Wir bauen Gottes Reich! Ach ja???

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Vor einigen Tagen fand ich in meinem Briefkasten die Zeitschrift einer christlichen Gemeinschaft, auf deren Titelseite ein großer Baukran und zwei Männer im Outfit von Bauleuten zu sehen waren. Darunter prangte in großen Lettern das Motto: „Wir müssen das Königsreich Gottes bauen!“

Wir bauen das Reich Gottes – ach wirklich?

Wann immer ich solche Aussagen lese, denke ich an das, was der alttestamentarische Prophet Daniel über das Reich Gottes sagte. In Daniel 2 deutet der Prophet einen Traum des babylonischen Königs Nebukadnezar. Dieser hatte von einer wunderbaren, aus sechs Elementen bestehenden, Statue geträumt. In seinem Traum wurde dieses Bildnis dann von einem „Stein“, der zu einem großen Berg wurde, vollkommen zerstört.

Der Prophet erläutert dies so: „Du schautest bis ein Stein sich losriss ohne Hände [wörtl.: nicht durch Hände, d.h. ohne menschliche Vermittlung] und das Bild an seinen Füßen aus Eisen und Ton traf und sie zermalmte. (…) Und der Stein, der das Bild geschlagen hatte, wurde zu einem großen Berg und füllte die ganze Erde.“ (Daniel 2, 34 – 35; ÜEB, Hückeswagen 2005). Daniel deutet im Folgenden die Statue als eine Abfolge der menschlichen Weltreiche und den „Stein“ als Symbol für das Reich Gottes. Das Reich Gottes wird die menschlichen Weltreiche ablösen und das wird „ohne Hände“, d.h. ohne menschliches Zutun, geschehen. Es ist ganz allein Gottes Werk. Dies wird im Buch Daniel noch an einer weiteren Stelle bestätigt, nämlich in Daniel 7, 18: „Aber die Heiligen der höchsten Örter [A. Ü.: des Höchsten] werden das Reich [eig. Königreich, o. Königtum] empfangen und werden das Reich [eig. Königreich, o. Königtum] besitzen bis in Ewigkeit, ja bis in die Ewigkeit der Ewigkeiten.“ (ÜEB, Hückeswagen 2005) Das Reich Gottes wird von den Gläubigen „empfangen“, nicht gebaut.

In der Heiligen Schrift finden wir keinen Hinweis, dass der Mensch, auch nicht der gläubige Mensch, das Reich Gottes baut oder aufrichtet. Dies wird ganz allein durch Gott bewirkt. Jeder Form religiöser diktatorischer Theokratie, wie wir sie in der Geschichte z.B. im Genf Calvins oder während der Täuferherrschaft in Münster erlebten, ist damit eine Absage erteilt und wird so als Auswuchs menschlichen Hochmuts verurteilt. Auch das Neue Testament lässt eine „anderweitige Lesart der Dinge“ nicht zu. Denn Jesus Christus hat eindeutig erklärt: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt; wenn mein Reich von dieser Welt wäre, hätten meine Deiner gekämpft, damit ich den Juden nicht überliefert würde; jetzt aber ist mein Reich nicht von hier.“ (Johannes 18, 37, UEB, Hückeswagen 2005).


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