Notizen zur Offenbarung (13)


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Siehe Vorbemerkung in Teil 1: Klick!
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Offenbarung 1, 10 – 11:

“Ich war an des Herrn Tag im Geist, und ich hörte hinter mir eine laute Stimme wie die einer Posaune, die sprach: Was du siehst, schreibe in ein Buch und sende es den sieben Versammlungen: nach Ephesus und nach Smyrna und nach Pergamus und nach Thyatira und nach Sardes und nach Philadelphia und nach Laodizea.“

* “Ich war an des Herrn Tag ….“

Ist mit den Worten „des Herrn Tag“ oder – wie andere Bibelübersetzungen diesen Satzteil wiedergeben – „Tag des Herrn“ jener Gerichtstag Gottes gemeint,  auf den ich an anderer Stelle ausführlich eingegangen bin (Klick!)? Ich denke, wir können diese Frage aus zwei Gründen mit einem klaren Nein beantworten:

Zum einen wäre zu fragen, welchen Sinn es gemacht haben sollte, wenn der Geist Gottes den Apostel für die Übermittlung der Offenbarung in diesen zukünftigen Zeitraum des Gerichts versetzt hätte?
Zum anderen stellen wir fest, dass der im griechischen Text des Neuen Testaments in diesem Vers benutzte Ausdruck “κυριακῇ ἡμέρᾳ“ (“kyriake hemera“) ist und besser mit „der dem Herrn gehörende Tag“ übersetzt wird¹. Der Begriff kommt nur hier in Offenbarung 1, 10 vor. In ähnlicher Weise wird das Wort „kyriake“ („dem Herrn gehörend“) in 1. Korinther 11, 20 benutzt, um anzuzeigen, dass „das Mahl des Herrn“ dem Herrn gehört.  Mit dem Begriff  des „Tag(es), der dem Herrn gehört“ wurde sehr bald der erste Tag der Woche, unser heutigen Sonntag, bezeichnet. Der erste Tag der Woche, also jener Tag, an dem der Herr Jesus Christus auferstanden war (Markus 16, 19; Johannes 20, 1 ff.; ), wurde nach diesem Ereignis zu dem Tag, an dem die Gläubigen zusammen kamen, um Gott anzubeten und um das Mahl des Herrn zu feiern (Apostelgeschichte 20, 7; vgl. auch 1. Korinther 16, 2).
In den romanischen Sprachen finden wir die latinisierte Form (“dies dominica“ = „Tag des Herrn“) als Bezeichnung für den Sonntag bis heute mit leichten Veränderungen (französisch: „dimanche“, spanisch und portugiesisch: „domingo“, italienisch: „domenica“).²

Wir erfahren weder hier noch an irgendeiner anderen Stelle in der Offenbarung, ob Johannes die gesamte Offenbarung an diesem einen Tag empfangen hat oder an mehreren, vielleicht aufeinander folgenden Tagen.  (Verschiedene Kommentatoren haben darauf hingewiesen, dass Offenbarung 1, 1 bis Offenbarung 3, 22 einen in sich geschlossenen Abschnitt darstellt und dass ab Offenbarung 4, 1 ein neuer Abschnitt beginnt.) Festhalten dürfen wir jedoch, dass der Apostel uns versichert, dass dieses Buch alles enthält, was er gesehen hat, d.h. alles, was ihm von dem Herrn Jesus Christus gezeigt, geoffenbart, wurde (Offenbarung 1, 2).

Abschließend möchte ich drei Gedanken anfügen, die uns bei der persönlichen Anwendung dieses Verses helfen mögen:

Allein, aber nicht einsam: Johannes empfing, wie ich oben ausführte, die Offenbarung des Herrn (oder zumindest einen Teil davon) an einem Sonntag. Dies wäre normalerweise der Tag gewesen, an dem er gemeinsam mit anderen Christen Gott angebetet und das Mahl des Herrn gehalten hätte.  Dieser Gemeinschaft mit ihren vielfältigen Aspekten war er auf Patmos, seinem Verbannungsort,  beraubt. Die Offenbarung gibt uns an keiner Stelle einen Hinweis darauf, dass der Apostel  dort Kontakt zu anderen Christen gehabt hätte, geschweigedenn, dass er mit anderen Christen zur Anbetung Gottes hätte zusammen kommen können. Doch gerade in dieser Situation gibt der Herr Jesus Christus Seinem Jünger diese Offenbarung. Johannes war von seinen Mitgläubigen getrennt, ja abgeschnitten. Von Christus konnte ihn nichts trennen. Weder die römische Militärmacht noch sonst irgendeine Macht konnte die Gemeinschaft mit seinem Herrn verhindern oder unterbinden.
Auch wir mögen aufgrund äußerer Lebensumstände zeitweise von unseren Mitgläubigen getrennt sein. Ein solcher Zustand kann schmerzhaft sein und uns traurig machen. Aber er darf nicht zum Fokus unserer Aufmerksamkeit werden. Auch und gerade in solchen Situationen müssen wir unser Augenmerk auf Christus gerichtet halten. Er ist immer bei uns, von Ihm vermag uns nichts zu trennen (Römer 8, 31 – 39).

Getrennt und doch beschenkt: Viele Christen suchen Gottes Führung für ihr Leben. Das ist gut und wichtig. Doch viele hetzen gleichzeitig von Aktion zu Aktion, von Meeting zu Meeting. Ich denke hier nicht an die vielfältigen beruflichen und/oder familiären Verpflichtungen, denen jeder von uns gerecht werden muss, sondern an die vielen zusätzlichen Verpflichtungen, die wir uns selbst aufladen oder uns von anderen aufladen lassen. Jeder Augenblick muss mit irgendetwas ausgefüllt sein, es gibt ja so viel zu tun, so viel zu erleben, nichts darf versäumt werden. Dabei muss es sich nicht grundsätzlich um „weltliche“ Aktionen handeln. Viele Christen finden vor einer Fülle von Gemeindeterminen etc. etc. pp. kaum noch Zeit zum Ausspannen. Und wenn möglich muss man auch immer „unter Leuten“ (seien es Freunde, Kollegen, Verwandte oder Mitgläubige) sein. Ich wundere mich immer wieder, wenn solche Christen sich darüber beklagen, wie schwer es sei, Gottes Führung für das persönliche Leben zu verstehen. Ist das auch Ihre Meinung? Dann fragen Sie sich doch bitte einmal, ob Sie überhaupt noch „abschalten“ können? Geben Sie Gott überhaupt Zeit, durch Sein Wort zu Ihnen zu sprechen?  Und ebenso wichtig: Geben Sie sich Zeit, die Dinge, die Sie aus Gottes Wort empfangen, in Ruhe zu durchdenken und im Gebet mit Gott zu besprechen? Wenn Ihre tägliche „Zeit mit Gott“ ein 10-Minuten-Termin am Morgen ist, den Sie einhalten, um dann am Tag all die „wirklich wichtigen Termine“ besser (sprich: mit Gottes Segen) erledigen können, sollten Sie Ihr Konzept von christlicher Nachfolge noch einmal – in aller Ruhe – überdenken.

Die Heilige Schrift macht uns an vielen Stellen deutlich, dass es die Zeiten des Alleinseins mit Gott sind, in denen wir neue Stärke, Ausrichtung, Wegweisung und Beauftragung empfangen.

Es kann uns helfen, dieses Prinzip im Leben verschiedenen biblischer Personen zu betrachten, z.B. bei Mose (2. Mose 3, 1 ff.; 2. Mose 19, 1 ff.; Hebräer 8, 5), Elia (1. Könige 19, 1 ff.) oder bei Paulus (Galater 1, 13 – 18).

Auch der Herr Jesus Christus suchte während Seines irdischen Dienstes oft die  Gemeinschaft mit Gott, dem Vater und zwar abseits aller menschlichen Aktivitäten (vgl. Matthäus 14, 23; Matthäus 26, 36; Markus 1, 35; Markus 6, 46Lukas 5, 16; Lukas 6, 12 – 13; Lukas 9, 18; Lukas 9, 28; Johannes 6, 15).  Er berief Seine Jünger „damit sie bei ihm seien“ – bevor Er sie aus sandte (vgl. Markus 3, 14). Nach Seiner Auferstehung schickte er die Jünger nicht sogleich in alle Welt, sondern verbrachte vierzig Tage mit ihnen, um sie über das Reich Gottes zu belehren (vgl. Apostelgeschichte 1, 3). Selbst nach Seiner Himmelfahrt war es den Jüngern immer noch nicht gestattet, „in alle Welt“ zu gehen. Nein, selbst dann mussten sie noch in Jerusalem bleiben, bis der Herr die „Verheißung des Vaters“ erfüllte und  den verheißenen Heiligen Geist herab sandte (vgl. Apostelgeschichte 1, 4).

Wir tun gut daran, Zeiten des Alleinseins nicht zu verachten oder zu missachten. Gerade solche Zeiten können entscheidende Wendepunkte in unserem Leben werden, wenn wir auf Gott hören. Darum sollten wir sie willkommen heißen und sie dankbar nutzen.

Alles in Gottes Hand: Schon an anderer Stelle bin ich darauf eingegangen, wie alle Dinge zum Besten des Gläubigen dienen müssen (Klick!). Es ist dabei ganz egal, ob die menschlichen Absichten, die hinter den Maßnahmen, die den einzelnen Gläubigen betreffen, gut oder schlecht sind. Gott hat das alles in Seiner Hand.

Maria und Joseph wurden durch die römische Anordnung der Volkszählung gezwungen, nach Bethlehem zu reisen. Für eine hochschwangere, junge  Frau war eine solche Reise auf einem Esel äußerst anstrengend und unbequem. Auch für Joseph wird die Suche nach einer Unterkunft für seine im Entstehen begriffene Familie sehr deprimierend gewesen sein. Trotzdem waren diese zwei Menschen genau in Gottes Plan (vgl. Micha 5, 2). Wir sehen also: In Gottes Plan zu sein, genau an dem Ort zu sein, wo Gott einen Menschen haben möchte, das bedeutet nicht immer, dass alles „wie am Schnürchen läuft“ oder dass es keine Probleme gibt.

Als die Pharisäer und Schriftgelehrten dreiunddreißig Jahre später ihre Pläne schmiedeten und ausführten, um den Herrn Jesus Christus zu Tode zu bringen – eine Situation, wie es in den Augen der Jünger keine problematischere hätte geben können –  (Markus 15, 1), da erfüllten auch sie nur das, was in Gottes Plan schon vor Anbeginn der Welt feststand (vgl. Apostelgeschichte 4, 27 – 28; Offenbarung 13, 8).

Alles ist in Gottes Hand, auch wenn es nicht danach aussieht. In dieser Linie dürfen wir auch Gottes Handeln mit Johannes auf Patmos sehen: Die Verbannung des Apostels auf die griechische Gefangeneninsel war letztendlich nicht das Resultat der römischen Herrschaft und Christenverfolgung. Sie geschah unter der Zulassung des Herrn, der diese Zeit der Abgeschiedenheit des Jüngers nutze, um ihm Seine Offenbarung kundzutun.

Wenn wir lernen, alle Entwicklungen und Geschehnisse  unseres Lebens unter der Perspektive zu betrachten, dass Gott sie in Seiner Hand hält und dass Er sie zu unserem Besten gebraucht (Römer 8, 28), dann werden wir in diesem Gedanken nicht nur Trost und Ruhe finden. Wir werden dann auch immer besser Seine Führung in unserem Leben erkennen. Wir werden lernen, wie wir Phasen, die nach Einsamkeit, Stillstand oder einer Wüstenerfahrung aussehen, richtig zu nutzen. Dazu wollen wir Gottes Hilfe, Kraft und Weisheit erbitten.

Fußnoten:

¹= vgl. entsprechende Fußnoten u. a. in der Elberfelder Bibel 1905, der Revidierten Elberfelder Übersetzung, der Neuen Genfer Übersetzung, der Guten Nachricht Bibel,  der Bibelübersetzung von Hermann Menge,  Überarbeiteten Elberfelder Bibel Edition Hückeswagen.

²= vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Sonntag


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