Hintergrund 3: Der 1. Korintherbrief

Korinth Isthmus / Karte: Wikipedia/User Fremantleboy

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Zum Hintergrund

Mit den Christen in Korinth verband den Apostel Paulus eine intensive Beziehung: Im Rahmen seiner zweiten Missionsreise (ca. 51 – 54 n. Chr.) war er in diese Stadt gekommen, die zu diesem Zeitpunkt erst rd. 10 Jahre wieder existierte. Zwar konnte Korinth auf eine fast tausendjährige Geschichte zurückblicken, doch war die Stadt in der Vergangenheit durch viele Kriege immer wieder zerstört und ihre Bürger versklavt worden. Erst 44. n. Chr. wurde an die Stadt an ihrer früheren Stelle als römische Kolonie neu gegründet und gleichzeitig römischer Verwaltungssitz für die griechische Provinz Achaia. Die Bewohnerschaft setzte sich hauptsächlich aus immigrierten Römern, Juden und dort geborenen Griechen zusammen (Apostelgeschichte 18, 4), übte aber auch auf Menschen aus anderen Nationen eine große Anziehungskraft aus. Denn aufgrund ihrer strategisch guten Lage auf der Peloponnes entwickelte sich die Stadt schnell zu einem bedeutenden Handelszentrum. Durch die Nähe zum Isthmus, jener Landenge, die die Peloponnes mit dem griechischen Festland verbindet, entstanden Handelsbeziehungen nach Nord- und Südgriechenland. Die gleichzeitige Lage am Golf von Korinth mit dem Hafen Lechaion und am Saronischen Golf mit dem Hafen Kenchreai eröffnete alle Möglichkeiten des Seehandels. Ähnlich den Vereinigten Staaten kurz nach ihrer Entdeckung, wurde das neue Korinth ein anziehender Schmelztiegel für Menschen aus allen ethnischen, sozialen und religiösen Hintergründen, die hier “ihr Glück“ zu machen suchten.
Bereits während seines ersten Aufenthaltes in Korinth hatte Paulus hier das Evangelium verkündigt. Viele Menschen (Apostelgeschichte 18, 11) nahmen die Heilsbotschaft an, bekehrten sich, wurden getauft und so entstand die erste Versammlung (= Gemeinde) in Korinth. Die Stadt war jedoch nicht nur ein Umschlagplatz für Handelsgüter, sondern auch Zentrum diverser religiöser Kulte. Poseidon, der Gott des Meeres, wurde dort verehrt, aber auch Aphrodite, in deren Tempel zahlreiche Prostituierte ihren Dienst versahen. Beeinflusst durch derartige Kulte, war die Stadt von Unmoral geprägt und für diese Unmoral weithin bekannt. Bereits der griechische Dichter Aristophanes (450 v. Chr. bis 380 v. Chr.) soll das Sprichwort geprägt haben: “Er verhält sich wie ein Korinther“, d.h., jemand verhält sich wie ein unmoralischer Mensch. Das neuerbaute Korinth stand dem alten Korinth in dieser Hinsicht in nichts nach. Die neuen Gläubigen, die in dieser Umgebung lebten, bedurften der Seelsorge und der intensiven Unterweisung in der christlichen Lehre. Darum blieb Paulus insgesamt 18 Monate in Korinth.
Nach seiner Abreise sandte er den Korinthern einen ersten Brief, auf den er in 1. Korinther 5, 9 Bezug nimmt. Dieser Brief ist uns nicht überliefert worden. Die Korinther antworteten ihm daraufhin mit einem Brief, in dem sie ihm Fragen stellten. Diese Fragen beantwortet er in dem Brief, den wir als den 1. Korintherbrief kennen. Darin geht er auch auf Probleme in der Versammlung ein und gibt Anweisungen zu deren Lösung.
Während sich Paulus dann im Rahmen seiner dritten Missionsreise in Ephesus aufhielt, erreichen ihn Nachrichten, dass die Probleme in Korinth immer noch nicht gelöst sind. Daraufhin besuchte er die Gläubigen (2. Korinther 2, 1; 2. Korinther 12, 14; 2. Korinther 13, 1 – 2). Diesen Besuch bezeichnet er als „schmerzhaft“, denn selbst durch seine Anwesenheit konnten nicht alle Konflikte gelöst werden (2. Korinther 2, 5 – 8; 2. Korinther 7, 12).
Nach Ephesus zurückgekehrt, schrieb Paulus einen weiteren, sehr ernsten Brief, den er den Korinthern durch Titus und einen weiteren Bruder überbringen lässt (2. Korinther 2, 3 – 4; 2. Korinther 7, 8 – 12; 2. Korinther 12, 18). Auch dieser Brief ist uns nicht überliefert worden. Mit großer Spannung erwartete der Apostel die Rückkehr seines Mitarbeiters und dessen Bericht. Doch aufgrund von Verfolgung musste er die Stadt verlassen (Apostelgeschichte 20, 1). Er verbrachte eine Zeit in Troas und reiste dann Richtung Mazedonien, um auf diesem Weg Titus zu treffen (2. Korinther 2, 12 – 13). Dieser überbringt dem Apostel positive Nachrichten: Die Mehrheit der Gläubigen in Korinth ist von den falschen Wegen umgekehrt (2. Korinther 7, 6 – 16; 2. Korinther 2, 5 – 11). Nur wenige in Korinth lehnen den Dienst des Paulus immer noch ab (2. Korinther 10, 113, 10).

Einteilung und Übersicht

Wir können den 1. Korintherbrief grob wie folgt einteilen:

Nach der Briefeinleitung, die Begrüßung und Danksagung enthält (1. Korinther 1, 1 – 9) folgt von Kapitel 1, 10 bis Kapitel 6, 20 ein erster großer Block, in dem es um die Probleme der Versammlung (= Gemeinde) geht: Kapitel 1, 10 – 17 fasst die in Korinth aufgetretenen Probleme zusammen. In Kapitel 1, 18Kapitel 2, 5 erläutert der Apostel die Unvereinbarkeit des Evangeliums mit der menschlichen Weisheit, anschließend geht er in Kapitel 2, 6 – 16 auf den Dienst des Heiligen Geistes ein. In Kapitel 3, 1 – 4 wird das fleischliche, unreife Verhalten der Gläubigen verdeutlicht und in Kapitel 3, 5 – 17 der Auftrag der Diener Gottes beschrieben. Kapitel 4 widmet sich der besonderen Beziehung des Paulus zu den Gläubigen in Korinth, Kapitel 5 und 6 befassen sich mit moralischen Verfehlungen in der Versammlung (= Gemeinde) und dem Mangel an geistlicher Disziplin. Von Kapitel 7, 1 bis Kapitel 16, 12 beantwortet Paulus in einem zweiten großen Block die an ihn gerichteten Fragen. Der Brief endet in Kapitel 16, 13 – 24 mit letzten Ermahnungen, Grüßen und Segenswünschen.

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