Hintergrund 16: Der 1. Timotheusbrief

Translation here.
Text als pdf downloaden.

Missionsreisendespaulus

Missionsreisen des Paulus: I, Janz [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/) or CC-BY-2.5 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.5)%5D, via Wikimedia Commons


Leben und Dienst des Timotheus

Der Titusbrief und die beiden Timotheusbriefe werden als “Pastoralbriefe“ (“Hirtenbriefe“) bezeichnet, obwohl von keinem dieser Mitarbeiter des Apostels Paulus bekannt ist, dass er einen Hirtendienst versehen hat. Der Grund für diese Bezeichnung liegt wohl darin, dass beide – die Briefe an Timotheus und der Brief an Titus – zahlreiche Aussagen zur inneren Ordnung der Versammlung (= Gemeinde) und ihrem Dienst in der Welt enthalten.

Von Timotheus, dessen Name an 24 Stellen des Neuen Testaments erwähnt wird, wissen wir, dass er schon als junger Mann einer der engsten Mitarbeiter des Apostels Paulus wurde und diesen über viele Jahre in seinem Dienst unterstützte. Über den familiären Hintergrund von Timotheus gibt uns das Neue Testament einige Hinweise. So erfahren wir aus Apostelgeschichte 16, 1, dass Timotheus “der Sohn einer gläubigen jüdischen Frau und eines griechischen Vaters“ war. Diese jüdische Frau war ganz offensichtlich zum Glauben an den Herrn Jesus Christus als den Messias Israels gekommen, denn in 2. Timotheus 1, 5 erwähnt Paulus die gläubige Mutter und die gläubige Großmutter des Timotheus mit Namen: Eunike und Lois. Beiden Frauen stellt der Apostel das Zeugnis aus, dass ihr Glaube “ungeheuchelt“ (also echt) war. Da verwundert es auch nicht, wenn wir in 2. Timotheus 3, 15 lesen, dass Timotheus seit frühester Kindheit in den heiligen Schriften unterwiesen worden war. Das, was diese beiden Frauen als heils- und lebensentscheidend für sich selbst erkannt hatten, gaben sie treu an das ihnen von Gott anvertraute Kind weiter. Die deutsche Bedeutung des griechischen Namens “Timotheus“ ist “Ehre Gottes“. Dieser Name drückt offenkundig den Wunsch aus, den Eunike für ihren Sohn hegte: er sollte ein Mensch werden, dessen Leben zur Ehre Gottes diente. Der Glaube des Timotheus war aber nicht das “Ergebnis einer christlichen Erziehung“. Wäre der Glaube dieses jungen Mannes nur etwas gewesen, was er von den gläubigen Mitgliedern seiner Familie übernommen hätte, dann hätte ihm der Apostel sicherlich nicht ebenso das Zeugnis eines “ungeheuchelten“ Glaubens ausgestellt, wie er es in 2. Timotheus 3, 15 tut. Wie jeder andere Mensch, der zu Gott kommen will, musste auch Timotheus selbst eine Entscheidung für die Nachfolge des Herrn treffen, Buße tun und sich bekehren (Lukas 24, 47; Apostelgeschichte 2, 38). Später bezeichnet Paulus ihn als “unseren Bruder und Diener Gottes am Evangelium Christi“ (2. Korinther 1, 19; 1. Thessalonicher 3, 2). Aus 1. Timotheus 1, 2 können wir schließen, dass der Apostel Paulus das Werkzeug war, durch dass der Herr Jesus Christus diesen jungen Mann in Seine Nachfolge rief. Viele Ausleger gehen davon aus, dass dies zur Zeit der ersten Missionsreise (um ca  46 n. Chr. – 49 n. Chr.) des Apostels Paulus geschah, als dieser zweimal die Gläubigen im Gebiet von Lystra und Derbe besuchte (vgl. Apostelgeschichte 14, 1 + 8 + 21). Bei seiner zweiten Missionsreise (ca. 51 n. Chr.  – 54 n. Chr.) wurde Paulus dann erneut auf diesen jungen Mann aufmerksam und zwar weil Timotheus bei den Gläubigen aus diesen beiden Städten “ein gutes Zeugnis besaß“ (Apostelgeschichte 16, 2). Augenscheinlich war das Wort Gottes in seinem Herzen auf “guten Boden“ (vgl. Markus 4, 3 – 20) gefallen und brachte reiche Frucht. Zu einem Zeitpunkt, über den wir nichts aus dem Neuen Testament erfahren, hatte der Herr Jesus Christus Timotheus zum Dienst eines Evangelisten berufen (vgl. 2. Timotheus 4, 5) und diese Berufung wurde sowohl von den Ältesten in Lystra und Derbe, als auch von dem Apostel Paulus anerkannt (vgl. 1. Timotheus 1, 18; 1. Timotheus 4, 14; 2. Timotheus 1, 6). Es kann sein, dass dies während des zweiten Aufenthalts des Paulus dort geschah. Einen konkreten Hinweis gibt es dazu nicht. Sicher ist aber, dass Timotheus den Apostel Paulus ab dessen zweiter Missionsreise begleitete. Ihr gemeinsamer Dienst führte sie von Lystra und Derbe über Troas, Philippi, Beröa, Thessalonich und Athen nach Korinth. Auf der dritten Missionsreise (ca. 54 n. Chr. – 58 n. Chr.) besuchten sie die Gläubigen in Ephesus. Von dort aus sandte der Apostel seinen Mitarbeiter nach Mazedonien (Apostelgeschichte 19, 22), wo er später auch mit Timotheus wieder zusammentraf  (2. Korinther 1, 1 + 19). Von Mazedonien aus  reisten sie gemeinsam nach Korinth (Römer 16, 21). Auf der Rückreise nach Ephesus begleitet Timotheus den Apostel durch Mazedonien bis nach Troas (Apostelgeschichte 20, 3 – 6). Später finden wir ihn in Rom, wo er den Apostel Paulus während dessen erster Gefangenschaft besuchte (Kolosser. 1, 1; Philemon 1; Philipper 1, 1). Von dort aus reiste er dann wahrscheinlich nach Philippi (Philipper 2, 19 – 23). Aus Hebräer 13, 23 wissen wir, dass Timotheus später selbst wegen seines Glaubens an Jesus Christus einige Zeit im Gefängnis verbringen musste, dann aber wieder freigelassen wurde. Über sein weiteres Leben und seinen Tod berichtet das Neue Testament nichts. Besonders auffällig ist, wie sehr Paulus diesen Mitarbeiter für seine Treue  und seinen Dienst lobt (1. Korinther 16, 10; Philipper 2, 19; 2. Timotheus 1, 8; 2. Timotheus 2, 22; 2. Timotheus 3, 10).

Der 1. Timotheusbrief – Hintergrund, Inhalt und Aufteilung

Der 1. Timotheusbrief wird in die Zeit zwischen der Freilassung des Apostels Paulus aus seiner ersten römischen Gefangenschaft (um ca. 61 n. Chr.) und der Zeit kurz vor seiner zweiten Haftzeit in Rom datiert. Verschiedene Kommentatoren gehen davon aus, dass Paulus zwischen seiner Freilassung und der Abfassung des 1. Timotheusbriefes nach Kleinasien zurückkehrte, zusammen mit Titus auf Kreta evangelisierte und anschließend in Nikopolis einen Winter verbrachte (vgl. Titus 3, 12). Aus diesen Gründen wird die Abfassungszeit dieses Briefes nicht früher als auf das Jahr 63 n. Chr. datiert. Für die Abfassung des 1. Timotheusbriefes zwischen den zwei römischen Gefangenschaften des Apostels Paulus spricht, dass er in diesem Brief weder direkt noch andeutungsweise von seiner Gefangenschaft schreibt.
Wie beschrieben, kehrte Paulus nach seiner Freilassung nach Kleinasien zurück und hielt sich auch einige Zeit in Ephesus auf.  Zu dieser Zeit plante er bereits weitere Reisen in andere römische Provinzen, um auch dort seinen missionarischen Dienst auszuüben und um weitere Versammlungen (= Gemeinden) zu gründen (vgl. Römer 15, 24 + 28). Als der Apostel dann Ephesus verließ, blieb Timotheus in der Stadt zurück, um dort die von Paulus begonnene Arbeit fortzusetzen (1. Timotheus 1, 3). So nahm Timotheus eine besondere Stellung in Ephesus ein. Er gehörte nicht zum Kreis der Ältesten, denn diese werden von Paulus im 1. Timotheusbrief gesondert angesprochen. Offensichtlich schrieb Timotheus einige Zeit später an den Apostel und fragte nach, ob er nun Ephesus verlassen könnte. Paulus antwortete darauf mit dem Brief, der uns heute als 1. Timotheusbrief bekannt ist. Darin wies er seinen Mitarbeiter an, in Ephesus zu bleiben und den ihm aufgetragenen Dienst auch weiterhin zu versehen, bis er – Paulus –  erneut nach Ephesus kommen würde  (1. Timotheus 3, 14; 1. Timotheus 4, 13).
Während im Brief an Titus der Schwerpunkt auf dem rechten christlichen Leben und Verhalten liegt, betont Paulus in den beiden Briefen an Timotheus mehr die Bedeutung der rechten christlichen Lehre. Die Gründe dafür sind verständlich, wenn wir die Zeit betrachten, in welcher der Apostel Paulus diesen Brief schrieb. Es war eine Zeit, in der die vielen neu entstandenen Versammlungen (= Gemeinden) aufblühten und wuchsen. (Welche Auswirkungen der Dienst des Apostels Paulus hatte, wird aus der Anklage deutlich, die der Hohepriester Annanias und die jüdischen Ältesten über ihn vor den römischen Autoritäten in Apostelgeschichte 24, 5 vorbeingen.) Im Zusammenhang mit diesem Wachstum kamen auch Fragen bzgl. der rechten Lehre und der Grundlagen des Zusammenkommens der Gläubigen auf. Diese Fragen beantwortet der Apostel in seinem Brief. Er hinterlässt seinem Mitarbeiter darin aber auch klare Anweisungen bzgl. der Auswahlkriterien für Mitarbeiter und für den Umgang mit Irrlehrern, die die Gläubigen zu verführen suchten. Welche Bedrohung diese Irrlehrer darstellten, wird deutlich, wenn man die Worte, die der Apostel am Ende seiner dritten Missionsreise an die Ältesten von Ephesus richtet (Apostelgeschichte 20, 29 – 30), studiert. In seiner Abschiedsrede warnte der Apostel die Ältesten vor zwei Gruppen von Menschen: Zum einen kündigte er das Auftreten von Menschen an, die wie “reißende Wölfe“ in die Versammlung (= Gemeinde) eindringen und die “Herde nicht schonen“ würden. Außerdem warnte er vor  Männern, die aus ihrer “eigenen Mitte aufstehen und verkehrte Dinge reden würden, um so die Jünger (des Herrn Jesus) abzuziehen hinter sich her“. Beide Gruppen von Irrlehrern, jene, die von außen und jene, die von innen die Gläubigen zu verführen suchten, hatten also nicht das Wohl der “Schafe Christi“, sondern nur ihren eigenen Profit im Blick. Wie wir aus 1. Timotheus 1, 6; 1. Timotheus 6, 21 und 2. Timotheus 2, 18 erkennen  können, waren die von Paulus angekündigten Gefahren schon evident. Hymenaeus, Philetus und Alexander waren ein anschauliches Beispiel für jene “Wölfe, die die Herde Christi nicht schonten“ (1. Timotheus 1, 20; 2. Timotheus 2, 17). Auch andere Irrlehrer bzw. falsche Lehren werden von Paulus in diesem Brief angesprochen (vgl. 1. Timotheus 1, 3 – 11; 1. Timotheus 4, 1 – 5; 1. Timotheus 6, 3 – 10).

Der 1. Timotheusbrief enthält sechs Kapitel und lässt sich grob wie folgt gliedern:

Block I: Der erste, kleine Block, den man auch als Einleitung in den Brief bezeichnen kann, enthält die Grüße und Segenswünsche des Apostels Paulus (1. Timotheus 1, 1 – 2).

Block II  (1. Timotheus 1, 3 – 20), der unter der Überschrift “Dienst in Ephesus“ zusammengefasst werden kann, gliedert sich in zwei Abschnitte: 1) In 1. Timotheus 1, 3 – 11 werden die Aufgaben des Timotheus beschrieben, denen er sich gegenüber sah. 2) In 1. Timotheus 1, 12 – 20 ermahnt der Apostel Paulus seinen jungen Mitarbeiter zur Treue. Diese Ermahnungen bestehen aus einer positiven Seite (1. Timotheus 1, 12 – 17) und  einer negativen Warnung (1. Timotheus 1, 18 – 20)

Im dritten Block dieses Briefes (1. Timotheus 2, 11. Timotheus 4, 5) gibt der Apostel Paulus Anweisungen für das Leben als Versammlung (= Gemeinde). Diesen Block kann man in fünf Abschnitte unterteilen: 1) Die Priorität des Gebets für die Erlösung von Menschen (1. Timotheus 2, 1 – 7). 2) Das Verhalten in den Zusammenkünften der Gläubigen (1. Timotheus 2, 8 – 15). Abschnitt 3) befasst sich dann mit den Qualifikationen von Leitern (1. Timotheus 3, 1 – 13). Dabei beschreibt 1. Timotheus 3, 1 – 7 die Voraussetzungen für den Dienst eines Ältesten und 1. Timotheus 3, 8 – 13 die Voraussetzungen für den Dienst eines Diakons. Im vierten Abschnitt dieses Blocks (1. Timotheus 3, 14 – 16) belehrt der Apostel Paulus seinen Mitarbeiter noch einmal über die Natur der örtlichen Versammlung (= Gemeinde) und im fünften Abschnitt behandelt er das Auftreten der Irrlehrer und der durch sie verursachten Probleme (1. Timotheus 4, 1 – 5).

Block 4 (1. Timotheus 4, 61. Timotheus 5, 25) enthält Belehrungen über die Anforderungen an die örtlichen Leiter. Wir können diesen Block in drei Abschnitte unterteilen: 1) Das persönliche Leben des Leiters und sein öffentlicher Dienst (1. Timotheus 4, 6 – 16). 2) Grundlegende christliche Prinzipien für zwischenmenschliche Beziehungen (1. Timotheus 5, 1 – 2). Der dritte, letzte  Abschnitt befasst sich mit der Frage, wie die Gläubigen mit Witwen und Ältesten umgehen sollen: a) Versorgung der Witwen (1. Timotheus 5, 3 – 16), b) Verhalten und Auswahl der Ältesten (1. Timotheus 5, 17 – 25).

In Block 5 (1 – Timotheus 6, 1 – 21) finden wir Unterweisungen für den Umgang mit verschiedene Gruppen: a) Sklaven (1. Timotheus 6, 1 – 2), b) Irrlehrer (1. Timotheus 6, 3 – 10), c) hingegebene Gläubige (1. Timotheus 6, 11 – 16) und d) Reiche (1. Timotheus 6, 17 – 19).

Den Abschluss bildet ein kurzer sechster Block (1. Timotheus 6, 20 – 21), in dem wir letzte Anweisungen des Apostels an seinen Mitarbeiter und Segenswünsche finden.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Glimpses/Impulse, Hintergrund abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hier ist Platz für Ihre Meinung

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s