Fragen & Antworten zur Wiedergeburt (2)

Translation here.

6) Ist man als Wiedergeborener „heilig“?

Ja. Das Neue Testament nennt alle Wiedergeborenen, also alle Christen, „Heilige“ (z.B.  Römer 1, 7; 1. Korinther 1, 22. Korinther 1, 1; Philipper 1, 1).  Das griechische Wort „αγιος“² (hagios) bezeichnet einen für  Gott abgesonderten Menschen:

„In dem NT bezieht sich das Wort ‚Heiliger‘ immer auf eine geheiligte Person, also jemanden, der für Gott abgesondert wurde, allein zu Seinem Besitz und Seinem Dienst (vergleiche die entsprechenden griechischen Worte ‚hagios‘ und ‚hagiazo‘, die wiedergegeben werden mit ‚heilig‘ resp. ‚heiligen‘). Es handelt sich hier um die Heiligung des Gläubigen der Stellung nach, die sich auf das versöhnende Blut  Christi gründet (Hebräer 13, 12; vgl. Hebräer 10, 10 – 14). In diesem Sinne sind alle Gläubigen Heilige, unabhängig von ihrem Fortschritt in der Erfahrung und im Wachstum. Nach Römer 1, 7 werden also die Gläubigen nicht aufgefordert, Heilige zu werden. Sie sind Heilige, und zwar durch göttliche Berufung, genau wie Paulus ein Apostel durch göttliche Berufung war (vgl. Römer 1,1).“¹

Unserer Stellung in Christus nach sind wir als Christen also bereits Heilige. Daneben fordert uns das Neue Testament zu einem Leben in der Heiligung (Hebräer 12, 14) auf, d.h. zu einem Leben in der Nachfolge Jesu gemäß den Geboten Gottes. Hier geht es nicht um die Stellung der Gläubigen, sondern um die Praxis des Glaubenslebens. An der Praxis des Glaubenslebens wird sich zeigen, ob ein Mensch wirklich wiedergeboren wurde. Denn nur ein aus dem Geist Gottes wiedergeborener Mensch kann auch entsprechend dem Geist wandeln (vgl. Galater  5, 16 + 24 – 25) und die entsprechende Frucht des Geistes hervorbringen (Galater 5, 22).


7) Ist man als Wiedergeborener gerecht vor Gott?

Alle Wiedergeborenen sind von Gott gerecht gesprochen. Ihnen wurde durch den Glauben an den stellvertretenden Tod und die Auferstehung Jesu auch die Gerechtigkeit von Gott zugerechnet, die Jesus Christus hat (vgl. Römer 4, 22 – 25).

8 ) Lebt man als Wiedergeborener „heilig“?

Auch nach der Wiedergeburt ist der Mensch noch in der Lage zu sündigen. Durch die Kraft des Heiligen Geistes wird der Wiedergeborene jedoch befähigt, die Sünde zu erkennen und zu überwinden (Römer 6, 6; 6, 14; 6, 18; 1. Johannes 5, 4 – 5; Apostelgeschichte 1, 8; Römer 8, 2; Römer 8, 5 – 16).


9) Muss man, um wiedergeboren zu werden, sündlos leben?

Nein. Da ein nicht wiedergeborener Mensch nach Aussage der Heiligen Schrift ein Sünder ist (d.h. ein Mensch, dessen Leben von Gott losgelöst ist), ein Mensch, der gegen Gottes Gebote handelt, ist es ausgeschlossen, dass er vor seiner Wiedergeburt sündlos lebt. Folglich kann ein sündloses Leben keine Voraussetzung für die Wiedergeburt sein.

10) Ist die Wiedergeburt vererbbar?

Nein.  Apostelgeschichte 2, 38 lehrt uns, dass jeder Mensch aufgerufen ist, Buße zu tun und zu Gott umzukehren. Jeder Mensch muss „Buße tun“ und zwar im Sinne des dafür im griechischen Neuen Testament gebrauchten Wortes  „μετάνοια“. Dieses griechische Wort  („metanoia“) „setzt sich aus zwei Wörtern zusammen, nämlich der Präposition „meta“ (= danach) und dem Substantiv „nous“ (= Sinn, Gesinnung), dem Sitz des sittlichen Empfindens und Denkens. ‚Buße‘ bedeutet also wörtlich ‚der Sinn danach‘. Dieser ‚Gesinnungswandel‘, der (…) mit tiefer Betrübnis der Seele verbunden ist, schließt sowohl ein Sich-Wegwenden von der Sünde als auch ein gläubiges Sich-Hinwenden zu Gott ein. Dies wird im Gleichnis vom ‚verlorenen Sohn‘ so deutlich dargestellt (Lukas 15, 11 ff).“³  Diesen Gesinnungswandel, diese Gesinnungsänderung, dieses bewusste Sich-Wegwenden von der Sünde und Sich-Hinwenden zu Gott, kann jeder Mensch nur persönlich für sich vollziehen. Niemand, auch nicht die Eltern, können dies für einen anderen Menschen, z.B. die Kinder, tun (vgl. Ps. 49, 8 – 10). Da die Buße jedoch gemäß Apostelgeschichte 2, 38 die Voraussetzung der Wiedergeburt ist, ist die Wiedergeburt nicht „vererbbar“.

Fußnoten:

¹= Fußnote 1 zu Römer 1,7 der Scofield Bibel (Revidierte Elberfelder Übersetzung) mit Einleitungen, Erklärungen und Ketten-Angaben, R. Brockhaus-Verlag Wuppertal, 6. Auflage 2001, NT, Seite 226

²= vgl. Strong’s Hebrew and Greek Dictionaries/ The Strong’s Exhaustive Concordance of the Bible, Strong-Nr. G 40 /p. 7:  „ἅγιος“ (hagios). From „ἅγος“, hagos, (an awful thing) compare {G53} [H2282]; sacred (physically {pure} morally blameless or {religious} ceremonially consecrated): – (most) holy ({one} {thing}) saint. Vergleiche auch: Spiros Zodhiates, Th.D. in „The Complete Word Study Dictionary – New Testament“, AMG-Publishers, Revised Edition 1993, Strong-Nr. 40/p. 70: „Its fundamental idea is seperation, consecration, devotion to the service of Deity, sharing in God’s purity and abstaining from earth’s defilement. (…) (2) Spoken of those who a purified and sanctified by the influence of the Spirit. This is assumed of all who profess the Christian name, hence hagios, saint, hagioi, saints, Christians (Acts 9:13, 14, 32 + 41; 26, 10; Rom. 1:7; 8:27; 1 Thess. 3:13).“

³= Christian Briem: „Antworten auf Fragen zu biblischen Themen“, Teil 2: Besonderheiten im Text der Heiligen Schrift, Abschnitt ‚Reue – Buße‘, CSV Hückeswagen 2005, S. 495 – 496

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