Hintergrund 9: Das Buch der Sprüche


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Die Reichskrone by Gryffindor (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

Die Reichskrone¹ by Gryffindor (Own work)
[Public domain] via Wikimedia Commons

Zum Hintergrund: Das Buch der Sprüche

Dieses Buch ist eines der wenigen biblischen Bücher, das uns gleich zu Beginn selbst mitteilt, von wem und warum es geschrieben wurde:

“Sprüche Salomos, des Sohnes Davids, des Königs von Israel, daß man Weisheit und Zucht erlerne und verständige Reden verstehe, daß man Gedankenzucht erlange, Rechtssinn, Urteilskraft und Aufrichtigkeit; damit den Einfältigen Klugheit, den Jünglingen Erkenntnis und Besonnenheit verliehen werde. Wer weise ist, hört darauf und vermehrt seine Kenntnisse, und wer verständig ist, eignet sich Fertigkeiten an, damit er Sprichwörter und bildliche Rede verstehe, die Worte der Weisen und ihre Rätsel.“

(Sprüche 1, 1 – 6)

In unseren deutschen Bibeln findet sich dieses Buch nach den Psalmen, gefolgt vom Buch des Predigers und dem Hohenlied, also in dem Abschnitt der so genannten Weisheitsliteratur vor den prophetischen Büchern. In der hebräischen Bibel hat es seinen Platz in den so genannten „Schriften“ (hebr. “Ketubin“; ‏כְּתוּבִים), die dort den dritten und letzten Teil (nach den prophetischen Büchern) bilden¹. Obwohl König Salomo in Sprüche 1, 1 – 6 als Autor genannt wird, stammt doch nicht das ganze Buch der Sprüche von ihm. Er ist der Autor der Kapitel 1, 1 bis Kapitel 22, 16. Die Sprüche von Kapitel 22, 17 bis Kapitel 24, 34 sind „Sprüche der Weisen“, deren Namen uns unbekannt sind. Die Kapitel 25, 1 bis Kapitel 29, 27 stammen ebenfalls von König Salomo, wurden jedoch später durch (namentlich ungenannte) Männer des Königs Hiskia gesammelt (Sprüche 25, 1). Das 30. Kapitel des Buches stammt von Agur, das 31. Kapitel von König Lemuel. Von diesen beiden Weisen ist – außer ihren Namen – ebenfalls nichts bekannt. Außer dem Buch der Sprüche (vgl. 1. Könige 5, 9 – 14) stammen der 127. Psalm (vgl. Psalm 127, 1), das Buch des Predigers (vgl. Prediger 1, 1) und das Hohelied (vgl. Hohelied 1, 1) von Salomo. Aufgrund der verschiedenen Autoren kann das Buch der Sprüche zeitlich nicht als Ganzes eingeordnet werden. Von Solomon wissen wir, dass er von 971 v. Chr. bis 931 v. Chr. regierte. Die Regentschaft Hiskias wird auf die Zeit zwischen 726 v. Chr. bis 697 v. Chr. (bzw. 715 v. Chr. bis 686 v. Chr.) datiert. Teile des Buches existierten also bereits zu Salomos Lebenszeit, andere wurden unter König Hiskia ergänzt.

Die Sprüche gehören zur biblischen Weisheitsliteratur. Das hebräische Wort für Spruch (“mashal“, מָשָׁל) bedeutet “Vergleich“ bzw. auch “Gegenüberstellung“. Die Sprüche sind kurze Aussagen, die größere Zusammenhänge prägnant zusammenfassen und so eine bestimmte Wahrheit weitergeben, die für den, der sie annimmt, praktischen Rat für das Leben darstellt (vgl. Jeremia 18, 18). Auch aus anderen Ländern des Nahen Ostens sind Spruchsammlungen aus dieser Zeit bekannt. Teilweise ähneln sie dem Buch der Sprüche Salomos. Dabei fällt jedoch ein großer Unterschied auf. Während sich die außerbiblischen Spruchsammlungen auf Aussagen zu alltäglichen Geschehnissen und Belehrungen zu moralischen Fragen konzentrieren, hat das Buch der Sprüche einen weit darüber hinausgehenden, geistlichen Fokus, nämlich die göttliche Weisheit, die allein durch “die Furcht des Herrn“, also aus der Beziehung zu dem einzig wahren Gott, gewonnen werden kann (vgl. Sprüche 1, 7; 2, 1 – 6; 3, 7 – 8; 9, 10 – 11; 14, 2; 14, 26 – 27; 15, 16; 15, 33; 19, 23; 23, 17).

Wir können das Buch der Sprüche grob wie folgt einteilen: Kapitel 1, 1 – 7 stellt die Einleitung des Buches dar. Diese Verse informieren uns über den Namen, den (hauptsächlichen) Autor, den Inhalt und die Absicht des Buches. Kapitel 1, 8 bis Kapitel 9, 18 bilden einen ersten großen Block. Sie schildern die Weisheit Gottes, wobei die Kapitel 1 bis 8 sich mit ihren Unterweisungen insbesondere an junge Menschen wendet. Sie beleuchten: den Umgang mit Sündern/Ungerechten (Kapitel 1, 8 – 19), die Einladung, Weisheit anzunehmen (Kapitel 1, 20 – 33), den Wert der Weisheit (Kapitel 2), göttliche Verheißungen und menschliche Verpflichtungen (Kapitel 3, 1 – 12), die Folgen eines weisen Lebens (Kapitel 3, 13 – 35), die Liebe zur Weisheit (Kapitel 4, 1 – 9), den Weg der Weisheit im Gegensatz zum Weg der Gesetzlosigkeit (Kapitel 4, 10 – 19), die Bedeutung des Ausharrens (Kapitel 4, 20 – 27), die Bedeutung der Weisheit in Fragen der Ehe bzw. der ehelichen Treue (Kapitel 5, 1 – 23; 6, 20 – 35; 7, 1 – 27), die Frage der Bürgschaft (Kapitel 6, 1 – 5), die Bedeutung eines disziplinierten Lebens (Kapitel 6, 6 – 11), die Bedeutung des Herzens und wie man es in der rechten Stellung zu Gott bewahrt (Kapitel 6, 12 – 19). Kapitel 8 ist ganz der Beschreibung der Weisheit gewidmet, Kapitel 9 beschreibt den großen Gegensatz, in dem diese Weisheit zur menschlichen Torheit steht. Die Kapitel 10, 1 bis Kapitel 22, 16 bilden einen zweiten großen Block, in dem uns die Kennzeichen eines weisen Lebens (Kapitel 10, 1 bis Kapitel 15, 33) vor Augen geführt und wir darin unterwiesen werden, wie wir ein Gott wohlgefälliges Leben führen können (Kapitel 16, 1 bis Kapitel 22, 16). Die Sprüche der Weisen, die die Kapitel 22, 17 bis 24, 34 umfassen, können wir als einen dritten Block betrachten. Sie enthalten Warnungen (Kapitel 22, 17 bis Kapitel 23, 35) und eine weitere Gegenüberstellung von Weisheit und Torheit (Kapitel 24, 1 ff.). Block vier bilden die von den Männern Hiskias gesammelten Sprüche (Kapitel 25, 1 bis Kapitel 29, 27). Sie stellen den Gegensatz von Weisheit und Torheit heraus (Kapitel 25, 1 ff.; Kapitel 28, 1 bis Kapitel 29, 27), warnen vor dem Umgang mit törichten, faulen und bösen Menschen (Kapitel 26) und belehren über den weisen Umgang mit anderen (Kapitel 27). Den fünften und letzten Block bilden die Kapitel 30 und 31, also die Belehrungen Agurs und Lemuels. In Kapitel 30 finden wir Agurs weise Aussagen über Gott (Verse 2 – 9) und über das Leben (Verse 10 – 33). In Kapitel 31 beschreibt Lemuel den Prototypen des weisen Königs (Verse 2 – 9) und der weisen Frau (Verse 10 – 31).

Die Bedeutung der personifizierten Weisheit in Kapitel 8

Ein besonderes Thema im Buch der Sprüche ist die personifizierte Weisheit in Kapitel 8. Ausführliche Anmerkungen zu diesem Themenkomplex finden Sie im zweiten Abschnitt des Artikels „Leben und Wohlgefallen vom Herrn“ (Sprüche 8, 35).

Fußnoten:

¹= Die Reichskrone des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, zeigt auf dieser Seite Christus und zwei Engel, sowie die Inschrift „(Per) Me Reges Regnant – Durch mich regieren die Könige“ aus Sprüche 8, 15, was auf Christus, die personifizierte Weisheit Gottes bezogen wird.

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