Guter Sauerteig?

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In Matthäus 13, 33 wird uns ein weiteres der Gleichnisse vom Reich der Himmel  vorgestellt. Dort heißt es:

„Ein anderes Gleichnis sagte er ihnen: Das Himmelreich ist gleich einem Sauerteig, den ein Weib nahm und unter drei Scheffel Mehl mengte, bis es ganz durchsäuert ward.“

„Sauerteig“

Foto:Ibán Yarza/Wikipedia/public domain

Eine häufig im Zusammenhang mit diesem Vers zu hörende Auslegung ist, dass der Herr Jesus Christus hier unseren Auftrag als Christen beschreiben würde. Es sei unsere Aufgabe, mit dem „Sauerteig des Evangeliums“ die ganze Welt zu „durchsäuern“ und auf dies Weise die Welt im positiven Sinne zu verändern. (Oft wird mit diesem Vers, völlig entgegengesetzt zur Aussage des Herrn Jesus Christus in Johannes 18, 36, auch ein politischer Einsatz von Christen gerechtfertigt bzw. gefordert.) Nun liegt es mir völlig fern, positives christliches Engagement zu kritisieren. Ganz im Gegenteil. Ich bin davon überzeugt, dass unsere Welt heute nichts dringender braucht als Christen, die ihr mit der frohen Botschaft des Evangeliums dienen – und zwar in Worten und in Taten, d.h. in der Evangelisation und in tätiger Nächstenliebe. Aber die Frage muss erlaubt sein, ob diese Verse die Grundlage dafür bilden können. Wir das hier wirklich gesagt? Ist Sauerteig wirklich positiv? Einer Antwort kommen wir näher, wenn wir das Vorkommen des Begriffs „Sauerteig“ im Neuen Testament betrachten. In neun Versen begegnet uns der Begriff des Sauerteigs im Neuen Testament:

Zweimal finden wir den Begriff Sauerteig in den Gleichnissen und zwar in der bereits erwähnten Stelle Matthäus 13, 33:


„Ein anderes Gleichnis sagte er ihnen: Das Himmelreich ist gleich einem Sauerteig, den ein Weib nahm und unter drei Scheffel Mehl mengte, bis es ganz durchsäuert ward.“

und in Lukas 13, 21:

„Es ist einem Sauerteig gleich, den ein Weib nahm und unter drei Scheffel Mehl mengte, bis es ganz durchsäuert war.“

Dann finden wir das Wort  Sauerteig viermal im Zusammenhang mit den Reden des Herrn Jesus Christus über die Pharisäer und Sadduzäer. Ihre Heuchelei und Lehre bezeichnet er als „Sauerteig“, vor der er zugleich warnt:

Matthäus 16, 6:
„Jesus aber sprach zu ihnen: Sehet zu und hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer!“

Matthäus 16, 11:
„Warum versteht ihr denn nicht, daß ich nicht vom Brot gesprochen habe, sondern daß ihr euch hüten solltet vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer?“

Matthäus 16, 12:
„Da sahen sie ein, daß er nicht gesagt hatte, sie sollten sich hüten vor dem Sauerteig des Brotes, sondern vor der Lehre der Pharisäer und Sadduzäer.“

Lukas 12,1:
„Als sich inzwischen das Volk zu Zehntausenden gesammelt hatte, so daß sie einander traten, fing er an, zu seinen Jüngern zu sagen: Zuerst hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer, das heißt, vor der Heuchelei!“

Einmal benutzt der Herr Jesus Christus den Begriff Sauerteig im Zusammenhang mit den Pharisäern und dem König Herodes und versieht seine Aussage auch hier mit einer strikten Warnung:

Markus 8, 15:
„Und er gebot ihnen und sprach: Sehet zu, hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und vor dem Sauerteig des Herodes!“

Der Verweis auf Herodes zeigt, dass der Sauerteig neben falscher lehre und Heuchelei auch moralische Verderbtheit symbolisiert, denn dieser Herrscher war des doppelten Ehebruchs und des Mordes an Johannes dem Täufer schuldig (vgl. Matthäus 14, 1; Markus 6, 14; Lukas 3, 1; Lukas 9, 7; Lukas 13, 1; Lukas 23, 6 – 12).

Dann finden wir vier Erwähnungen des Sauerteigs in den Briefen des Apostels Paulus. Drei dieser Erwähnungen finden sich im 1. Korintherbrief,. Das erstaunt nicht, wenn man weiß, dass das große Thema dieses Briefes die Gegenüberstellung von fleischlichem und geistlichem Lebenswandel ist.  So warnt Paulus in 1. Korinther 5, 6 vor dem Sauerteig und seiner Wirkung, um im Vers darauf deutlich zu machen, dass die Christen eine „ungesäuerte Masse“ (also kein Sauerteig!) sind. Er verbindet den Begriff Sauerteig mit dem Leben, das die Gläubigen vor ihrer Bekehrung zu Gott, vor ihrem Christenleben, führten und bezeichnet  dieses als „Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit“.

1. Korinther 5, 6:
„Euer Rühmen ist nicht fein! Wisset ihr nicht, daß ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert?“

1. Korinther 5, 7:
„Feget den alten Sauerteig aus, damit ihr ein neuer Teig seid, gleichwie ihr ja ungesäuert seid! Denn auch für uns ist ein Passahlamm geschlachtet worden: Christus.

1. Korinther 5,8:
„So wollen wir denn nicht mit altem Sauerteig Fest feiern, auch nicht mit Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern mit ungesäuerten Broten der Lauterkeit und Wahrheit.“

Merill F. Unger¹ merkt zu diesen Versen daher ganz recht an:

„Wie der Sauerteig der Sünde wirkt. Verse 6 – 13. Der Sauerteig, in der Schrift ein Bild für die Sünde, durchdringt die ganze Teigmasse (Vers 6). Sünde, die geduldet wird oder ungerichtet bleibt, breitet sich genauso aus. Sie muss deshalb ausgefegt werden (Vers 7). Aus welchem Grund? Christus, das Passahlamm, das die Sünde der Welt hinweg nimmt (2. Mose 12, 1 – 13; Johannes 1, 29) ist geopfert worden, wodurch der Gläubige gerettet wird. Das Ergebnis ist das Fest der ungesäuerten Brote, das durch das Passahopfer eingeführt wurde (2. Mose 12, 14 – 22). Es ist ein Sinnbild für das christliche Leben, das abseits von der Sünde gelebt werden soll (Vers 8 ). Daher muss der unzüchtige Bruder (Verse 1 – 5) aus der Gemeinde ausgeschlossen werden (Verse 9 + 11). Trotzdem muss die Trennung des Einzelnen von der Sünde nach dem Grundsatz „in der Welt, doch nicht von der Welt“ geschehen (Verse 10 – 11).“

In diesem Sinn ist auch das letzte Vorkommen des Begriffs „Sauerteig“ im Brief des Apostels Paulus an die Galater zu verstehen:

Galater 5, 9:
„Ein wenig Sauerteig durchsäuert den ganzen Teig.“

Wir können also schon allein aufgrund des Gebrauchs des Wortes „Sauerteig“ im Neuen Testament eindeutig feststellen, dass „Sauerteig“ nie ein Symbol für Gutes, Positive, sein kann. Dementsprechend kann er auch im Gleichnis vom Sauerteig nichst die Ausbreitung des Evangeliums oder des Reiches Gottes in positiver Weise darstellen. In einen späteren Artikel werden wir betrachten, wie dieses Gleichnis daher entsprechend dem biblischen Befund ausgelegt werden sollte.

¹= zitiert nach: „Ungers großes Bibelhandbuch“, Merill F. Unger, bearbeitet von Gary N. Larson, Seite 493, CLV-Verlag Bielefeld, 3. Auflage 2003,



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