Notizen zur Offenbarung (19)


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Offenbarung 1, 12 – 16:

“Und ich wandte mich um, die Stimme zu sehen, die mit mir redete; und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter, und inmitten der Leuchter Einen, der einem Menschensohne glich, angetan mit einem langen Gewande und um die Brust gegürtet mit einem goldenen Gürtel; sein Haupt aber und seine Haare waren weiß, wie weiße Wolle, wie Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme, und seine Füße wie schimmerndes Erz, im Ofen geglüht, und seine Stimme wie das Rauschen vieler Wasser. Und er hatte in seiner rechten Hand sieben Sterne, und aus seinem Munde ging ein scharfes, zweischneidiges Schwert, und sein Angesicht leuchtet wie die Sonne in ihrer Kraft.“

* “(…) angetan mit einem langen Gewande und um die Brust gegürtet mit einem goldenen Gürtel; sein Haupt aber und seine Haare waren weiß, wie weiße Wolle, wie Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme, und seine Füße wie schimmerndes Erz, im Ofen geglüht, und seine Stimme wie das Rauschen vieler Wasser. (…)“ In der letzten Betrachtung habe ich aufgezeigt, wie der Herr Sein Gericht innerhalb Seiner Versammlung (= Gemeinde/Kirche) ausüben wird. Jetzt möchte ich jetzt noch einmal darauf eingehen, wie Seine Person hier beschrieben wird:

–> “(…) mit einem langen Gewande und um die Brust gegürtet mit einem goldenen Gürtel (…)“: Ein solches Gewand wurde in Israel von (Hohen-)Priester, Königen oder Richtern getragen (vgl. z.B. 2. Mose 28, 4 + 39; 1. Samuel 18, 4; Jesaja 22, 21). Der Sitz des Gürtels ist das Kennzeichen dieser außergewöhnlichen Stellung und der damit verbundenen Würde. Denn der  um die Hüften getragene Gürtel deutet auf die niedrige Stellung eines Dieners hin (vgl. auch Johannes 13, 4 – 5; Matthäus 3, 4; 2. Könige 1, 8; Lukas 12, 35). Hier jedoch ist die Rede von dem „um die Brust gegürteten Gürtel“, d.h. hier  wird uns der Herr Jesus Christus ganz offensichtlich in seiner richterlichen Herrlichkeit gezeigt. Das wird auch deutlich, wenn man die Beschreibung von Engeln in ihren unterschiedlichen Funktionen betrachtet. In Daniel 10, 5, wird uns berichtet, wie ein Engel zu dem Propheten Daniel kam, um ihm eine Botschaft Gottes zu überbringen. Dieser Engel hatte also eine dienende Funktion. Sein Aussehen wird von Daniel wie folgt beschrieben:

“Und ich hob meine Augen auf und schaute und siehe, da stand ein Mann, in Leinwand gekleidet und die Lenden mit Gold von Uphas umgürtet.“

(Daniel 10, 5)

Dieser >>dienende Engel<< ist “um die Lenden gegürtet“. Im Gegensatz dazu tragen die Engel, die uns in Die Engel, die uns in Offenbarung 15, 1 – 8 gezeigt werden und die ganz offenkundig im Auftrag Gottes Gericht ausüben, ihre Gürtel um die Brust:

“Und ich sah ein anderes Zeichen im Himmel, groß und wunderbar: sieben Engel, welche die sieben letzten Plagen hatten, denn mit ihnen ist der Zorn Gottes vollendet. Und ich sah etwas wie ein gläsernes Meer, mit Feuer vermischt; und die, welche als Überwinder hervorgegangen waren über das Tier und über sein Bild und über die Zahl seines Namens, standen an dem gläsernen Meere und hatten Harfen Gottes.  Und sie singen das Lied Moses, des Knechtes Gottes, und des Lammes und sprechen: Groß und wunderbar sind deine Werke, o Herr, Gott, Allmächtiger! Gerecht und wahrhaft sind deine Wege, du König der Völker! Wer sollte dich nicht fürchten, Herr, und deinen Namen preisen? Denn du allein bist heilig. Denn alle Völker werden kommen und vor dir anbeten; denn deine gerechten Taten sind offenbar geworden. Und darnach sah ich, und siehe, der Tempel der Hütte des Zeugnisses im Himmel wurde geöffnet, und die sieben Engel, welche die sieben Plagen hatten, kamen aus dem Tempel hervor, angetan mit reiner und glänzender Leinwand und um die Brust gegürtet mit goldenen Gürteln. Und eines der vier lebendigen Wesen gab den sieben Engeln sieben goldene Schalen voll vom Zorn Gottes, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit.  Und der Tempel wurde voll Rauch von der Herrlichkeit Gottes und von seiner Kraft, und niemand konnte in den Tempel hineingehen, bis die sieben Plagen der sieben Engel vollendet waren.“

–> “(…) sein Haupt aber und seine Haare waren weiß, wie weiße Wolle, wie Schnee (…)“:   Die Farbe weiß hat in der Bibel verschiedene Bedeutungen. Zuerst einmal ist weiß natürlich ein Symbol für absolute Reinheit (Jesaja 1, 18; Psalm 51, 7; Offenbarung 7, 13 – 14; Offenbarung 19, 14; Offenbarung 22, 14).  Wenn Haare im biblischen Kontext als weiß bezeichnet werden, so ist das ein Symbol für das hohe Alter einer Person  (Daniel 7, 9) und damit verbunden auch für Weisheit (Hiob 12, 12; Hiob 32, 7). Ebenso ist weiß auch ein Symbol für die Würde einer Person in hohem Alter. Dabei ist allerdings festzustellen, dass Haare nur dann als weiß bezeichnet werden, wenn die Ehrwürdigkeit Gottes zum Ausdruck gebracht werden soll. Geht es um die Ehrwürdigkeit von alten Menschen, so ist die Rede von “grauem Haar“ (3. Mose 19, 32; Sprüche 16, 31; Sprüche 20, 29). Diese Unterscheidung lässt sich leicht nachvollziehen: Weiß ist eine reine Farbe. Gott ist absolut rein und heilig, bei Ihm gibt es keine Vermischung. Grau hingegen ist eine Mischfarbe aus weiß und schwarz. Selbst erlöste Menschen sind, so lange sie auf Erden sind, immer noch in der Lage, zu sündigen. Die Möglichkeit der Vermischung hört für ihn erst in dem Moment des Todes bzw. der Entrückung auf.

–> “(…) und seine Augen wie eine Feuerflamme (…)“: der Begriff Feuer ist in der Bibel immer ein Symbol für Gericht und Reinigung (Lukas 3, 17; Matthäus 3, 12). Diesen “feurigen“ Augen, die auch in Offenbarung 2, 18 und Offenbarung 19, 12 genannt werden,  entgeht nichts (2. Chronika 16, 9a; Sprüche 5, 21; Sprüche 15, 3; Jeremia 16, 17; Jeremia 32, 19; Psalm 34, 15; Markus 10, 21 – 23; Habakuk 1, 13). Ihr Blick durchdringt jede  menschliche Fassade und auch die Masken, hinter denen sich Menschen verstecken (Johannes 2, 24 – 25; Johannes 1, 48; 1. Samuel 16, 7; 1. Chronika 28, 9; Psalm 7, 9). Darum ist der Herr auch ein gerechter Richter (Jeremia 17, 10; Jeremia 32, 19; Lukas 22, 61; Hebräer 4, 15; 1. Korinther 3, 12 – 15).

–> “(…) und seine Füße wie schimmerndes Erz, im Ofen geglüht (…)“: Die Füße eines Menschen tragen seine ganze Person, sie Füße dsind ein Symbol für Standhaftigkeit und Sicherheit. Sie befähigen ihn zu stehen und gehen, also sich zu (fortzu-)bewegen. Von den Brettern der Stiftshütte heißt es, dass sie jeweils auf zwei silbernen “Füßen“ standen (vgl. 2. Mose 26, 19 – 21 u. a. m.) Diese silbernen “Füße“ sicherten den Stand der Stiftshütte. In Daniel 2, 1 ff. wird uns eine Statue beschrieben, deren Füße “teils aus Eisen, teils aus Ton“ bestanden (Daniel 2, 33 – 34). Aufgrund des gemischten Materials (teils stabiles Eisen, teils instabiler Ton) kann diese Statute Erschütterungen nicht standhalten und bricht zusammen (Daniel 2, 34 – 45). Im Gegensatz dazu sind die “Füße“ des Herrn, die hier beschrieben werden, aus schimmernden Erz, also absolut stabil. Mehr noch, sie sind “im Ofen geglüht“.   Was haben wir unter dem Begriff “Erz“ zu verstehen? Das  im griechischen Text hier gebrauchte Wort ist “chalkolibano“ (grch. “χαλκολιβάνῳ“). Dieses Wort kommt nur in Offenbarung 1, 15 und Offenbarung 2, 18 vor und sonst nirgendwo in der griechischen Literatur. Es ist daher schwer zu bestimmen. Verschiedene Metalle bzw. Legierungen sind vorgeschlagen worden, primär glänzendes/gelbes/goldfarbenes Kupfer, dann aber auch Bronze. Kupfer war schon zur Zeit des Alten Testaments bekannt (Hiob 28, 2) und wurde im römischen Reich in großem Umfang gefördert¹ (siehe auch: Matthäus 10, 9, hier wird das Wort “chalkos“/“χαλκός“ benutzt). Die in Offenbarung 1, 15 und Offenbarung 2, 18 gebrauchte Endung “libanos“ wird mit “glänzend“ oder “schmelzend“ übersetzt. Dieses Kupfer ist “im Ofen geglüht“. Erz, das in Ofen geglüht wird, ist ein in der Bibel oft gebrauchtes Symbol für “Erprobung“ oder „Läuterung“. Der Sohn Gottes war der einzige vollkommen Reine und Heilige. Er bedurfte, im Gegensatz zu uns, keiner Läuterung (1. Petrus 1, 7). Arend Remmers schreibt diesbezüglich in seinem Lexikon “Biblischer Bilder und Symbole“:

“Erz wird in Gottes Wort häufig mit Feuer in Verbindung gebracht. Auf dem ehernen Altar wurden die Opfer vom Feuer verzehrt (2. Mose 27, 1 – 8). In Offenbarung 1, 15 sind die Füße des Sohnes des Menschen “gleich glänzendem Kupfer als glühten sie im Ofen“. Aus dem Feuer geht das Erz jedoch unbeschädigt hervor. Erz ist ein Bild der Gerechtigkeit, die im Gericht erwiesen wird. Als Mensch besaß der Herr Jesus als einziger eine wesenhafte, innere Gerechtigkeit, die das Feuer des Gerichtes Gottes überstehen konnte. Das kommt im Bild der ehernen Schlange zum Ausdruck (4. Mose 21, 4 – 9; Johannes 3, 14; 2. Korinther 5, 21). Wir Menschen besitzen keine Gerechtigkeit, die vor Gott bestehen könnte. „Alle unsere Gerechtigkeiten [sind] gleich einem unflätigen Kleid“ (Jesaja 64, 5 <6>). Aber wer an den Sohn Gottes glaubt, wird nicht gerichtet, sondern gerechtfertigt.“²

Alle Erprobungen hat der Herr Jesus bestanden, in ihnen Standhaftigkeit bewahrt  (Hebräer 2, 17 – 18; Hebräer 4, 15 – 16; Philipper 2, 5 – 9; Hebräer 2, 9; Hebräer 5, 8; Hebräer 12, 2).

–> “(…) und seine Stimme wie das Rauschen vieler Wasser (…)“: Das „Rauschen vieler Wasser“ bringt die Kraft und Autorität zum Ausdruck, mit der der Sohn Gottes spricht. Er, der das “letzte Wort des Vaters“ (Hebräer 1, 1 – 3) ist,  richtet mit derselben Autorität wie Gott (Hesekiel 43, 2; Psalm 93, 4) Sein Wort an die Zuhörer.

Fußnoten:

¹= vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Kupfer#cite_note-9

²= Arend Remmers: Lexikon “Biblische Bilder und Symbole“, Stichwort “Erz, Kupfer“, Seite 51, CSV-Verlag Hückeswagen 2001

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