Völkerverständigung?

Translation here.

Es war am Morgen nach dem EM-Spiel Italien gegen die Niederlande. Ich war auf dem Weg zur Arbeit, als ich Zeuge folgender Szene wurde: Vor mir ging eine kleine Gruppe von Grundschülern, mehrheitlich Mädchen. Einige Meter vor ihnen lief ein ungefähr gleichaltriger Junge, der auch auf dem Weg in die Grundschule war. Plötzlich rief eines der Mädchen: „Antonio!“ Der Junge drehte sich um und das Mädchen rief: „Ich sag‘ nur Hoooollaaand!“ Dann fielen die anderen Mädchen in das Rufen mit ein: „Antonio! Ich sag‘ nur Hoooollaaand! Hooooollaaaand!“ – So ging das dann einige Minuten. Der kleine Kerl beschleunigte seine Schritte und stiefelte mit hängendem Kopf und grimmiger Miene davon. Soviel zur Völkerverständigung mittels Wettkampfspielen …

„EM-Fieber!“
von Walter Landgraf/pixelio

Nachdem die Grundschüler in eine Nebenstraße eingebogen waren, dachte ich an eine Diskussion, die ich kürzlich mitbekommen hatte. Es ging um die Frage, ob Kirchen/Gemeinden beim so genannten „Public Viewing“ mitmachen sollten, d.h. ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellen und/oder eigens solche Events veranstalten sollten. Ich habe die unterschiedlichsten Argumente für oder gegen diese Art des Public Viewing gehört: Da sind die einen, die meinen, man müsste da unbedingt mitmachen und dieses Ereignis als Evangelisationschance nutzen: Da kann man mal zeigen, dass man als Christ „ganz normal“ ist. Dann gibt es die anderen, die meinen, dass gerade durch eine solche Anbiederung an den allgemeinen Geschmack eine Evangelisation unmöglich wird. Und dann gibt es noch Stimmen, die denjenigen, die als Christen auf Public Viewing als Evangelisationsevent setzen, vorwerfen, sie würden hinter diesen Argumenten nur ihre eigene Verweltlichung verbergen.
Bei dieser ganzen Diskussion habe ich einen Gedanken vermisst, an den ich bei meinem kleinen Erlebnis auf dem Weg zur Arbeit erinnert wurde. Darum möchte ich hier auf ihn eingehen:

Eine der Charaktereigenschaften Gottes, die uns in der Heiligen Schrift immer wieder begegnet, ist Gottes Unparteilichkeit. So heißt es z.B. in Römer 2, 11: „… denn es gibt kein Ansehen der Person bei Gott.“ In 1. Petrus 1, 17 wird uns gesagt, dass der himmlische Vater „ohne Ansehen der Person richtet“. In Epheser 6, 9 werden gläubige Herren (heute würden wir wohl sagen „Chefs“) ermahnt, gut mit ihren Dienern (heute würden wir wohl sagen „Angestellten“) umzugehen. Diese Ermahnung wird dort mit dem Hinweis versehen, dass sie bedenken sollten, dass sie selbst einen Herrn im Himmel haben. Bei diesem ist „kein Ansehen der Person“ ist, d.h., dieser wird also auch sie richten, ohne dass sie sich auf ihre „gehobene Position“ oder „bessere Stellung“ berufen könnten.

Bei Gott ist also kein Ansehen der Person, Er ist unparteiisch. Sollten wir als Christen da parteiisch sein? In Galater 5, 20 wird „Parteilichkeit“ als ein Werk des Fleisches verurteilt, welches bei Christen nicht zu finden sein soll: „Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Streit, Eifersucht, Zornausbrüche, Selbstsüchteleien, Zwistigkeiten, Parteiungen“ (rev. Elberfelder Übersetzung). Andere Übersetzungen benutzen statt „Parteiungen“ das Wort „Spaltungen“, welches m. E. jedoch nur zeigt, worauf Parteilichkeit hinausläuft.
Wie sieht es nun damit aus, wenn wir als Christen einen solche Event veranstalten oder unterstützen? Wir unterstützen damit einen Vergleichswettkampf. „Einer wird gewinnen!“ – genau – und ein anderer wird verlieren. Vielleicht werden wir sogar „für die eine Mannschaft“ und „gegen die andere“ sein? Wie können wir das mit unserem christlichen Zeugnis vereinbaren? Bei Gott gibt es kein Ansehen der Person, Er ist nicht parteilich. Ganz im Gegenteil. Seine Liebe gilt allen Menschen ohne Unterschied:

„Denn Gott hat die Welt so geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.“

(Johannes 3, 16)

„Jeder“ das bedeutet „alle, ohne Ausnahme“. Gemäß dieser Liebe Gottes, bei der es keine Parteilichkeit, kein Ansehen der Person, gibt, werden einmal Menschen aus allen Nationen, Stämmen, Völkern und Sprachen bei Gott sein:

„Danach sah ich, und siehe, eine große Schar, die niemand zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Zungen; die standen vor dem Throne und vor dem Lamm, angetan mit weißen Kleidern, und Palmen in ihren Händen.“

(Offenbarung 7, 9)

Das wird wahrhaftige Völkerverständigung sein, nicht nur Verständigung und Friede der Völker untereinander, sondern auch Verständigung und Friede der Völker mit Gott, ihrem Schöpfer.
Als Christen dürfen wir diese wunderbare, hoffnungsvolle Botschaft allen Menschen weitergeben. Mit Vergleichswettkämpfen lässt sie sich nicht vereinbaren.

You need a translation of this text in your language? Klick here.
You enjoyed this post, make sure you subscribe to the free RSS feed!
Hat Ihnen dieser Artikel gefallen, dann abonnieren Sie das kostenlose RSS-Feed!

Dieser Beitrag wurde unter Glimpses/Impulse abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hier ist Platz für Ihre Meinung

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.