Hintergrund 17: Der 2. Timotheusbrief

Translation here.
Text als pdf downloaden.

Missionsreisendespaulus

Missionsreisen des Paulus: I, Janz [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/) or CC-BY-2.5 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.5)%5D, via Wikimedia Commons


Leben und Dienst des Timotheus

Zum Leben und zum Dienst des Timotheus  finden sich ausführliche Informationen im ersten Abschnitt des Artikels „Hintergrund 16: Der 1. Timotheusbrief“: Klick!


Der 2. Timotheusbrief – Hintergrund, Inhalt und Aufteilung

Nachdem der Apostel Paulus im Jahr 62 n. Chr. aus seiner ersten römischen  Gefangenschaft entlassen worden war, setzte er seinen Dienst im kleinasiatischen Raum für eine kurze Zeit – man schätzt drei bis vier Jahre – fort, ehe er erneut gefangen genommen und inhaftiert wurde. Stationen seines Dienstes vor der erneuten Inhaftierung waren u.a. Mazedonien, Kreta und Nikopolis. Sein Mitarbeiter Timotheus wirkte während dieser Zeit in Ephesus (1. Timotheus 3, 142. Timotheus 1, 16 – 18; 2. Timotheus 4, 14 vgl. mit. 1. Timotheus 1, 20; 2.  Timotheus  4, 19). Im Zusammenhang mit dem Brand von Rom im Jahr 64 n. Chr. kam es unter Kaiser Nero zu einer Welle von Christenverfolgungen. Der Glaube an Jesus Christus wurde zu einer gefährlichen Überzeugung und viele Gläubige mussten dafür mit ihrem Leben bezahlen. Auch die Beziehung zu einem christlichen Verkündiger wie dem Apostel Paulus war nicht ungefährlich. Manche Christen mieden darum den Kontakt zu ihm und versuchten im Alltag als Christen nicht weiter aufzufallen (vgl. 2. Timotheus 1, 15; 2. Timotheus 4, 16). Auch Timotheus war angesichts der lebensbedrohlichen Lage von Furcht erfasst worden. In dieser Situation schreibt ihm der Apostel Paulus jenen Brief, den wir als 2. Timotheusbrief kennen. Er ermutigt seinen Mitarbeiter darin, dem Glauben an Jesus Christus treu zu bleiben und auch die Beziehung zu seinem geistlichen Vater nicht aufzugeben. Außerdem macht der Apostel seinem “Kind im Glauben“ deutlich, dass die Verkündigung der Evangeliumsbotschaft unabhängig von den aktuellen politischen oder religiösen Gegebenheiten fortgesetzt werden muss. Denn bei dem Evangelium von Jesus Christus handelt es nicht um irgendeine “interessante Neuigkeit“, sondern um die Botschaft von der Erlösung, an der sich das ewige Heil von Menschen entscheidet. Die Verkündigung des Evangeliums kann sich nach Paulus nie von äußeren Gegebenheiten abhängig machen (2. Timotheus 4, 2a). Für den christlichen Verkündiger muss es daher völlig unerheblich sein, ob diese Botschaft dort, wo er zu wirken hat, willkommen ist oder nicht (2. Korinther 2, 15; 2. Korinther 4, 3). Es gibt nur zwei Faktoren, die den Dienst eines Christen bestimmen: seine Sendung durch den Herrn Jesus Christus  (Matthäus 28, 18 – 20) und das Wissen um eine erlösungsbedürftige Menschheit, die ohne Sein Evangelium ewig verloren geht (1. Korinther 1, 18; Hebräer 9, 27). Angesichts des Widerspruchs, der dem Evangelium in dieser Welt begegnet, erfordert ein solcher Dienst Mut. Dabei ist zu beachten, dass Mut nicht die Abwesenheit von Angst oder Anfechtung ist (Johannes 16, 33). Mutig zu sein bedeutet, trotz Angst und Anfechtung das zu tun, wovon man überzeugt ist, dass es richtig ist. Während der Mensch, der Gott nicht in seine Überlegungen einbezieht, davon ausgeht, die Quelle seines Mutes läge allein in seinem Selbstvertrauen, weiß der Christ darum, dass sein Mut aus seinem Vertrauen in “den Gott, der die Toten lebendig macht“ (2. Korinther 1, 8 – 10) gespeist wird. Aus seiner Lebensbeziehung zu diesem Gott fließt ihm die Kraft zu, die er braucht, um dass Evangelium allen Widerständen zum Trotz zu verkündigen (2. Timotheus 1, 7). Dazu ist es unbedingt erforderlich, dass der Christ, wie Paulus in 1. Timotheus 4, 16 schreibt, “auf sich selbst acht“ hat. D.h., dass die Priorität des Gläubigen auf der täglichen Gemeinschaft mit Gott liegen muss. Das Licht des Evangeliums, zu dessen Verbreitung der Christ berufen ist, kann nur so lange brennen, wie es durch das Öl des Heiligen Geistes gespeist wird. Gebet, d.h. Gemeinschaft mir Gott, muss darum  immer vor dem Dienst kommen (vgl. auch Apostelgeschichte 4, 29; Apostelgeschichte 6, 4).
Kommentatoren gehen davon aus, dass der 2. Timotheusbrief im Herbst des Jahres 67 n. Chr. geschrieben wurde. Zwei Gründe werden für diese zeitliche Einordnung angeführt: Zum einen spricht die traditionelle Überlieferung dafür, dass Paulus kurze Zeit vor dem Selbstmord des Nero im Juni des Jahres 68 n. Chr. hingerichtet wurde¹. Zum anderen wissen wir, dass Paulus seinen Brief vor dem Winter schrieb und auch die Ankunft des Timotheus vor dem Winter erwartete (vgl. 2. Timotheus 4, 21). Der Apostel befindet sich zu diesem Zeitpunkt wieder im Rom in Gefangenschaft (2. Timotheus 2, 9), wo er kurze Zeit später den Märtyrertod erleiden sollte (vgl. 2. Timotheus 4, 6). Dieser Brief des Apostels Paulus ist somit  der letzte Brief, den er geschrieben hat. Aus diesem Grund wurde er auch als das “Testament des Paulus“ bezeichnet.

Der 2. Timotheusbrief enthält nur vier Kapitel, die wir in fünf große Blöcke unterteilen  können:

Block I: Der erste kleine Block, enthält – wie im 1. Timotheusbrief – die Grüße und Segenswünsche des Apostels Paulus (2. Timotheus 1, 1 – 2).

Block II umfasst  2. Timotheus 1, 3 – 18, worin der Apostel seinen Dank für treue Mitarbeiter zum Ausdruck bringt. Er kann in drei Abschnitte aufgeteilt werden: a) Die Treue des Timotheus in der Vergangenheit (2. Timotheus 1, 3 – 7). b) Die Aufforderung des Apostels, auch weiterhin treu zu bleiben (2. Timotheus 1, 8 – 14), indem Timotheus  das Evangelium trotz Widerstands mutig verkündigt (2. Timotheus 1, 8 – 12) und indem er die Lehre des das Evangelium (2. Timotheus 1, 13 – 14) treu und unverfälscht bewahrt. c) Der Apostel beschließt diesen Block, indem er Timotheus Beispiele von Treue und Untreue vor Augen stellt (2. Timotheus 1, 15 – 18).

Im dritten Block dieses Briefes (2. Timotheus 2, 1 – 26) geht es Paulus darum, sein “Kind im Glauben“ zum Ausharren zu bewegen. Zwei größere Abschnitte können wir unterscheiden: a) Zuerst wird Timotheus ermutigt, die Härten des Lebens als Christ zu ertragen (2. Timotheus 2, 1 – 13). Paulus erinnert seinen Mitarbeiter dabei zuerst an dessen Auftrag/Berufung (2. Timotheus 2, 1 – 7) und zeigt dann am Beispiel des  Herrn Jesus Christus und an seinem eigenen Beispiel, wie man als Christ solche Härten erdulden kann (2. Timotheus 2, 8 – 10). Dieser Abschnitt schließt mit einer Verheißung für alle, die dem Herrn Jesus Christus treu bleiben (2. Timotheus 2, 11 – 13).

Block 4, dem wir den Text von 2. Timotheus 3, 1 – 2. Timotheus 4, 8 zuordnen,  enthält ebenfalls drei Abschnitte: a) In 2. Timotheus 3, 1 – 13 zeigt Paulus die charakteristischen Merkmale der letzten Zeit auf. Dabei betont er in 2. Timotheus 3, 1 – 7 die Bedeutung der Treue Gläubigen und zeigt in 2. Timotheus 3, 8 – 13 an negativen und positiven  Beispielen auf, wie der Christ in dieser Zeit leben soll. b) Auch in 2. Timotheus 3, 14 – 2. Timotheus 4, 5 befasst sich der Apostel mir dem Leben des Gläubigen in den letzten Tagen. Hier geht es zum einen um das Festhalten an der göttlichen Wahrheit im Sinne der Lehre (2. Timotheus 3, 14 – 17), dann aber auch um die Verkündigung der der Wahrheit des Evangeliums (2. Timotheus 4, 1 – 5) ungeachtet aller Widerstände, die dieser Verkündigung entgegen steht. c) In 2. Timotheus 4, 6 – 8 beschreibt Paulus seine gegenwärtige Situation und was ihm in Rom bevorsteht.

Block 5, der von 2. Timotheus 4, 9 – 22 reicht, kann in vier kurze Abschnitte aufgeteilt werden: a) In 2. Timotheus 4, 9 – 15 gibt Paulus Hinweise zu verschiedenen Mitarbeitern und zu einem Mann, der dem Evangelium widersteht. b) Dann beschreibt der Apostel in 2. Timotheus 4, 16 – 18 seine erste Anhörung vor dem Gericht. c) 2. Timotheus 4, 19 – 21 enthält weitere Anweisungen und Grüße. d) der Brief schließt mit einem Segenwunsch für Timotheus und einem Segenswunsch die anderen Gläubigen.

Fußnoten:

¹= vgl. dazu Eusebius von Caesarea: “Kirchengeschichte”, herausgegeben und eingeleitet von Heinrich Kraft, Kösel-Verlag München, 3., unveränderte Auflage 1989, Seite 146 – 147  (Buch II, 25, 5 ff.), vgl. Seite 151 (Buch III, 1, 3).

Dieser Beitrag wurde unter Glimpses/Impulse, Hintergrund abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hier ist Platz für Ihre Meinung

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s