Hintergrund 21: Der 2. Petrusbrief


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Arbeitsbibel - Foto: MiSa  / pixelio.de

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Zum Hintergrund

Der 1. und der 2. Petrusbrief gehören zusammen mit dem Jakobusbrief, dem Judasbrief und den drei Johannesbriefen,  zu den so genannten “katholischen“, d.h. “allgemeinen“ Briefen des Neuen Testaments. Als “katholische Briefe“  bezeichnet man apostolische Briefe, die sich nicht an einzelne Personen oder Versammlungen (= Gemeinden) richten, sondern sich in allgemeiner Weise an die Gläubigen (z.B. einer ganzen  Region) wenden. Eine Ausnahme stellt hier der 3. Johannesbrief dar, der an eine Einzelperson adressiert ist.

Verfasser und Datierung des Briefes

Der 2. Petrusbrief richtet sich – wie auch der 1. Petrusbrief – an Christen, die in der Region Kleinasien lebten (1. Petrus 1, 1). Als Verfasser dieses Briefes, gibt sich der Apostel Petrus zu erkennen. Da sich die ersten außerbiblischen Hinweise auf Petrus als Autor dieses Briefes erst im 3. nachchristlichen Jahrhundert finden¹, verwundert es nicht, dass viele Bibelkritiker sich gerade diesen Brief als Ziel ihrer Angriffe ausgesucht haben. Ironischerweise warnt jedoch gerade dieser Brief vor den Gefahren, die den Gläubigen durch Irrlehrer drohen, durch Menschen also, die das Zeugnis und die Lehre des Neuen und des Alten Testaments verwerfen. Wie wir noch sehen werden, gibt es gute Gründe dafür, an der dem Simon Petrus als Autor dieses Briefes festzuhalten. In 2. Petrus 3, 1 nimmt der Verfasser Bezug auf einen früheren („ersten“) Brief. Dabei kann es sich um den Brief handeln, den wir als den 1. Petrusbrief kennen, es könnte damit aber auch ein  Brief gemeint sein, der uns nicht überliefert wurde und daher unbekannt ist. Letzteres ist aber sehr unwahrscheinlich. In 2. Petrus 1, 14 weist der Schreiber darauf hin, dass ihm eine besondere Art des Sterbens bevorsteht und dass ihm dies von dem Herrn Jesus Christus geoffenbart wurde. Viele Kommentatoren verweisen in diesem Zusammenhang auf die Aussage Jesu in Johannes 21, 18 und werten dies als einen weiteren Beleg für die Authentizität der Verfasserschaft des Petrus.  Neben den erst späten außerbiblischen Zeugnissen für Petrus als Verfasser, gibt es andererseits Hinweise innerhalb dieser Schrift, die für seine Autorenschaft sprechen: Vergleichen wir diesen Brief mit dem 1. Petrusbrief und mit den  Ansprachen/Predigten des Petrus, die uns in der Apostelgeschichte überliefert wurden, so können dabei viele stilistische Ähnlichkeiten und einen sehr ähnlichen Wortgebrauch festgestellt werden (vgl. 2. Petrus 1, 1 + 14; 2. Petrus  3, 1). Außerdem finden wir in 2. Petrus 1, 16 – 18 den Hinweis, dass der Verfasser des Briefes ein Zeuge der Verherrlichung Jesu auf dem Berg Tabor war (vgl. Lukas 9, 27 – 36). Bei dieser Gelegenheit waren jedoch nur drei der zwölf Jünger Jesu zugegen: Johannes, Jakobus und Petrus. Von Johannes und Jakobus sind uns Briefe bekannt, die sich in Stil und Wortwahl deutlich von den Petrusbriefen unterscheiden. So kommt nur Petrus als dritter Zeuge dieses Geschehens und als Autor dieses Briefes in Betracht. Das gilt auch für eine andere Aussage, die wir in diesem Brief finden. Gemäß 2. Petrus 3, 15 hat der Schreiber dieses Briefes  den Apostel Paulus gut gekannt, denn er bezeichnet ihn dort als “unseren geliebten Bruder Paulus“. Ungefähr um 45/46 n. Chr. besuchte der Apostel Paulus Jerusalem und lernte bei dieser Gelegenheit “Kephas“, d.h. den Apostel Petrus, und den Apostel  Jakobus kennen (vgl. Galater 1, 17 – 19). In Galater 2, 9 erwähnt Paulus seine Beziehung zu Petrus, Jakobus und Johannes, “die als Säulen gelten“. Da sich, wie gesagt, die Johannesbriefe und der Jakobusbrief deutlich von den Petrusbriefen unterscheiden, bleibt als einziger weiterer enger Mitbruder des Paulus aus diesem Dreierkreis – und damit als Autor dieses Briefes – nur Petrus übrig. Verbunden mit dem weiteren Hinweis, dass er über die Art seines Todes eine besondere Offenbarung des Herrn Jesus Christus empfangen habe (vgl. 2. Petrus 1, 13 – 14 i.V.m. Johannes 21, 18) deutet alles auf Petrus als Verfasser dieses Briefes hin.²

Aufgrund von 2. Petrus 1, 13 – 15, wo Petrus auf seinen nahe bevorstehenden Tod Bezug nimmt, ist davon auszugehen, dass dieser Brief kurz vor dem Martyrium des Apostels verfasst wurde. Allgemein wird der Brief von jenen Kommentatoren, die von seiner Echtheit ausgehen, auf die Zeit zwischen 64 n. Chr. und 67/68 n. Chr.  Die Christenverfolgung unter Nero begann im Juli des Jahres 64 n. Chr. und der Tod des Petrus wird auf die Zeit 67/68 n. Chr. datiert. Verschiedene Kommentatoren weisen darauf hin, dass der 2 Petrusbrief, insbesondere in Kapitel 1, 3 – 11; Kapitel 2, 1 – 3 und Kapitel  3, 1 – 4 die Kennzeichen eines Testaments aufweist. Damit würde diese Schrift zwei Schriftgattungen vereinen: die eines Testaments und die eines Briefes. In dieser Hinsicht ähnelt der 2. Petrusbrief dem 2. Timotheusbrief, den von Kommentatoren auch als “Testament des Apostels Paulus“ bezeichnet wird. In beiden Briefen finden wir neben diesen Kennzeichen auch jeweils Belehrungen für das Leben in der christlichen Heiligung, sowie Warnungen vor Gefahren, die den  Gläubigen begegnen werden. Beide Briefe enthalten explizite prophetische Aussagen über die “letzte Zeit“.

Themen und Inhaltsübersicht

Der 1. Petrusbrief befasst sich primär mit den christlichen Glaubensgrundlagen und den  alltagspraktischen Auswirkungen, die die christliche Lehre im Leben des Gläubigen – insbesondere in Zeiten des Leidens – haben soll. Auch der 2. Petrusbrief enthält Belehrungen über das geistliche Wachstum des Gläubigen. In diesem Zusammenhang betont der 2. Petrusbrief jedoch, dass dieses Wachstums von großer Bedeutung ist, um zum einen den Gefahren, die von Irrlehrern und falschen Propheten ausgehen, begegnen zu können. Zum anderen ist das geistliche Wachstum des Christen von Bedeutung, weil er nur auf diese Weise in der Erwartung Seines Herrn zur Entrückung der Gläubigen verharren kann.
Wir können den 2. Petrusbrief, der nur 3 Kapitel umfasst, grob wie folgt einteilen:

Block I: Einen ersten, kleinen Block stellt die Einleitung des Briefes (2. Petrus 1, 1 – 2) dar.

Block II, der 2. Petrus 1, 3 – 11 umfasst, belehrt die Gläubigen über ihre Stellung in Christus und führt ihnen a) ihre Resourcen (2. Petrus 1, 3 – 4), b) die an sie gestellten Anforderungen (2. Petrus 1, 5 – 9) und c) die Grundlage und Kraft, auf bzw. durch die sie diesen Anforderungen vollkommen entsprechen können (2. Petrus 1, 10 – 11).

Der dritte Block (2. Petrus 1, 12 – 21) befasst sich mit der Autorität des Heiligen Schrift im Leben des Gläubigen: a) erneute Erinnerung, um in der christlichen Wahrheit befestigt zu werden  (2. Petrus 1, 12 – 15), b) das prophetische Wort, sein Fokus (der verherrlichte Sohn Gottes), seine Auswirkung im Leben der Gläubigen (“ein Licht an einem dunklen Ort“), die Glaubwürdigkeit des apostolischen Zeugnisses (2. Petrus 1, 16 – 18), c) der göttliche Ursprung der Schrift (2. Petrus 1, 19 – 21). 

Im vierten Block (2. Petrus 2, 1 – 22) widmet sich der Apostel ganz der Warnung vor den Gefahren, die den Christen begegnen würden: a) Kennzeichen falscher Lehrer (2. Petrus 2, 1 – 3), b) die Konsequenzen der Irrlehren (2. Petrus 2, 4 – 10), c) das Verhalten von Irrlehrern (2. Petrus 2, 10 – 19), d) das kommende Gericht über die Irrlehrer (2. Petrus 2, 20 – 22).

Block V (2. Petrus 3, 1 – 16)  führt uns die christliche Zukunftshoffnung vor Augen: a) Zum Hintergrund dieses Briefes (2. Petrus 3, 1 – 2), b) das Auftreten von Lästerern in den “letzten Tagen“ (2. Petrus 3, 3 – 6), c) Geschehnisse in der Endzeit (2. Petrus 3, 7 – 10), d) christliches Leben im Angesicht der kommenden Ereignisse (2. Petrus 3, 11 – 16). 

Block VI (2. Petrus 3, 17 – 18) enthält letzte Ermahnungen und schließt mit einem Lobpreis Christi.

Fußnoten:

¹= Der erste Kirchenväter, der diesen Brief erwähnt, ist Origenes (* 185 in Alexandria; † um 254). Wir finden diese Erwähnung in den “Homilien zu Josua“  und zwar in Homilie 7, 1. Vgl. auch Homilie 8, 7, wo im Anklang an 2. Petrus 2, 19 die Rede von dem “wahren Licht“ ist, das “in unseren Herzen aufgeht“ (siehe: Thomas R. Elßner und Theresia Heither: “Die Homilien des Origenes zum Buch Josua“, W. Kohlhammer GmbH Stuttgart 2006, Seiten 44 und 55).

²= Für eine ausführliche Auseinandersetzung/Argumentation für die Verfasserschaft des Apostels Petrus siehe: Prof. Dr. Erich Mauerhofer: “Einleitung in die Schriften des Neuen Testaments“, Band II, Seite 241 – 254, Verlag für Theologie und Religionswissenschaft Nürnberg und Reformatorischer Verlag Beese, 3. Auflage 2004, (Gesamtausgabe)

 

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