Notizen zur Offenbarung (14)


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Offenbarung 1, 10 – 11:

“Ich war an des Herrn Tag im Geist, und ich hörte hinter mir eine laute Stimme wie die einer Posaune, die sprach: Was du siehst, schreibe in ein Buch und sende es den sieben Versammlungen: nach Ephesus und nach Smyrna und nach Pergamus und nach Thyatira und nach Sardes und nach Philadelphia und nach Laodizea.“

* “… im Geist ….“ Was bedeutet es, wenn Johannes sagt, er sei am Tag des Herrn “im Geist“¹ gewesen? Einer Antwort können wir uns nähern, wenn wir ähnliche Vorkommnisse bei Johannes und  anderen biblischen Autoren betrachten:

Der Apostel Johannes beschreibt im Buch der Offenbarung noch dreimal eine ähnliche Erfahrung:

Offenbarung 4, 1 – 2¹:

“Nach diesem sah ich: Und siehe, eine Tür, geöffnet im Himmel, und die erste Stimme, die ich gehört hatte wie die einer Posaune, die mit mir redete, sprach: Komm hier herauf! Und ich werde dir zeigen, was nach diesem geschehen muss. Sogleich war ich im Geist: Und siehe, ein Thron stand im Himmel, und auf dem Thron saß einer.“

Offenbarung 17, 3²:

“Und er führte mich durch den Geist in die Wüste. Und ich sah eine Frau auf einem scharlachroten Tier sitzen, das war rundum bedeckt mit Lästernamen und hatte sieben Köpfe und zehn Hörner. „

Offenbarung 21, 10¹:

“Und er führte mich durch den Geist auf einen grossen, hohen Berg und zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem, wie sie vom Himmel herabkam, von Gott her,  (…)“


Auch von den Aposteln Petrus und Paulus werden solche Erfahrungen berichtet und zwar in der Apostelgeschichte:

Apostelgeschichte 10, 10²:

“Nach einiger Zeit wurde er hungrig und bat um etwas zu essen. Während ihm nun eine Mahlzeit zubereitet wurde, hatte er eine Vision (…)“

Apostelgeschichte 11, 5²:

“’Als ich‘, so begann er, ‚in der Stadt Joppe war und gerade betete, hatte ich eine Vision: Ich sah etwas wie ein riesiges leinenes Tuch herabkommen, das – gehalten an seinen vier Ecken – aus dem Himmel heruntergelassen wurde, bis es sich unmittelbar vor mir befand. (…)“

Apostelgeschichte 22, 17²:

“’Später, als ich wieder in Jerusalem war und im Tempel betete, hatte ich eine Vision. (…)“

Von dem Apostel Paulus ist uns zudem ein schriftliches Zeugnis in 2. Korinther 12, 2 – 5¹ überliefert:

“Ich weiß von einem Menschen in Christus, dass er vor vierzehn Jahren – ob im Leib, weiß ich nicht, oder außer dem Leib, weiß ich nicht; Gott weiß es -, dass dieser bis in den dritten Himmel entrückt wurde. Und ich weiß von dem betreffenden Menschen – ob im Leib oder außer dem Leib, weiß ich nicht; Gott weiß es -, dass er in das Paradies entrückt wurde und unaussprechliche Worte hörte, die auszusprechen einem Menschen nicht zusteht.“

Diese Berichte stehen in einer Linie mit den Erfahrungen der Propheten des Alten Testaments, von denen uns u. a. berichtet wird in:

Hesekiel 1, 28:

“Wie der Regenbogen steht in den Wolken, wenn es geregnet hat, so glänzte es ringsumher. So war die Herrlichkeit des HERRN anzusehen. Und als ich sie gesehen hatte, fiel ich auf mein Angesicht und hörte einen reden.“


Hesekiel 3, 12 – 14:

“Und der Geist hob mich empor, und ich hörte hinter mir ein Getöse wie von einem großen Erdbeben, als die Herrlichkeit des HERRN sich erhob von ihrem Ort. Und es war ein Rauschen von den Flügeln der Gestalten, die aneinander schlugen, und auch ein Rasseln der Räder neben ihnen wie das Getöse eines großen Erdbebens. Da hob mich der Geist empor und führte mich weg. Und ich fuhr dahin im bitteren Grimm meines Geistes, und die Hand des HERRN lag schwer auf mir.“

Hesekiel 11, 1 + 24:

Und der Geist hob mich empor und brachte mich zum Tor am Hause des HERRN, das gegen Osten liegt. Und siehe, im Eingang des Tores waren fünfundzwanzig Männer, und ich sah unter ihnen die Obersten im Volk, Jaasanja, den Sohn Asurs, und Pelatja, den Sohn Benajas. (…)  Und der Geist hob mich empor und brachte mich nach Chaldäa zu den Weggeführten in einem Gesicht durch den Geist Gottes. Und das Gesicht, das ich geschaut hatte, verschwand vor mir.

Hesekiel 43, 5:

Da hob mich der Geist auf und brachte mich in den inneren Vorhof; und siehe, die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus.“

Daniel 10, 8 – 10:

“Ich blieb allein und sah dies große Gesicht. Es blieb aber keine Kraft in mir; jede Farbe wich aus meinem Antlitz und ich hatte keine Kraft mehr. Und ich hörte seine Rede; und während ich sie hörte, sank ich ohnmächtig auf mein Angesicht zur Erde. Und siehe, eine Hand rührte mich an und half mir auf die Knie und auf die Hände (…)“

Zusammenfassend können wir also sagen, dass Johannes mit den Worten „ich war im Geist“ einen Zustand geistlicher Erhebung seiner ganzen Person beschreibt, in dem er die Dinge sah und hörte, die der Herr Jesus Christus ihm offenbarte. Diesen Zustand müssen wir von dem christlichen „Wandel im Geist“ (vgl. Römer 8,1 ff.; Galater 5, 16 ff.), d.h. dem täglichen Lebenswandel des Christen, der das Geistliche anstatt des Fleischlichen/Ungeistlichen erwählt, unterscheiden. Ebenso muss das „im-Geist-sein“ (Offenbarung 1, 10), das die ganze Person betrifft, von „reden durch den Geist“ (1. Korinther 12, 3 + 8), bei dem die Kraft des Heiligen Geistes durch die Person wirksam wird, unterschieden werden. Abschließend möchte ich darauf hinweisen, dass es sich bei dem Zustand, wie ihn Johannes und andere biblische Autoren beschreiben, nicht um einen Traumzustand gehandelt haben kann. Diese Auslegung ist immer wieder von bibelkritischen Kommentatoren gewählt worden. Dabei wird jedoch übersehen, dass, wann immer bestimmte Personen in der Heiligen Schrift göttliche Träume empfangen haben, dies ausdrücklich erwähnt wird, z.B. in:

1. Mose 20, 3 + 6:

Aber Gott kam zu Abimelech des Nachts im Traum und sprach zu ihm: Siehe, du bist des Todes um der Frau willen, die du genommen hast; denn sie ist eines Mannes Ehefrau. (…) Und Gott sprach zu ihm im Traum: Ich weiß auch, dass du das mit einfältigem Herzen getan hast. Darum habe ich dich auch behütet, dass du nicht wider mich sündigtest, und habe es nicht zugelassen, dass du sie berührtest. „

1. Mose 28, 12:

“Und ihm träumte, und siehe, eine Leiter stand auf Erden, die rührte mit der Spitze an den Himmel, und siehe, die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder.“

1. Mose 31, 11 + 24:

Und der Engel Gottes sprach zu mir im Traum: Jakob! Und ich antwortete: Hier bin ich. (…) Aber Gott kam zu Laban, dem Aramäer, im Traum des Nachts und sprach zu ihm: Hüte dich, mit Jakob anders zu reden als freundlich.“


In 4. Mose 12, 6 wird  eine explizite Unterscheidung zwischen Träumen und Gesichten (Visionen, gesehene Offenbarungen) gemacht:

“Und er sprach: Hört meine Worte: Ist jemand unter euch ein Prophet des HERRN, dem will ich mich kundmachen in Gesichten oder will mit ihm reden in Träumen.“

So auch in Daniel 1, 17:

“Und diesen vier jungen Leuten gab Gott Einsicht und Verstand für jede Art von Schrift und Weisheit. Daniel aber verstand sich auf Gesichte und Träume jeder Art.“


1. Könige 3, 15:

“Und als Salomo erwachte, siehe, da war es ein Traum. Und er kam nach Jerusalem und trat vor die Lade des Bundes des Herrn und opferte Brandopfer und Dankopfer und machte ein großes Festmahl für alle seine Großen.“

Matthäus 1, 20:

“Als er das noch bedachte, siehe, da erschien ihm der Engel des Herrn im Traum und sprach: Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem Heiligen Geist.“


Matthäus 2, 12 – 13
+ 19 + 22:

Und Gott befahl ihnen im Traum, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren; und sie zogen auf einem andern Weg wieder in ihr Land. Als sie aber hinweggezogen waren, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten und bleib dort, bis ich dir’s sage; denn Herodes hat vor, das Kindlein zu suchen, um es umzubringen. (…) Als aber Herodes gestorben war, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum in Ägypten (…) Als er aber hörte, dass Archelaus in Judäa König war anstatt seines Vaters Herodes, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Und im Traum empfing er Befehl von Gott und zog ins galiläische Land.“

Matthäus 27, 19:

„Und als er auf dem Richterstuhl saß, schickte seine Frau zu ihm und ließ ihm sagen: Habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten; denn ich habe heute viel erlitten im Traum um seinetwillen.“

Es ist dabei auch zu beachten, dass im Neuen Testament göttliche Wegweisung durch Träume ausschließlich Menschen aus dem jüdischen Volk (Joseph) und den Nationen (der Frau des Pilatus) zu Teil wird. Auch die Träume, die im Zusammenhang mit der Verheißung aus Joel 3, 1 – 5 stehen und die der Apostel Petrus in Apostelgeschichte 2, 17 zitiert, betreffen die Ältesten des Volkes Israel (Joel spricht zu den Israeliten: „eure Ältesten“). Bei christlichen Gläubigen im Neuen Testament erfolgt das Reden Gottes ausschließlich durch Sein Wort (Psalm 119, 105 ; 2. Petrus 1, 19; 2. Timotheus 3, 16 – 17)  und durch den Heiligen Geist (Johannes 10, 3 – 4 + 16 + 27; Johannes 14, 26; Johannes 16, 13; Römer 8, 14).

Fußnoten:

Die Bibelstellen wurden, wenn nicht anders vermerkt, nach der Lutherübersetzung von 1984, durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart, zitiert.

¹= vgl. wörtl.: “ich wurde im Geist“ (vgl. auch Anmerkung der Rev. Elberfelder Übers.; sonst immer: zitiert nach der Revidierte Elberfelder Bibel 2008, SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten

²= Neue Genfer Übersetzung 2011, Genfer Bibelgesellschaft

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