Apologetik der Angst

Translation here.

„Apologetik der Angst“
oder:
„Unkrautvernichter ohne Auftrag“

„Kreuzritter“
Foto:
prepsprog/pixelio

Apologetik kann kurz gefasst als „Verteidigung des Glaubens“ definiert werden. Neben den drei hauptsächlichen Aufgaben/Anliegen der Apologetik, die z. B. die Wikipedia beschreibt, nämlich:

* durch logische Argumente und wissenschaftliche und historische Beweise für die Wahrheit des Glaubens eintreten,<

* den Glauben gegen Angriffe von Kritikern verschiedenster anderer Weltanschauungen und Glaubensrichtungen verteidigen,

* entgegengesetzte Glaubensrichtungen oder Weltanschauungen zurückweisen,

gibt es m. E. noch eine weitere Art der Apologetik, die ich als „innerchristliche Apologetik“ bezeichnen würde. Darunter verstehe ich die Auseinandersetzung(en) innerhalb der christlichen Gemeinschaft mit Lehren, die in einem „christlichen Gewand“ daher kommen, die die Heilige Schrift jedoch als falschen Lehren bzw. Irrlehre bezeichnet.

Die Auseinandersetzung mit solchen pseudochristlichen bzw. pseudobiblischen Lehren und/oder Bewegungen innerhalb der christlichen Gemeinschaft ist unzweifelhaft wichtig und durch die Heilige Schrift geboten.

„Blühten?“
Foto: Melanie Vollmert/pixelio

So finden wir z. B. in den paulinischen Briefen zahlreiche Ermahnungen, dass die Versammlung (Gemeinde/Kirche), wenn lehrmäßig oder moralisch Böses in ihr auftritt, Konsequenzen  im Sinn von biblischer Zucht¹ ziehen soll (vgl.  z. B. 1. Korinther 5, 11; 2. Johannes 9 – 11). Schon zu Lebzeiten des Apostels gab es „falsche Brüder“ (vgl. Galater 2, 4) und Judas 1, 4 warnt uns davor, dass – unter christlichem „Deckmantel“ – Menschen in die Versammlung (Gemeinde/Kirche) eindringen würden, die – ebenfalls unter „christlichem Deckmantel“ – unbiblische Lehren und Praktiken einführen wollen.  Im ersten und zweiten Timotheusbrief weist der Apostel Paulus darauf hin, dass diese falschen Lehren und/oder Bewegungen  besonders am Ende der Tage, in der „Endzeit“, massiv auftreten würden:

„Der Geist aber sagt deutlich, daß in späteren Zeiten etliche vom Glauben abfallen und verführerischen Geistern und Lehren der Dämonen anhangen werden, durch die Heuchelei von Lügenrednern, die in ihrem eigenen Gewissen gebrandmarkt sind, die verbieten, zu heiraten und Speisen zu genießen, welche doch Gott geschaffen hat, damit sie von den Gläubigen und denen, welche die Wahrheit erkennen, mit Danksagung gebraucht werden. Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, wenn es mit Danksagung genossen wird; denn es wird geheiligt durch Gottes Wort und Gebet. Wenn du den Brüdern solches vorhältst, wirst du ein guter Diener Jesu Christi sein, genährt mit den Worten des Glaubens und der guten Lehre, welcher du nachgefolgt bist. Der unheiligen Altweiberfabeln aber entschlage dich; dagegen übe dich in der Gottseligkeit! Denn die leibliche Übung ist zu wenigem nütze, die Gottseligkeit aber ist zu allen Dingen nütze, da sie die Verheißung dieses und des zukünftigen Lebens hat. Glaubwürdig ist das Wort und aller Annahme wert; denn dafür arbeiten wir auch und werden geschmäht, daß wir unsre Hoffnung auf den lebendigen Gott gesetzt haben, welcher aller Menschen Retter ist, allermeist der Gläubigen.
Solches gebiete und lehre!“

(1. Timotheus 4, 1 – 11)

„Habe acht auf dich selbst und auf die Lehre; bleibe dabei! Denn wenn du solches tust, wirst du sowohl dich selbst retten als auch die, welche dich hören.“

(1. Timotheus 4, 16)

*

„Firewall“
Foto: Gerd Altmann/pixelio

„Das sollst du aber wissen, dass in den letzten Tagen schlimme Zeiten kommen werden. Denn die Menschen werden viel von sich halten, geldgierig sein, prahlerisch, hochmütig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, gottlos, lieblos, unversöhnlich, verleumderisch, zuchtlos, wild, dem Guten Feind,  Verräter, unbedacht, aufgeblasen. Sie lieben die Wollust mehr als Gott;  sie haben den Schein der Frömmigkeit, aber deren Kraft verleugnen sie; solche Menschen meide!

Zu ihnen gehören auch die, die sich in die Häuser einschleichen und gewisse Frauen einfangen, die mit Sünden beladen sind und von mancherlei Begierden getrieben werden,  die immer auf neue Lehren aus sind und nie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen können. Wie Jannes und Jambres dem Mose widerstanden, so widerstehen auch diese der Wahrheit: Es sind Menschen mit zerrütteten Sinnen, untüchtig zum Glauben.  Aber sie werden damit nicht weit kommen; denn ihre Torheit wird jedermann offenbar werden, wie es auch bei jenen geschah.

Du aber bist mir gefolgt in der Lehre, im Leben, im Streben, im Glauben, in der Langmut, in der Liebe, in der Geduld, in den Verfolgungen, in den Leiden, die mir widerfahren sind in Antiochia, in Ikonion, in Lystra. Welche Verfolgungen ertrug ich da! Und aus allen hat mich der Herr erlöst. Und alle, die fromm leben wollen in Christus Jesus, müssen Verfolgung leiden. Mit den bösen Menschen aber und Betrügern wird’s je länger, desto ärger: Sie verführen und werden verführt.

Du aber bleibe bei dem, was du gelernt hast und was dir anvertraut ist; du weißt ja, von wem du gelernt hast und dass du von Kind auf die Heilige Schrift kennst, die dich unterweisen kann zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus.  Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit,  dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt.“

(2. Timotheus 3, 1 – 17)

Die apostolischen Briefe warnen nicht nur deutlich vor diesen Gefahren, sondern sie gebieten auch eindeutig, dass wir uns damit auseinandersetzen und zu solchen Dingen klar Stellung nehmen müssen.

Soweit so gut: Die Heilige Schrift warnt uns, sie gebietet uns eine Reaktion auf diese Gefahren – und wir handeln entsprechend. Eigentlich ganz einfach und man könnte das Thema  damit doch „ad acta“ legen – nicht wahr? Leider ist dies nicht möglich:

In manchen Bereichen hat die „innerchristliche Apologetik“ jedoch auch eine Form angenommen, die nicht (mehr) dem biblischen Maßstab entspricht. Da wird mit Verleumdungen, Halbwahrheiten, Unterstellungen, Copyrightverletzungen, persönlichen Diffamierungen etc. etc. pp. „gearbeitet“ und viele fragen sich zu Recht, ob dies wirklich noch „christliche“ Apologetik ist. Da wird in dem Christen, der eine unbiblische Lehre vertritt, nicht mehr der Bruder gesehen, um den man im Gebet und in der Seelsorge ringen muss. Nein, dieser Bruder ist jetzt ein „Feind“, der bekämpft werden muss. Dass es dabei zu „geistlichen Kollateralschäden“ kommen kann, „muss eben in Kauf genommen werden“, denn „wo gehobelt wird, da fallen eben auch Späne“ …
Natürlich stimmt es, dass wir als Christen die „Wahrheit untereinander“ (Epheser 4, 25) reden müssen – und diese Wahrheit ist oft nicht angenehm. Mein Großmutter fasste es oft in einem kleinen Spruch zusammen: „Die Wahrheit ist ein starker Trank, wer ihn braut, hat selten Dank!“ – Wie wahr. Die Auseinandersetzung mit der Wahrheit kann (oft) sehr schmerzhaft sein, gerade dann, wenn man feststellen muss, dass man verführt wurde und Glauben, (Lebens-)Zeit und andere Ressourcen in etwas hinein investiert hat, das sich hinterher als geistlicher Betrug herausstellt. Doch „kariessüßes Gelaber“ hat noch nie jemandem geholfen, es ist allein die Wahrheit, die uns frei macht:

„… und ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen.“

(Johannes 8, 32)

Auch die Aussage von Sprüche 27, 6:


„Treugemeint sind die Schläge des Freundes, aber reichlich die Küsse des Hassers.“


stimmt.

„Panzer 2“
Foto: grubier/pixelio

Und dennoch hilft es in keiner Weise, wenn wir – um es einmal sehr drastisch bildlich auszudrücken – „mit unserer Bibel auf das Hirn des Bruders einschlagen, um sein Herz zu gewinnen“ … Das muss schief gehen – und doch passiert es dauernd. Warum? Diese Frage habe ich mir seit langer Zeit gestellt . Mittlerweile glaube ich, dass hinter dieser falsch praktizierten „innerchristlichen Apologetik“ die pure Angst steht.  Jene, die eine solche falsche „innerchristliche Apologetik“  („mit allen Mitteln“!) praktizieren, haben Angst: Angst davor, dass andere Glaubensgeschwister verführt werden könnten, Angst davor, dass Ungläubige durch falsche Lehren vom Glauben an den Herrn Jesus Christus (und damit von der Erlösung) abgehalten werden könnten, Angst davor, selbst einer Verführung anheim zu fallen, Angst davor, in ihrem biblischen Hirten- und Wächterdienst zu versagen, Angst davor …. Man könnte diese Liste noch weiter führen. M. E. ist diese Angst sehr verständlich, sehr menschlich und ich verurteile diejenigen, die unter dieser Angst/diesen Ängsten leiden, nicht. ABER ich muss ihnen (und uns allen, einschließlich mir selber) die Frage stellen: Ist es unserem biblisch-christlichen Glauben entsprechend, aus Angst zu handeln?!
Und da ist die Antwort ganz eindeutig:


„Furcht (= Angst) ist nicht in der Liebe, sondern die völlige Liebe treibt die Furcht aus, denn die Furcht macht Pein; wer sich aber fürchtet, ist nicht vollkommen geworden in der Liebe.“


(1. Johannes 4, 18)

Wer aus Angst/Furcht den Glauben „verteidigt“ und dabei auch noch zu fleischlichen Mitteln greift, vielleicht auch aus einer fleischlichen Gesinnung handelt, hat nicht verstanden, dass er/sie selbst im Unglauben lebt:


„Denn alles, was aus Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.“


(1. Johannes 5, 4)

Solche falsch verstandene und falsch praktizierte „Apologetik“  kann darum auch nicht mehr als „christliche Apologetik“ bezeichnet werden. Mann muss das „Kind“  beim richtigen Namen nennen, es ist zweifellos eine „Apologetik der Angst“. Aus den aufgezeigten Zusammenhängen wird auch deutlich, warum diese „Apologetik der Angst“ nichts erreicht (außer vielleicht im Kreis von Gleichgesinnten, besser gesagt: Gleichgeängstigten): Sie ist eine Apologetik ohne Liebe!


Gott ist Licht:


„Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen, daß Gott Licht ist und in ihm gar keine Finsternis ist.“


(1. Johannes 1, 5)

und Gott ist Liebe:



„Wer nicht liebt, kennt Gott nicht; denn Gott ist Liebe“

(1. Johannes 4, 8)


Hier wird es uns klar vor Augen gestellt: Eine Apologetik ohne Liebe ist eine Apologetik ohne Gott. Wofür sollte eine solche „Apologetik“ noch gut sein? DARUM: Beides muss unsere Apologetik bestimmen: Gottes Licht, d.h. Seine durch nichts zu relativierende Wahrheit, aber auch Gottes Liebe. Denn wo Apologetik ohne Liebe praktiziert wird, haben wir es nicht mit christlicher Apologetik, sondern mit Besserwisserei/Rechthaberei zu tun. Wo Apologetik jedoch aus und mit Liebe praktiziert wird, hat die Angst/Furcht und damit auch der Unglaube keinen Raum mehr:

„Furcht (= Angst) ist nicht in der Liebe, sondern die völlige Liebe treibt die Furcht aus, denn die Furcht macht Pein; wer sich aber fürchtet, ist nicht vollkommen geworden in der Liebe.“


(1. Johannes 4, 18)


„Denn alles, was aus Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.“

(1. Johannes 5, 4)

Eine solche Apologetik wird dem Bruder/der Schwester wirklich helfen, wird das Falsche effektiv bloßstellen und zurückweisen, wird den Verführten sicher zu Gott zurück führen, wird die Mächte der Finsternis überwinden – wird siegen, weil sie eine Apologetik des Glaubens ist.

¹= Literaturtipps zum Thema: hier (mit Leseprobe) und hier (mit Leseprobe/pdf)

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