Notizen zur Offenbarung (31)


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Ephesos: Blick vom Theater auf die Hafenstraße Foto: Hans Weingartz/Wikipedia

Ephesos: Blick vom Theater auf die Hafenstraße Foto: Hans Weingartz/Wikipedia

Im den letzten beiden  Artikeln dieser  Betrachtung der sieben Sendschreiben (Offenbarung 2, 1 bis Offenbarung 3, 22) ging es um den dritten Abschnitt (Ermahnung bzw. Zurechtweisung) der seelsorgerisch korrektiven und auferbauenden Hinweise, die der Herr Jesus Christus den Gläubigen in Ephesus gibt. Die Diagnose des geistlichen Zustands der Adressaten dieses Briefes war eindeutig: sie hatten zwar viele gute Werke vorzuweisen, gleichzeitig aber hatten sie die “erste Liebe“ zu ihrem Erlöser verlassen. In den vorausgegangenen Artikeln habe ich mögliche Gründe für dieses Verlassen der “ersten Liebe“ herausgearbeitet:
1) Der verschobene Fokus. Langsam aber stetig hat sich bei diesen Gläubigen der Fokus verschoben. Die Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus Christus im Lesen Seines Wortes und im Gebet ist nicht mehr ihre erste Priorität. Sie gestalten ihr Leben nach „eigenem Gusto“, nach ihrem Geschmack. Durch falsche Lehren über die Gemeinschaft mit Gott, wird diese “Sicht der Dinge“ noch verstärkt und scheinbar auch biblisch gerechtfertigt. “Der Theologe XYZ hat das gesagt, dann wird es schon stimmen.“ Eigenes Bibelstudium zwecks Überprüfung dieser Aussagen entfällt, dafür hat man sowieso keine Zeit mehr. Als Folge davon wird Gott nicht mehr nach Seinem Willen und Plan für das Leben des Gläubigen gefragt, Er ist nur noch dafür da, den selbsterwählten Weg möglichst zu segnen. Ob Er so etwas tut, ist freilich eine ganz andere Frage.
2) Weitere Gründe für das Verlassen der ersten Liebe können falsche Glaubenserwartungen sein, die häufig auf falschen Lehren beruhen. Während die Christen in Beröa noch alles anhand der Heiligen Schrift prüften, was Paulus sie lehrte (Apostelgeschichte 17, 11), sind die Christen in Ephesus so mit ihren vielen Aktivitäten beschäftigt, dass dazu gar keine Zeit mehr übrig ist. Falscher Aktivismus kann so nicht nur zum Ersatz für die innige Gemeinschaft mit dem Herrn werden, sondern auch ein Tor, durch das falsche Lehre das Leben des  einzelnen Gläubigen oder sogar der ganzen Versammlung (= Gemeinde) eindringen. Als Folge davon entfernt man sich noch weiter vom Herrn und Seinem Willen.

Das Sendschreiben an Ephesus

“Dem Engel der Versammlung in Ephesus schreibe: Dieses sagt, der die sieben Sterne in seiner Rechten hält, der da wandelt inmitten der sieben goldenen Leuchter: Ich kenne deine Werke und deine Arbeit und dein Ausharren, und daß du Böse nicht ertragen kannst; und du hast die geprüft, welche sich Apostel nennen, und sind es nicht, und hast sie als Lügner erfunden; und du hast Ausharren und hast getragen um meines Namens willen, und bist nicht müde geworden. Aber ich habe wider dich, daß du deine erste Liebe verlassen hast. Gedenke nun, wovon du gefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke; wenn aber nicht, so komme ich dir und werde deinen Leuchter aus seiner Stelle wegrücken, wenn du nicht Buße tust. Aber dieses hast du, daß du die Werke der Nikolaiten hassest, die auch ich hasse. Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Versammlungen sagt! Dem, der überwindet, dem werde ich zu essen geben von dem Baume des Lebens, welcher in dem Paradiese Gottes ist.“

(Offenbarung 2, 1 – 7)


Ephesus – der seelsorgerisch korrektive und auferbauende Aspekt (III)

4) Ermutigung zum Umkehr – Hilfen aus Gottes Wort (I)

In Seinem Sendschreiben zeigt der Herr Jesus Christus den Christen in Ephesus verschiedene Schritte auf, die sie zur ihrer “ersten Liebe“ zurückführen werden:

Sich der Diagnose des Herrn stellen

Am Anfang steht die schonungslose Diagnose. Wenn der Herr Jesus Christus uns sagt, dass wir die erste Liebe verlassen haben und wir in unserem Herzen wissen, dass das stimmt, dann müssen wir dieser Diagnose zuerst einmal zustimmen. Viele Gläubige tun das nicht. Sie möchten dieser Diagnose gern aus dem Weg gehen und sich ihr nicht stellen. Darum “drehen sie dann noch einmal vol auf“ und steigern ihre Aktivitäten noch einmal. Hauptsache, sie haben immer gut zu tun! Und noch besser ist es, wenn sie dem, was sie tun, einen “christlichen Anstrich“ geben können. Wer könnte sie da kritisieren? Was sie tun, dass tun sie doch schließlich “für den Herrn“! Möglichst viel zu tun haben, immer beschäftigt bleiben und wenn ein Beschäftigungsloch droht, gleich eine neue Beschäftigung “in Gang setzen“. So bleibt man immer “schön beschäftigt“ und kann alles Reden Gottes zum eigenen Herzen und Gewissen “schön“ unterdrücken. Da muss man sich nicht dann auch keinen kritischen Anfragen Gottes stellen, nicht zugeben, dass man auf einem falschen Weg war/ist, keinen Fehler einsehen, keine Sünde bekennen und schon gar nicht in einen Prozess der Veränderung und Umgestaltung in das Bild Jesu (Römer 8, 29) eintreten, der vielleicht schmerzhaft sein könnte. So kann man die sanfte Stimme des Heiligen Geistes unterdrücken und immer weiter das tun, was man will. Und wenn dann mal was schief läuft, die Dinge sich nicht so entwickeln wie man das möchte, Probleme auftauchen, dann gibt es da ja noch die lieben Mitgläubigen, die müssen dann halt dafür beten, dass alles wieder gut wird. Dafür hat man sie doch, diese “geistlichen Müllmänner“, die dann im Gebet für all‘ den Murks eintreten müssen, den man “verzapft“ hat. Und dann wird’s “der Herr schon richten“. Vielleicht sagen das viele Christen nicht offen, aber ihr Leben und Handeln spricht genau diese Sprache. Wie weit sich Menschen mit einer solchen Einstellung von der göttlichen Wahrheit entfernt haben, wird deutlich, wenn wir einmal den biblischen Maßstab anlegen. Gott fordert uns auf, zuerst genau zu überlegen, Ihn zu fragen und dann unseren Weg einzuschlagen:

“Denn wer von euch, der einen Turm bauen will, setzt sich nicht zuvor hin und berechnet die Kosten, ob er genug habe zur gänzlichen Ausführung, damit nicht etwa, wenn er den Grund gelegt hat und es nicht zu vollenden vermag, alle, die es sehen, anfangen, über ihn zu spotten und zu sagen: Dieser Mensch fing an zu bauen und vermochte es nicht zu vollenden! Oder welcher König, der auszieht, um mit einem andern König Krieg zu führen, setzt sich nicht zuvor hin und berät, ob er imstande sei, mit zehntausend dem zu begegnen, der mit zwanzigtausend gegen ihn anrückt?  Wenn aber nicht, so sendet er, solange jener noch fern ist, eine Botschaft und bittet um die Friedensbedingungen.“

(Lukas 14, 28 – 32)

“Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du wandeln sollst; ich will dich beraten, mein Auge auf dich richtend. Seid nicht wie Rosse und Maultiere, ohne Verstand, welchen man Zaum und Gebiß anlegen muß, da sie sonst nicht zu dir nahen!“

(Psalm 32, 8 – 9)

„Denn also spricht Gott, der HERR, der Heilige Israels: Durch Umkehr und Ruhe könnt ihr gerettet werden, im Stillesein und im Vertrauen liegt eure Stärke. Aber ihr wollt nicht, sondern ihr sprechet: «Nein, wir wollen auf Rossen dahinfliegen!» Darum müsset ihr auch fliehen. «Wir wollen schnell davon reiten!» Darum werden eure Verfolger noch schneller sein! „

(Jesaja 30, 15 – 16)

Wie können wir denn guten Gewissens Gott um Seinen Segen bzw. um Hilfe bitten, wenn wir Ihn vor unseren Aktionen weder um Wegweisung noch um Rat gefragt haben? Gott wird nicht unsere unüberlegt gebauten “Türme“ für uns zu Ende bauen. Er hat diese “Türme“ ja nie gewollt. Und auch unsere Mitgläubigen sind nicht dazu da, unsere unvollendeten “Türme“ durchzubeten bis zu ihrer “Vollendung“. Gott ist nicht unser Müllmann, der am Ende “die Sache schon richten wird“. Ja, Gott wird “die Sache schon richten“ – doch viele dieser “Sachen“ richtet Er erst am Richterstuhl des Christus:

“Daher haben wir auch nur ein Ziel: so zu leben, dass er Freude an uns hat – ganz gleich, ob wir ´schon bei ihm` zu Hause oder ´noch hier` in der Fremde sind. Denn wir alle müssen einmal vor dem Richterstuhl von Christus erscheinen, wo alles offengelegt wird, und dann wird jeder den Lohn für das erhalten, was er während seines Lebens in diesem Körper getan hat, ob es nun gut war oder böse.“

(2. Korinther 5, 9 – 10, NGÜ)

Das griechische Wort, das Paulus hier gebraucht und das die Mehrheit unserer Übersetzung mit “böse“ wiedergeben, ist “κακός“ (dt.: „kakos“). Seine erste Bedeutung ist “böse“ oder auch “krank“, es kann aber auch mit “wertlos“ übersetzt werden¹. Gemeint ist, dass “etwas nicht so ist, wie es (nach Gottes Wunsch) sein sollte“. Das muss nicht offensichtlich böse oder sündig sein, es reicht einfach, dass es nicht im Willen Gottes ist.

“Aktivismus“ ist ein Teufelskreis, ob er nun “christlich“ verbrämt wird oder nicht. Er hält Gläubige davon ab, wirklich reife Gläubige zu werden. Das war z.B. bei den Christen in Korinth der Fall. Ihnen musste Paulus schreiben:

“Allerdings konnte ich mit euch, liebe Geschwister, nicht wie mit geistlich reifen Menschen reden. Ihr habt euch von den Vorstellungen und Wünschen eurer eigenen Natur bestimmen lassen, sodass ihr euch, was euren Glauben an Christus betrifft, wie unmündige Kinder verhalten habt.“

(1. Korinther 3, 1 NGÜ)


Geistlich unreife Christen lassen sich von den “Vorstellungen und Wünschen ihrer eigenen Natur“ bestimmen. Geistlich reife Christen fragen hingegen zuerst immer nach dem Willen Gottes. Wie können wir wissen, ob diese Diagnose auf uns zutrifft? Die Antwort ist ganz einfach. Stellen Sie sich selbst die Frage, was sie lieber täten: Drei Stunden (die Zahl ist ganz willkürlich gewählt) Gemeinschaft mit Gott zu haben, indem sie Gottes Wort lesen (oder studieren) und das Gelesene/Studierte im Gebet mit Gott besprechen oder drei Stunden einer christlichen Aktivität nachgehen, z.B. eine Predigt hören, ein Gemeindefest organisieren, eine Jugend- oder Kinderstunde halten, mit anderen Menschen über den christlichen Glauben reden ….. Wonach sehnt sich Ihr Herz mehr?  Und dann fragen Sie sich weiter: Setzen Sie sich gern Gottes Wort, Gottes Reden aus? Haben Sie eine Sehnsucht danach, dass Gott Ihnen Dinge in Ihrem Leben aufzeigt, die der Veränderung bedürfen? Sind Sie bereit, sich diesen Dingen zu stellen? Sind Sie bereit, auch schmerzhafte Veränderungen in Kauf zu nehmen um so mehr “in das Bild Seines Sohnes“ (Römer 8, 29) verwandelt zu werden? Oder ist das Motto Ihres Glaubenslebens: “Ich will so bleiben, wie ich bin!“?
Gott redet nicht nur durch Sein geschriebenes Wort zu uns, sondern auch durch Predigt und Seelsorge. Darum können uns einige weitere Fragen bei der Diagnose helfen: Wenn Sie eine Predigt hören und Gottes Wort Sie darauf hinweist, dass Sie Veränderung brauchen oder dass Sie sich auf einem falschen Weg befinden, wie reagieren Sie? Lehnen Sie das Gehörte einfach ab, indem sie sagen: „Der XYZ lebt das ja selbst nicht zu 100 %, was er da predigt. Der soll sich erst einmal selbst verändern! Der predigt das eh‘ nur, um an mir herumzusticheln. Der predigt das, weil er will, dass ich werde wie er“?  Oder können Sie bei aller Schwachheit der Gefäße, die uns Gottes Wort verkündigen, noch Gottes Stimme hören? Der Apostel Paulus musste erleben, wie sich die Einstellung der Christen in Galatien, die ihn bei seinem ersten Besuch begeistert aufgenommen hatten, später in Ablehnung verwandelt hatte:

“(..) ihr wißt aber, daß ich euch in Schwachheit des Fleisches zum ersten Mal das Evangelium verkündigt habe. Und meine Anfechtung in meinem Fleisch habt ihr nicht verachtet oder gar verabscheut, sondern wie einen Engel Gottes nahmt ihr mich auf, wie Christus Jesus. Was war denn eure Glückseligkeit? Denn ich gebe euch das Zeugnis, daß ihr wenn möglich eure Augen ausgerissen und mir gegeben hättet. Bin ich also euer Feind geworden, weil ich euch die Wahrheit sage?“

(Galater 4, 13 – 16, SCHL2000)

Die Galater hatten die Verkündigung des Evangeliums mit Freude aufgenommen. Doch als Paulus Dinge aussprechen musste, die ihnen nicht gefielen, veränderte sich ihre Haltung ihm gegenüber.
Wie gehen Sie damit um, wenn andere Christen versuchen, Ihnen seelsorgerisch zu helfen oder Ihnen aus seelsorgerischer Motivation raten wollen? Können Sie in diesen Mitchristen überhaupt noch das Herz des Bruder/der Schwester sehen, dem es nicht egal ist, wie es Ihnen geht? Sehen Sie in ihrem Handeln ein Herz der Liebe, dessen Wunsch es ist, Sie vor Schaden zu bewahren? Oder denken Sie, dass es diesen Mitchristen nur darum geht, Sie zu bevormunden, Sie einzuschränken, Ihnen etwas auszureden oder dass sie Ihnen vielleicht sogar etwas “wegnehmen“  wollen? Vielleicht gebrauchen meine Mitgläubigen nicht die richtigen Worte, wenn sie mir helfen wollen. Vielleicht fühlen sich diese Mitgläubigen gedrängt, etwas auf überspitzte Weise zu sagen, weil sie denken, dass sie anders bei mir gar nicht mehr durchkommen. Wie reagiere ich darauf? Lehne ich ihren Vorstoß rundherum ab, weil “die sowieso keine Ahnung haben“, weil „die Unsinn reden“, weil “die mein Problem sowieso nicht nachvollziehen können“? Oder nehme ich das Gespräch mit ihnen auf und versuche zu verstehen, was sie mir sagen wollen? Natürlich müssen wir nicht jeden Rat ungeprüft annehmen (1. Thessalonicher 5, 21). Aber die Frage ist, ob wir den Rat unserer Mitchristen überhaupt noch hören und ihn in unser Gebet aufnehmen.

Zusammenfassend: Wir sollten uns fragen,  ob wir noch hören, was Gott uns sagen möchte und ob wir, wenn wir es hören, auch bereit sind, danach zu handeln. Ein Mensch, der Gott liebt, wird immer auch die Bereitschaft haben, auf Gott zu hören, nach Seinem Willen zu fragen und das zu tun, was Gott möchte. Ein Mensch, der Gott liebt, wird zuerst nach Gottes Willen fragen und dann handeln. Denn ein solcher Mensch richtet sich aus nach dem Sohn Gottes:

“(…) ich suche nicht meinen Willen, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.“

(Johannes 5, 30)

„Vater, wenn du willst, so nimm diesen Kelch von mir! Doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“

(Lukas 22, 42)

Solchen Menschen gilt die (umgekehrte) Verheißung Jesu:

“Nicht jeder, der zu mir sagt: «Herr, Herr», wird in das Himmelreich eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut.

(Matthäus 7, 21)

Fußnoten:

¹ vgl. Mickelson’s Enhanced Strong’s Greek and Hebrew Dictionaries, Jonathan K. Mickelson 2005, 2008, Ausgabe für “The Word Bible Software“ by Costas Stergiou, Anmerkung zu “κακός“.

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