Gibt es die Versammlung (= Gemeinde/Kirche) „seit Adam“?


Translation here.

In der Lehre verschiedener Kirchen  geht man davon aus, dass „die Kirche Gottes“ seit Adam bzw. seit der Entstehung des Volkes Israel existierte.

Man führt dazu ungefähr Folgendes aus:

„Gott hat durch die Jahrhunderte hindurch immer eine bestehende Kirche gehabt. Im Alten Testament war Israel die Kirche. Aber Gott musste Israel verwerfen, weil es den Messias Jesus Christus ablehnte. Diese Verwerfung Israels ist dauerhaft, es  gibt keine Zukunft für Israel als Nation. Die christliche Kirche ist jetzt das Israel Gottes geworden, und alle Verheißungen, die dem Volk Israel galten, finden jetzt ihre geistliche Erfüllung in der ihr.“

Dass diese Aussagen nicht der Heiligen Schrift entsprechen, wird deutlich, wenn wir uns einige wenige Bibelstellen genauer anschauen:


1) Matthäus 16, 18 – Der Bau der Versammlung liegt in der Zukunft:

In Matthäus 16, 18 lesen wir, dass der Herr Jesu – während Seines irdischen Dienstes und vor Seiner Kreuzigung und Auferstehung – sagt:

„Aber auch ich sage dir: Du bist Petrus; und auf diesen Felsen werde ich meine Versammlung bauen, und die Pforten des Hades werden sie nicht überwältigen.“

Wir wollen in diesem Zusammenhang erst einmal nicht auf die Frage eingehen, ob die Versammlung (= Gemeinde/Kirche) auf Petrus gebaut wurde. Dazu wird ein gesonderter Artikel folgen. Hier geht es jetzt darum, dass wir eines feststellen: der Herr Jesus Christus kündigt in Matthäus 16, 18 den zukünftigen Bau Seiner Versammlung an: „werde ich meine Versammlung bauen“. Das ist eindeutig eine Ankündigung für die Zukunft. Es kann also vor diesem Zeitpunkt noch gar keine Versammlung (= Gemeinde/Kirche) gegeben haben!

2) 1. Korinther 1, 1 – Die Versammlung besteht:

In 1. Korinther 1, 1 schreibt der Apostel Paulus:

„Paulus, berufener Apostel Jesu Christi durch Gottes Willen, und Sosthenes, der Bruder, der Versammlung Gottes, die in Korinth ist, den Geheiligten in Christo Jesu, den berufenen Heiligen, samt allen, die an jedem Orte den Namen unseres Herrn Jesus Christus anrufen, sowohl ihres als unseres Herrn.“

Der Apostel Paulus richtet seinen Brief „an die Versammlung Gottes, die in Korinth ist“. Es wird also deutlich, dass die Versammlung zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Briefes (ca. 55/56 nach Christus) schon bestand.

3) Pfingsten – der „Geburtstag“ der Versammlung (= Gemeinde/Kirche):

Wir sehen also, dass die Versammlung zum Zeitpunkt des irdischen Dienstes des Herrn Jesus Christus (bis ca. 33 nach Christus) noch zukünftig war, zum Zeitpunkt der Abfassung des 1. Korintherbriefes (55/56 nach Christus) jedoch schon bestand. Zwischen diesen beiden Zeitpunkten muss also etwas geschehen sei, aber was? Die Antwort auf diese Frage finden wir im 2. Kapitel der Apostelgeschichte.

In Apostelgeschichte 2, 1 – 4 lesen wir, dass der Heilige Geist, dessen Sendung der Herr Jesus Christus verheißen hatte (vgl. Johannes 15, 26), auf die im Obersaal versammelten Gläubigen kam und sie erfüllte. In den Versen 5 – 13 lesen wir dann, dass sich eine große Menge jüdischer Menschen aus allen Nationen vor dem Haus, in dem die Jünger Jesu zusammengekommen waren, versammelte und in den Versen 14 – 47 folgt der Bericht von der ersten Predigt des Petrus und der Reaktion der Zuhörer darauf. Abschließend heißt es dann in Vers 47:

„Der Herr aber tat täglich solche, die gerettet wurden, hinzu.“

Einige Bibelübersetzungen, z. B. die Lutherübersetzung von 1984, geben diesen Vers so wieder:

„Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.“

Das Wort „Versammlung“ (= Gemeinde/Kirche) steht hier nicht im griechischen Grundtext des Neuen Testaments. Wir können aber trotzdem davon ausgehen, dass hier gemeint ist, dass Menschen zur Versammlung hinzugetan wurden, da ja alle Geretteten, alle Erlösten, alle mit dem Heiligen Geist erfüllten Menschen, den Leib Christi, d.h. die Versammlung bilden (vgl. 1. Korinther 12, 13; Kolosser 1, 24).

Wir können also sagen, dass Pfingsten der „Geburtstag“ der Versammlung Gottes war. Menschen reagierten auf die Predigt des Petrus, taten Buße, bekannten ihre Sünden, nahmen den Herrn Jesus Christus als ihren Erretter an und wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt, den Gott an diesem Tag auf die Erde sandte. Alle Gläubigen wurde durch den Heiligen Geist „zu einem Leib getauft“, dem Leib Christi (vgl. 1. Korinther 12, 13). So entstand die Versammlung (= Gemeinde/Kirche). Vor der Herabsendung des Heiligen Geistes konnte es also noch gar keine Versammlung auf der Erde geben. Der Heilige Geist aber konnte erst kommen, nachdem der Herr Jesus Christus verherrlicht war (vgl. Johannes 7, 37 – 39; Johannes 15, 26 – 27; Johannes 16, 7)

Aber es gibt noch einen weiteren Grund, warum die Aussage, es hätte eine „Kirche seit Adam“ (oder „seit Entstehung des Volkes Israel“) gegeben falsch ist:

4) Die Versammlung (= Gemeinde/Kirche) – ein Geheimnis:

In Kolosser 1, 24 – 27 schreibt der Apostel Paulus:

„Jetzt freue ich mich in den Leiden für euch und ergänze in meinem Fleische, was noch rückständig ist von den Drangsalen des Christus für seinen Leib, das ist die Versammlung, deren Diener ich geworden bin nach der Verwaltung Gottes, die mir in Bezug auf euch gegeben ist, um das Wort Gottes zu vollenden: das Geheimnis, welches von den Zeitaltern und von den Geschlechtern her verborgen war, jetzt aber seinen Heiligen geoffenbart worden ist, denen Gott kundtun wollte, welches der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses sei unter den Nationen, welches ist Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit (…)“

Hier spricht der Apostel Paulus von einem Geheimnis, welches in den vorausgegangenen Zeitaltern¹ verborgen war und dass er von Gott berufen war, nun dieses Geheimnis den Gläubigen zu offenbaren.

Auch in Epheser 3, 3 – 10 spricht der Apostel Paulus von diesem Geheimnis.

Worum handelt es sich bei diesem „Geheimnis“? Ganz offensichtlich um die Versammlung (= Gemeinde/Kirche), in der alle Erlösten aus den Nationen und aus dem Volk Israel zu einer organischen Einheit, dem Leib Christi, zusammengefügt wurden (vgl. Römer 12, 4; 1. Korinther 6, 15; 1. Korinther 12, 13; Epheser 1, 22 – 23; Epheser 4, 4; Epheser 4, 15 – 16 + 25; Epheser 5, 23 + 30; Kolosser 1, 18 + 24; Kolosser 2, 19; Kolosser 3, 15). Dieses Geheimnis war – nach Aussage des Apostels Paulus – in den vergangenen Zeitaltern verborgen, also unbekannt. Wir finden daher auch keinerlei Aussagen im Alten Testament über die Versammlung.

Im Gegensatz zur Versammlung war das Volk Israel nie ein Geheimnis. Von Israel wird im Alten wie im Neuen Testament auch nie als von einem Geheimnis gesprochen. Gott rief das Volk durch Abraham und seine Nachkommen ins Dasein und dies war vor aller Welt offenbar (1. Mose 12, 1- 3)

 

Fußnoten:

¹= zum Themenbereich „Zeitalter“ siehe auch: „Gottes unterschiedliches Handeln mit Menschen in den verschiedenen  Zeitaltern“

²= zur Unterscheidung zwischen Israel und der Versammlung (= Gemeinde/Kirche) siehe: „Überblick über die Unterschiede zwischen Israel und der Versammlung (= Gemeinde/Kirche)“

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