Notizen zur Offenbarung (27)


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Siehe Vorbemerkung in Teil 1: Klick!
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Arbeitsblatt zu den Sendschreiben downloaden.


Ephesos: Blick vom Theater auf die Hafenstraße Foto: Hans Weingartz/Wikipedia

Ephesos: Blick vom Theater auf die Hafenstraße Foto: Hans Weingartz/Wikipedia

Im vorausgegangenen Artikel dieser Serie begannen wir mit der Betrachtung der Sendschreiben an die sieben Versammlungen (= Gemeinden) in Kleinasien, wie wir sie in  Offenbarung 2, 1 bis Offenbarung 3, 22 finden. [Dazu habe ich ein einfaches Arbeitsblatt erstellt, das am oberen rechten Rand dieses Artikels als Excel-Datei heruntergeladen werden kann¹.]

Das Sendschreiben an Ephesus

“Dem Engel der Versammlung in Ephesus schreibe: Dieses sagt, der die sieben Sterne in seiner Rechten hält, der da wandelt inmitten der sieben goldenen Leuchter: Ich kenne deine Werke und deine Arbeit und dein Ausharren, und daß du Böse nicht ertragen kannst; und du hast die geprüft, welche sich Apostel nennen, und sind es nicht, und hast sie als Lügner erfunden; und du hast Ausharren und hast getragen um meines Namens willen, und bist nicht müde geworden. Aber ich habe wider dich, daß du deine erste Liebe verlassen hast.  Gedenke nun, wovon du gefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke; wenn aber nicht, so komme ich dir und werde deinen Leuchter aus seiner Stelle wegrücken, wenn du nicht Buße tust.  Aber dieses hast du, daß du die Werke der Nikolaiten hassest, die auch ich hasse. Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Versammlungen sagt! Dem, der überwindet, dem werde ich zu essen geben von dem Baume des Lebens, welcher in dem Paradiese Gottes ist.“

(Offenbarung 2, 1 – 7)

 


Ephesus – der seelsorgerisch korrektive und auferbauende Aspekt (I)

Ich hatte bereits angekündigt, dass wir die Sendschreiben jeweils unter dem historischen, dem seelsorgerisch korrektiven und auferbauenden und dem prophetischen Aspekt untersuchen werden. Die letzte Betrachtung war dem historischen Hintergrund gewidmet, auf dem die Versammlung (= Gemeinde/Kirche) in Ephesus entstand und sich vom 1. bis 4. Jahrhundert entwickelte bzw. bis zum 11. Jahrhundert fortbestand. Heute beginnen wir mit der Betrachtung der seelsorgerisch korrektiven und auferbauenden Aspekte dieses Sendschreibens.

Einteilung und Betrachtung (I)

Um diese Aspekte besser zu erfassen, teilen wir jedes Sendschreiben in folgende fünf Abschnitte ein:

1) Vorstellung/Einleitung

2) Lob

3) Ermahnung/Zurechtweisung

4) Ermutigung und

5) Verheißung.

Im Folgenden betrachten wir die Abschnitte 1) und 2):

1) Vorstellung des Herrn Jesus Christus / Einleitung

* “Dem Engel der Versammlung in Ephesus schreibe (…)“ – Wie wir bereits gesehen haben, war der erste Empfänger eines jeden Sendschreibens ein Repräsentant/Botschafter der jeweiligen Versammlung (= Gemeinde), die von dem Herrn Jesus Christus angesprochen wurde (Klick!). Nachdem Empfang des Schreibens wurde dieses vor allen Gläubigen verlesen.

* “Dieses sagt, der die sieben Sterne in seiner Rechten hält, der da wandelt inmitten der sieben goldenen Leuchter“ – Hier wird uns der Herr Jesus Christus in Seiner ganzen Macht vor Augen gestellt: Er weiß genau um die Situation in jeder einzelnen Versammlung (= Gemeinde), denn Er wandelt als der Auferstandene unter ihnen, d.h. in ihrer Mitte (Matthäus 18, 20). Sind wir uns  dieser – Seiner – Gegenwart immer bewusst? – Mit diesen Worten erinnert Er diejenigen, die Verantwortung tragen (1. Thessalonicher 5, 12), daran, dass sie in Seiner Hand sind (vgl. Klick!), womit zum Ausdruck gebracht wird, dass sie Seiner Autorität unterstehen, gleichzeitig aber auch von Ihm geschützt und bewahrt werden (vgl. auch Offenbarung 1, 13 + 16). 

2) Lob

* “Ich kenne  (…)“ – Zwei Arten des Wissens: Das hier im Text gebrauchte griechische Wort für “kennen“ (“οἶδα“ / „oida“) bezeichnet ein umfassendes, genaues “Kennen“. Dieses “Kennen“ geht über eine rein intellektuelle Kenntnis hinaus. Denn es umfasst auch eine (innere) “Einsicht“ in Zusammenhänge und Sachverhalte.  Darin unterscheidet sich “οἶδα“ von “γινωσκω“ (“ginosko“), das eine wachsende, fortschreitende Kenntnis bezeichnet, die man sich aneignet/aneignen kann bzw. die einem Schritt für Schritt vermittelt wird. Kenntnis bzw. Wissen im Sinn von “γινωσκω“ (“ginosko“) ist das Wissen, das sich jeder Mensch seit frühester Kindheit aneignet. Wir werden unterwiesen (von unseren Eltern, in der Schule) und lernen fortwährend, erweitern fortwährend unseren Wissenstand. Der Herr Jesus Christus ist Gott (vgl. Klick!) und muss sich daher kein(e) Kenntnis/Wissen fortschreitend aneignen. Er ist allwissend (vgl. z. B. Psalm 147,  4 – 5; Sprüche 15, 13; Psalm 139, 1 – 4 + 16; 1. Samuel 16, 7; Psalm 44, 21 – 22; Psalm 94, 9 + 11; Sprüche 5, 21; Sprüche 15, 11; Daniel 2, 22 + 28; Matthäus 10, 29Lukas 12, 7; Hebräer 4, 13). D.h., alles Wissen/jede Kenntnis ist Ihm eigen (Apostelgeschichte 15, 18). In diesem Sinn wird das Wort „kennen“ auch immer in der Offenbarung benutzt (vgl. Offenbarung 2, 9; Offenbarung 2, 13; Offenbarung 2, 19; Offenbarung 3, 1; Offenbarung 3, 8; Offenbarung 3, 15).  

* “Ich kenne  deine Werke und deine Arbeit und dein Ausharren und daß du Böse nicht ertragen kannst; und du hast die geprüft, welche sich Apostel nennen, und sind es nicht, und hast sie als Lügner erfunden; und du hast Ausharren und hast getragen um meines Namens willen, und bist nicht müde geworden (…)“ – Die Kenntnis, die unser Herr über uns als Versammlung (= Gemeinde) und auch über einen jeden einzelnen von uns hat, ist umfassend und genau. Er weiß alles über jeden:

“(…) und kein Geschöpf ist vor ihm unsichtbar, sondern alles bloß und aufgedeckt vor den Augen dessen, mit dem wir es zu tun haben (…)“

(Hebräer 4, 13)

Dieser Hinweis kann jene seelsorgerisch auferbauen und trösten, die meinen, ihr Anliegen und ihre Sorgen seien “zu klein“ für den allmächtigen Gott. Aber diese Tatsache hat auch eine seelsorgerisch korrektive Seite und zwar für jene Menschen, die meinen, sie könnten etwas vor dem allwissenden Gott verbergen.
Auch über die Versammlung (= Gemeinde) in Ephesus und ihre Glieder wusste der Herr alles. Rund 40 Jahre hatten Ihm die Gläubigen in Ephesus treu gedient und diese Treue lobt der Herr auch gleich zu Beginn Seines Sendschreibens. Treue ebenfalls ein Teil des Wesens Gottes (2. Timotheus 2, 13) und sie  hat bei Gott einen sehr hohen Stellenwert. So wird von Dienern des Herrn “nur“ verlangt, dass sie treu sind (1. Korinther 4, 2).  Nicht der Erfolg, den jemand in seinem Dienst für Gott hat,  ist also für Gott ausschlaggebend, sondern die Treue, mit der jemand seinen Dienst versieht.
Aus den Worten Jesu in diesem Sendschreiben wird deutlich, dass diese Gläubigen trotz großer innergemeindlicher Anfechtung (durch Irrlehrer; “falsche Apostel“) und schwerer äußere Umstände (Verfolgung durch die römischen Autoritäten im Besonderen und die heidnische Umwelt im Allgemeinen) im Glauben an Ihn ausgeharrt und Ihm die Treue gehalten hatten. Diese Treue hat Gott erfreut Matthäus 25, 21 ff. und darum bzw. dafür lobt Er die Gläubigen in Ephesus. Auch wir können – wie die Gläubigen in Ephesus – durch Gottes Gnade und Kraft (2. Korinther 12, 9) Ihm die Treue bewahren, in schwierigen Situationen ausharren (Kolosser 1, 11) ohne zu ermüden (Hebräer 12, 3) und auf diese Weise Gottes Herz erfreuen.
Bei den erwähnten falschen Lehrern handelte es sich offensichtlich um Männer, die von Ort zu Ort reisten und sich als “Apostel“ ausgaben, jedoch nicht zum Kreis der anerkannten Apostel des Herrn gehörten, die Augenzeugen des Auferstandenen gewesen sein mussten (Apostelgeschichte 1, 15 – 26). Vor solchen falschen Aposteln hatte bereits Paulus die  Versammlungen (= Gemeinden) warnen müssen (vgl. 2. Korinther 11, 13).
Obschon die Gläubigen in Ephesus also durch schwierige Zeiten gegangen waren und noch gingen, hatten sie den Dienst für Gott nicht aufgegeben. Sie waren nicht nachlässig geworden. Ihre Werke und ihre Arbeit für den Herrn waren offenbar. Selbst unter innerer und äußerer Bedrängnis hatten sie keine Mühe gescheut und waren nicht müde geworden. Aufgeben war für sie ganz offensichtlich nie eine Alternative. Dafür spricht ihnen der Herr Jesus Christus Sein Lob aus.
Auch uns dürfen darum die Gläubigen in Ephesus in diesen Dingen ein Vorbild sein. Und wir dürfen wissen: Der Gott, der sie befähigte, diese Dinge zu tun, will auch uns zu unserem Dienst – besonders in schweren Zeiten – Seine Gnade und Kraft schenken. Auch wir werden in Zeiten innerer und äußerer Anfechtung Seine Kraft und Gnade erleben und so können auch wir treu bleiben.

Fußnoten:

¹= Liest man den jeweilige Textabschnitt und füllt dabei die Spalten dieses Arbeitsblattes aus, so kann man sich zum einen recht schnell einen groben Überblick über den Inhalt bzw. die wichtigsten Aussagen des jeweiligen Sendschreibens verschaffen, zum anderen kann man so den gesamten Text der Sendschreiben übersichtlicher strukturieren.

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