am Freitag nichts läuft“ … Am Ende eines solchen Tages vor einem Feiertag fühle ich mich häufig ausgelaugter als nach einem normalen Arbeitstag und ein guter Teil des Feiertags geht dann mit „einfach mal ausruhen und abschalten“ drauf. Diese Verhalten vor einem Feiertag nimmt m. E. teilweise schon hysterische Züge an. Als ich vorgestern Abend einige Sachen im Supermarkt einkaufte, wuchsen und wuchsen die Schlangen vor den Kassen – als ob es am Samstag keine Einkaufsmöglichkeit mehr gäbe. In der Zeit des so genannten „Kalten Krieges“ hatte meine Großmutter für solche Ausnahme-Tage immer den Spruch: „Die Leute kaufen ein, als ob morgen der Russe kommt!“ parat. Vorgestern Abend sagte eine Verkäuferin: „Ach wissen Sie, die Leute benehmen sich so, weil wir heute Abend für immer schließen und nie mehr öffnen.“ Ein verschmitztes Lächeln umspielte ihren Mund … Mal ganz ehrlich: Muss das alles sein? Sicherlich nicht. Einen verkaufsfreien Tag in einer Woche werden wir wohl verschmerzen – am Samstag kann wieder eingekauft werden und wenn man unbedingt etwas braucht, ist für die meisten von uns eine Tankstelle mit entsprechendem Shop erreichbar, wo man (fast) alles bekommt, wenn auch zu etwas überteuerten Preisen.

„Stress“

Foto: Kellermeister/www.jenpix.de/pixelio

Als ich gestern dann vom Einkauf auf dem Weg nach Hause war, ging mir plötzlich ein Vers aus dem Neuen Testament durch den Kopf:

„Denn was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne, büßte aber seine Seele ein? Oder was kann der Mensch geben, damit er seine Seele wieder löse?“

(Matthäus 16, 26)

Im Lukasevangelium findet sich diese Aussage des Herrn Jesus Christus in etwas anderer Form:

„Denn was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber sich selbst verliert oder schädigt?“

(Lukas 9, 25)

Jetzt könnte man diese Verse wunderbar mit einem Appell an die Menschen verbinden, die Gott „einen guten Mann sein lassen“ und ein von Ihm losgelöstes Leben führen. Und diese Verse sind natürlich auch eine Aufforderung an  all jene, die ohne Gottes Liebe und Vergebung, also den wahren Reichtum eines menschlichen Lebens, durch ihr Leben gehen und sich in all ihren Termine, Aktionen, selbst verlieren. Der plötzliche Herztod, der uns immer wieder schockiert, wenn während eines Fußballspiels ein Spieler wie Paulo Sergio de Oliveira Silva oder Marc-Vivien Foe zu sammenbricht, ist verbreiteter als man denkt.

All‘ jene, die in den Kategorien: „Mein  Haus, mein Boot, mein Auto!“ leben, sollten darüber nachdenken, was von all‘ dem übrig bleibt, wenn ihre Lebensuhr, vielleicht heute Nacht, auf „0“ schaltet.

„Erholung pur“
Foto: Conny-T./pixelio

Aber wie sieht es denn mit uns als Christen aus,  wenn es um die Dinge des Alltags, des Konsums etc. geht? Unterscheiden wir uns da wirklich von den Menschen, die keine anderen Ziele als Besitz und Erfolg haben? Wird ein Unterschied deutlich zum Immer-mehr-tun-müssen-Aktionismus und zum Immer-mehr-haben-müssen-Verlangen der Welt um uns herum? Auch Christen klagen über Burn-out-Syndrom oder erleben ein solches physisches und/oder psychisches „Ausgebranntsein“.  Man kann auch (pseudo-)geistlichen Erfolgen nachjagen, man kann auch durch ein gesetzliches „Ich bin immer im Dienst für Gott“-Dasein ausbrennen. Man lebt dann zwar „für Gott“ und doch eigentlich ganz an Ihm vorbei. Ich frage mich in diesem Zusammenhang: Wie verbringen wir z.B. unseren Sonntag? Ist dies noch ein Tag, den wir „heiligen“, d.h. für Gott absondern, auf Gott ausgerichtet verleben – nicht aus Gesetzlichkeit, sondern  aus Dankbarkeit dafür, dass wir an diesem Tag ruhen und uns gänzlich auf die Quelle des Lebens ausrichten dürfen? Oder ist unser Sonntag vollgestopft mit all‘ den Aktivitäten, die wir in der Arbeitswoche nicht unterbringen? Wie wäre es, wenn Sie den Sonntag wieder ganz bewusst als einen Ruhetag für und mit Gott verleben? Haben Sie Angst, dass Sie dann  nicht mehr alle Ihre Aufgaben bewältigen? Warum vertrauen Sie diese Sorgen nicht einfach Gott im Gebet an? Der Gott, der Sie täglich mit allem, was Sie zum Leben brauchen, versorgt, sollte Er Ihnen nicht auch all‘ die Zeit schenken, die Sie – wirklich – brauchen? Oder sind Sie so beschäftigt, weil Sie gar nicht mehr wissen, wie Sie die Ruhe aushalten sollten? Beschäftigen Sie sich, um gar nicht in die „Gefahr“ zu geraten, nachdenken zu müssen? Gerade dann sollten Sie dringend innehalten und  sich Zeit für das Gespräch mit Gott nehmen. Wie viel wirkliche LEBENS-ZEIT ohne Ihn wollen Sie noch verlieren?


„Eile, rette deine Seele
Solang Gott noch zu dir spricht,

Beuge dich zum Thron der Gnade

und der Herr schenkt Frieden dir.“

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